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Eine Maria? Hunderte! (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Montag, 29. Januar 2018, 12:12 (vor 1041 Tagen) @ Explorer7287 mal gelesen

Hallo!

Woher willst du dir sicher sein, dass solche Erscheinungen wirklich die Jungfrau Maria sind?

Das ist ein Kernpunkt, der letztlich auf die Frage zurückführt, ob Maria überhaupt eine Person im üblichen Sinne ist.

Der historische Jesus hatte gewiß eine Mutter, die aber, ebenso wie der historische Jesus mit dem Kirchenjesus, nicht mit dem Bild der Mutter Gottes gleichzusetzen ist.

In das Bild von Maria wirken massiv sehr viel ältere Vorstellungen einer Muttergöttin und darunter subsumierbare Gestalten im heidnischen Pantheon hinein. Sie wurden in der christlichen Maria spezifisch neu in Form gebracht, sind aber natürlich keine christliche Erfindung, sondern älter.
Letztlich ist Maria ebensowenig eine Person wie der „heilige Geist“ oder Odin oder Zeus Personen sind. Sie repräsentiert eine Qualität in der Schöpfung, die auch archetypischer Teil des menschlichen Wesens ist. Konsequenterweise müßte sich dem Bild der „Mutter Gottes“, die das Urweibliche repräsentiert, das Bild des Urmännlichen hinzugesellen, nämlich des Allvaters, die nur zusammen einen vollständigen Gott ergeben. Die Mutter Gottes gebiert den Vater, der wiederum die Welt erschafft (zeugt), derer die Gottesmutter ein Teil ist. Er trägt den geistigen, schöpferischen Impuls bei, sie den vegetativen, passiv empfangenden und durch Wachstum erst das Geistige zur Entfaltung bringenden Part. Er ist die Sonne (die im (Indo-)Germanischen, vgl. gotisch „sunno“, lateinisch „sol“, zurecht noch männlich war), sie ist die Erde. Mann und Weib vollziehen das auf menschlicher Ebene durch Zeugung und Geburt sowie die vielschichtigen Aufgaben im Leben nach.

Daß man Jesus zu Marias Sohn gemacht hat, den man zugleich als Bestandteil einer künstlichen Dreifaltigkeit zu einem Teil Gottes erklärt, ist im Grunde eine Abschwächung und Verdrehung der ursprünglichen Dualität. Es war wohl nötig, um Jesus, der ursprünglich nicht mehr als ein Lehrer war, zu einem tragenden Fundament einer Religion zu machen, die stets einen göttlichen Kern braucht. Der Fehler war, einen Menschen, der eigentlich nur Künder war, ins Zentrum zu rücken und somit den Boten mit der Botschaft zu verwechseln.

Maria ist keine Person, sondern ein Konzept, das im Christentum entgegen der eigentlichen Dreifaltigkeitskonzeption völlig zu Recht als eigentlich gleichrangiger Bestandteil zu Gott, der in Jesus abgeschwächt zutage tritt, erscheint.

Davon ausgehend stelle man sich die Frage, ob es plausibel ist, daß in dutzenden oder hunderten Fällen sich eine Person manifestiert, die stets das selbe Bewußtsein ihrer Selbst haben und eine abgeschlossene, mit einer dem Menschen vergleichbaren Psyche ausgestattete Persönlichkeit besitzen soll.
Wahrscheinlicher ist, daß sich ein der Schöpfung immanentes urgeistiges Konzept manifestiert, die Erscheinung einer vielgestaltigen Gottheit, die gewiß schon vor Entstehung des Christentums in verschiedenen Fassungen geahnt und erblickt wurde. Da es sich nicht um eine eigenständige Wesenheit handelt, die nicht innerhalb unseres Raum-Zeit-Begriffs existiert und nicht die selben Bewußtseinsgrenzen wie wir hat, kann man nicht voraussetzen und verlangen, daß die zahlreichen Erscheinungen untereinander konsistent sind und ihre Mitteilungen sich zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen. Vielmehr erscheint die Gottesmutter/Muttergottheit in ihrer christlichen Aberration mit christlichen Kennzeichen und christlichen Mitteilungen, die genau dem entsprechen, was die Gläubigen von ihr erwarten. Die Erscheinung ist sich nicht zwingend all ihrer anderen Manifestationen gewahr (mancher wohl schon) und bringt auf den jeweiligen Ort, die Zuhörerschaft und die Zeit abgestimmte Sonderbotschaften.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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