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Der letzte Akt eines göttlichen Weltdramas (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Montag, 29. Januar 2018, 09:54 (vor 1031 Tagen) @ BBouvier7606 mal gelesen

Hallo!

Über so einen "Dritten Weltkrieg" gibt es doch auch nicht eine (!)
valide Seherschau!

Zu ergänzen ist, daß es nicht wenige Schauungen gibt, die Russen hier zeigen. In manchen davon treten sie durchaus friedlich auf,

Sich jetzt einen fiktiven künftigen Koreakrieg
zusammenzufabulieren, um Irlmaiers Naherwartung seines
III. Weltkrieges im Jahre 1953 zu stützen, ist nicht zielführend.

Mit Irlmaiers Koreakrieg verhält es sich exakt wie mit dem angeblichen Konzil Garabandals: Irlmaier bezog sich schlicht auf den Krieg, der während seiner Aussage gleichzeitig stattfand. Auf welchen denn auch sonst??? Es liegt nichts näher als das. Das ist die wahrscheinlichste, einfachste, eleganteste aller Varianten.
Es sei denn, man geht voreingenommen an die Sache heran mit der Annahme, daß Aussagen eines behaupteten Sehers echt und wahr sein müssen, weil alle behaupteten, er wäre sein Seher, und man daran glauben will. Davon ausgehend, um die Säulenheiligen immer weiter in die Zukunft zu retten, werden immer abstrusere, unwahrscheinlichere Theorien in Betracht gezogen, die schließlich die gesamte Gegewart und ihre politisch-historischen Hintergründe umkonstruieren.

  • Franziskus kann dann kein echter Papst sein und natürlich auch keiner seiner vielen Nachfolger.
  • Es bricht irgendwann noch ein Koreakrieg aus, und wenn nach diesem nicht der dritte Weltkrieg kommt, gibt es eben noch einen Koreakrieg, den Irlmaier ganz sicher gemeint hat, oder notfalls zehn weitere Koreakriege.
  • Der Kommunismus ging gar nicht unter, sondern lebt versteckt im konservativen und christlich-orthodoxen Rußland weiter. Wenn es sein muß auch 100 Jahre nach seinem "offiziellen Ende".
    DeGard hielt die Idee einer "bolschewistischen Langzeitstrategie" ursprünglich vermutlich nur deswegen für plausibel und nachverfolgenswert, weil sie ihm erlaubte, den Kommunismus in die Zukunft zu retten und damit die Prophezeiungen, obwohl die Tatsachenwelt nach 1991 massiv mit diesen in Konflikt geriet. Ohne prophetische Vorbildung wäre es leicht möglich gewesen, die Handvoll Überläufer auf Authentizität zu prüfen, statt sie zu Säulenheiligen stilisieren zu müssen, die man mit inquisitorischer Inbrunst verteidigen muß. In seiner Welt ist bald jeder, der ihm nicht zustimmt, entweder von bolschewistischer Propaganda irregeleitet oder selbst ein bezahlter Agent.
  • ...

Die Frage ist, ob man aus im einzelnen völlig sachfremden Gründen, ein von vorne bis hinten verkorkstes Weltbild riskieren will, das einen auch außerhalb der Beschäftigung mit Prophezeiungen in die Irre führt, weil man um fallende Glaubensdogmen ein aberwitziges Kartenhaus rettender Stützannahmen konstruiert, das immer weiter ausufern muß, je mehr Zeit vergeht.

Den klassischen Dritten Weltkrieg mit russischem Überraschungsangriff, habe ich für mich schon längst ausortiert. Es handelt sich um die Spätform der Jahrtausende alten christlichen Endzeitprophetie. Diese basierte aber im Wesentlichen zu keinem Zeitpunkt auf echten Schauungen, sondern auf einer religiösen Erwartungshaltung, die sich aus den kulturellen Grundlagen der nahöstlichen Urchristen ergab. Sie hat sich dem jeweiligen Zeitgeist anpassend laufend weiterentwickelt. Motive wurden abgewandelt und traten hinzu, die zum festen Bestandteil der Tradition wurden und in schleichender Evolution für nachfolgende Generationen von Propheten obligatorisch wurden. Eine Reihe bekannter Motive zählt dazu:

  • Der Angriff aus dem Osten, ursprünglich Gog und Magog aus dem Inneren Asiens, antichristliche Horden, die in der Endzeit die friedliche Christenheit überfallen. Das waren später die Türken, dann die Russen.
  • Die Kirchenverfolgung in der Endzeit. Das entsprach seit jeher dem christlichen Selbstbild. Ähnlich wie bei den Juden muß es sich bei Gottes Volk um ein verfolgtes Volk handeln. Von niemandem gemocht zu werden unterstreicht in einer schrägen Logik die Wahrheit ihrer Mission. Zunächst dachte man die Rolle des Verfolgers dem Islam zu, was über Jahrhunderte der abendländischen Geschichte hinreichte. Seit dem 19. Jahrhundert ist das Schreckgespenst des Kommunismus und Materialismus der Spitzenkandidat für den antichristlichen Verfolger. Seitdem künden die Propheten rote Revolutionen, Rotjankerl usw.
  • Der "große Monarch": Ein Wegbereiter für die Wiederkehr Jesu. Er besiegt die antichristlichen Horden, rettet die Kirche, wird vom Papst zum Dank zum Kaiser gekrönt, den er unter Fanfaren nach Rom zurückführt, wo für 42 Monate der Antichrist residierte. Die Rolle des großen Monarchen nahmen zunächst die römischen Kaiser ein, dann die byzantinischen, schließlich waren es die römisch-deutschen Kaiser oder die französischen Könige. Seit dem Untergang der Monarchien rechnet man mit der Wiederkehr des Kaisers, der versteckt irgendwo lebe und auf den Beginn seiner Mission warte.
  • Das Strafgericht: Es hat sich wohl aus Angaben in der Offenbarung bzw. der Bibel sukzessive entwickelt. Die dreitägige Finsternis ist lediglich ein Abwandlung der Finsternis am Kreuz und der Finsternis in Ägypten, die mit der Symbolik der Drei kombiniert und zum Weltgericht vergrößert wurde. Die Erwartung eines Gerichtes an sich entstammt überhaupt dem Weltbild der magischen Kultur des nahen Ostens, welche die Welt höhlenhaft begreift, mit der Erde im Mittelpunkt und nach einer begrenzten Anzahl Jahrtausende bemessen, die ein göttliches Drama darstellen, an dessen Höhepunkt der Kampf für oder wider Gott durch den endgültigen Sieg über das Böse entschieden wird. Im Anschluß faltet Gott seine Schöpfung wieder ein. Sie hat ihren Sinn erfüllt. Die Rechtgläubigen gehen in Gott ein und leben dort in Ewigkeit (also Zeitlosigkeit). Das ist mit dem Reich Gottes eigentlich gemeint. Nach dem Strafgericht sollte es die Erde und das Diesseits eigentlich nicht mehr geben.
  • Das "goldene", christliche Zeitalter: Das scheint mir eine Erfindung griechisch-römischer antiker Menschen zu sein, die auch das Abendland aufgriff, weil die Vorstellung eines völligen Endes der Welt in diesen Kulturkreisen absurd und inakzeptabel wirkt. Den Weltuntergang, nach dem es nichts mehr geben sollte, als positiv zu begreifen, war unmöglich. Daher wurde das Endgericht zum Strafgericht umgedeutet, nach dem die Erde gereinigt weiterexistieren sollte. Das Reich Gottes wurde von ewiger Glückseligkeit im göttlichen Wesenskern der Welt zu einem irdischen Gottesreich mit einer tausendjährigen Friedenszeit unter idealen Herrschern umgewandelt, für die es in antiken Mythen auch Vorlagen gab. Auch in der Edda wird die Welt neu geschaffen, die Götter wiedereingesetzt und es ist alles wie vorher.

Um den Bogen zurückzuschlagen: Es ist eigentlich nicht zielführend, Prophezeiungsmotive in die reale Geschichte zu projizieren, die sich kulturgeschichtlich lediglich entwickelt haben, um durch Hininterpretierung auf die religiösen Vorgaben einen fixen Endzeitglauben in die eigene historische Welt zu übertragen.

Ob man an eine von oben dirigierte Cäsur glaubt, ist im Grunde ein religiöses Problem. Das mag durchaus so sein und trifft meines Erachtens auch zu, weil die Welt kein Chaos ist, sondern Struktur hat. Es mag auch sein, daß Gott den entwickelten Faden der Schöpfung nach Erreichung des "Punktes Omega" irgendwann wieder zu einem Knäuel ohne raum-zeitliche Ausdehnung aufrollt, aber doch nicht übermorgen!
Kein religiöses Problem im engeren Sinne ist indes der Vorgang, menschliche Erfindungen, die aus uralten Glaubensauffassungen hervorgegangen sind, als solche zu erkennen und auszusortieren.

Daß etwas alt ist, seit Jahrhunderten wiederholt und allgemein für echt gehalten wird, ist kein Argument dafür. Ich habe keine Problem damit, heilige Kühe zu schlachten, bei deren bloßer Berührung schon einer Mehrheit wegen des empfundenen Sakrilegs die Haare zu Berge stehen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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