Mixturen (Schauungen & Prophezeiungen)

Sagitta @, Dienstag, 06. Februar 2018, 23:28 (vor 1033 Tagen) @ Ulrich6766 mal gelesen

Hallo Ulrich,

besten Dank an den Hüter der Goldfische in den Kristallkugeln!

Ich hatte, wie Taurec, diese alte Diskussion in dunkler Erinnerung und wollte ebenfalls nachschauen (hatte an die Frau Ferriem gedacht), aber kam dann ebenfalls nicht mehr dazu. Jetzt habe ich das nachgeholt und bin dabei auf einen noch älteren Beitrag von @Randomizer gestoßen:

"Die Nordseebombe hat sich Irlmaier ganz gewiß angelesen bzw. kombiniert: die militärische Idee einer solchen Bombe kursierte seinerzeit (1950 +/- 5 Jahre) u.a. auch in der Presse, so daß Irlmaier diese (irrige) Idee mit den ihm ebenfalls bekannten Vorhersagen über den angeblichen Untergang Englands kombinierte und daraus seine Nordsee-Kasterl-Legende konstruierte."

https://schauungen.de/forum/index.php?id=25663

Was und wie aufmerksam hat Irlmaier gelesen? Wie hat er kombiniert? Die Frage (eigentlich an @Randomizer) ist nämlich: Wenn der Untergang Englands bei Thalia/Lomer überdeutlich in Zusammenhang mit dem Erscheinen eines Kometen gebracht wird, warum streicht dann Irlmaier das dann komplett durch und ersetzt den Kometen durch ein Flugzeug? Oder hat jemand anders diese Verwandlung vorgenommen? Aber was könnten die Gründe dafür gewesen sein? Wollte man die damals allgemeine Furcht vor den Russen bedienen, während feurige Asteroiden nach dem Krieg eben kein Thema waren?

Bis alle diese Fragen geklärt sind, bleibe ich dabei, dass Irlmaier ein paar eigene Blicke in eine dramatische Zukunft erhascht hat. Und er musste versuchen, das einzuordnen und zu verstehen und auf den Begriff zu bringen.

Hierzu ein weiteres Beispiel. Im oben verlinkten Artikel stellt @Randomizer auch die Klimasache bereits heraus (Erwärmung). Wenn man derartiges in einem Prophezeiungsheftchen liest, so geht das leicht unter, denn da wird man ja mit 1000 absurden Details konfrontiert, die man kaum verarbeiten kann. Wenn man für so ein Detail aber sensibilisiert ist - etwa weil man selbst ein 'Gesicht' dazu hatte -, dann behält man das leichter im Kopf, fasst es sogar als eine 'Bestätigung' auf und gibt es dann mit eben den Worten weiter, die man gelesen hat. Das ist immer noch einfacher, als eigene Formulierungen außerhalb der Mundart zu finden. Möglicherweise hat also Irlmaier mediterrane Pflanzen irgendwo bei seinen Reisen im kalten Bayern 'geschaut' - oder Weingärten, wo keine hingehören. Und so war er dieser Thematik gegenüber aufgeschlossen ...

[Ich habe übrigens unabhängig von diesem Beitrag neulich nach den Vorläufern von "Kühe im hohen Gras, im frühen Frühjahr vor dem Kriege" gesucht, und bin dabei auf einen mir bislang unbekannten Text von 1848 gestoßen, den ich heute endlich von der Unibibliothek Bonn bestellt habe (J.V. Kutscheit, Sechs bisher unbekannte höchst merkwürdige Profezeiungen auf unsere nächste Zukunft).]

Doch zurück zu Irlmaier. Für mich bleibt beiepielsweise "der gelbe Strich", der "Mord an Hochgestellten" eine offene Sache. Außerdem hat Irlmaier vermutlich künftiges Lokalkolorit gesehen, zB. verlumpte Gestalten oder schlitzäugige Gesichter, die durch die Gegend ziehen, dazu militärische oder kriminelle Handlungen (etwa Plünderungen) - je nachdem, wo er gerade sich selbst aufhielt. Daraus hat er dann vermutlich auch seine spontanen Empfehlungen abgeleitet (Badewannen und alle Eimer mit Wasser voll machen). Und aus vielen kleinen Puzzles mußte er sich dann ein 'Gesamtgeschehen' zusammenbasteln.

Nachdem wir wissen, dass Irlmaier auch Besuche von Ausländern bekam, teilweise von hochstehenden Persönlichkeiten, liegt es außerdem nahe, dass er durch deren Fragen auf weitere (politische, weltgeschichtliche) Zusammenhänge aufmerksam wurde und in seinen Schauungen auch einen größeren geographischen Horizont ausleuchten konnte. Beispielsweise hat ihn der Bayernprinz bei seinem Besuch nach dem Kriege über Rom und den Papst ausfragen wollen, aber dann hat offenbar Irlmaiers Frau den Kochtopf dazwischen geworfen (um ihren von der Arbeit erschöpften Mann zu schonen).

Wenn dieses Treffen mit Konstantin, über das leider erst 1986 berichtet wird, so tatsächlich stattgefunden hat, dürfte es vielleicht sogar das früheste Zeugnis für die Vögel aus dem Sand sein (Text fehlt noch in der Quellensammlung von Taurec).

https://schauungen.de/forum/index.php?id=25686

Ich bringe daraus nochmals ein Zitat: "Die Menschen liegen tot zwischen den Vögeln, die vom Himmel gefallen sind, auf den Straßen und Plätzen zwischen Häusern, an denen keine Fensterscheibe gebrochen ist." Das riecht halt ein wenig nach eigener Schau, und nicht nach angelesen und zusammengemixt. Bei den heruntergefallenen Vögeln weiß man auch gar nicht, ob es die wegen Kraftstoffmangel abgestürzten vermeintlichen Kampfdrohnen - oder eben echte tote Vögel sind.

Mit gruseligen Grüssen, Sagitta


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