Lenormand, 1814 vs. 1817 (Schauungen & Prophezeiungen)

Ulrich ⌂ @, Germering, Donnerstag, 21.03.2013, 23:40 (vor 2974 Tagen) @ Taurec (10853 Aufrufe)

Hallo Taurec,

Lenormands Buch erschien 1814, nur zwei Jahre nach dem Brand von Moskau und im Jahr der Besetzung von Paris durch Russen und Preußen.

Es wäre tatsächlich denkbar, daß Lenormand glaubte, die Franzosen würden sich am Brand von Moskau ein Beispiel nehmen, wie man eine Stadt anzündet.
...
Und damit sagt Lenormand nichts anderes voraus, als daß die Franzosen unter dem Eindruck des Nahens der Koalition gegen Napoleon 1814 wie zwei Jahre zuvor die Russen ihre Hauptstadt anzünden würden.

Damit könnte man diese vermeintlich grandiose Stelle zu den Akten legen.

Fred Feuerstein zitierte in
https://schauungen.de/Sonstiges/Marie_Anne_Adelaide_Lenormand_1772-1843.doc
Johann Nepomuk Trülle aus dessen Buch "Das Buch der Wahr- und Weissagungen: Zusammenstellung aller wichtigen Prophezeiungen" (1849) mit der Übersetzung:
"2. Diese unglückliche Voraussage sollte beim zweiten Einzug der Fremden nicht in Erfüllung gehen, obwohl es allen Anschein hatte. — Bewahre uns Gott vor dem dritten Einzug."
Trülle nennt als Erscheinungsjahr dieses Textes nicht 1814, sondern "Ende des Jahres 1817" (im Word-Dokument Seite 10, unten).

So wie ich den Text verstehe, räumte Lenormand 1917 ein, daß ihre pauschale "prophetische Weissagung":
"1. In meinen prophetischen Weissagungen sagte ich von Paris: „Wehe dir! Stadt der Philosophen, ach! ach! unglückliche Stadt! Denn eines Tages wird die Pflugschar über deine Ruinen gehen, und dein Vater wird zu seinem Sohne sagen: Hier stand Paris."
"nicht in Erfüllung" ging, "obwohl es allen Anschein hatte", um dann auf ein zukünftiges Ereignis zu verweisen: "Bewahre uns Gott vor dem dritten Einzug."

Auf letzteren - zukünftigen - "dritten Einzug" beziehen sich dann die Schilderungen ab "23." ff ("Fackeln" usw.), nicht auf den zurückliegenden "zweiten Einzug der Fremden" (1814).

Gruß,
Ulrich


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