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Ströme des Blutes "Unschuldiger" (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 14.03.2013, 11:33 (vor 2982 Tagen) @ Baldur (11789 Aufrufe)

Hallo, Baldur!

Daß einem etwas ins persönliche Konzept paßt, kann niemals ein Argument für die Richtigkeit/Echtheit eines beliebigen Dokumentes sein.

Wenn die Quellenlage dubios ist und das Dokument inhaltlich nicht in die historischen Zusammenhänge paßt, kann ich es nicht gelten lassen, auch wenn es weh tut. ;-)

Beispiel:
1. Die Inquisitoren waren böse (ein reines Urteil a priori, das die Bewertung alles darauf folgenden ohne dessen Kenntnis schon vorausnimmt).
2. In einem in Frage stehenden "Dokument" malen sich die Jesuiten (die mit der Inquisition noch nicht mal deckungsgleich sind) die schönsten Todesarten für ihre Opfer aus (auch wenn diese "Selbstbezichtigung" historisch völlig widersinnig ist).
3. Folglich muß dieses Dokument einen wahren Kern haben. Da spielen auch die Quellenlage und historische Plausibilität keine Rolle mehr, denn richtig ist immerhin richtig.

Das ist allerdings völliger Blödsinn, denn so biegt man sich die Realität willkürlich auf die eigenen Voreingenommenheiten hin und bewegt sich in einem selbstgebauten Scheinwelt, in der alles so ist, wie man es haben möchte, im Kreise.

Auch ein Fall muss als einer zuviel angesehen werden...

Solche moralisierenden Argumentationen widerstreben mir zutiefst, denn ich habe nicht das geringste Bedürfnis, diese Welt und andere Menschen zu verbessern oder zu irgendeiner allgemeingültigen Anschauung zu bringen. Das wäre nur das Negativbild der Inquisition.
Es ist schlicht nicht möglich. Dieser Planet war seit jeher ein Jammertal, das von einem breiten Strome des Blutes unzähliger Menschen durchflossen wird. Mit dem Versuch das zu ändern oder zu kritisieren, sortiert man sich in diesen Strom ein, wird selbst zu dem, was man bekämpfen will, zum getreuen Spiegelbild der eigenen Feindbilder, denn man begeht den Fehler, die Ursache für die Schlechtigkeit der Welt im Äußeren zu suchen und zu beheben, statt an der einzigen Stelle anzusetzen, auf die man Einfluß hat: einem selbst. Maßgeblich ist dann nicht mehr die Frage, wie man selbst ist und wie man damit, seinem Schicksal und seiner Freiheit umgeht, sondern wie die Welt sein sollte und was ich meinen Mitmenschen antun muß, um die Welt zu dem zu machen, damit ich endlich glücklich sein kann. So begibt man sich in die Unfreiheit, weil man sein eigenes Dasein von dem der anderen abhängig macht. Derartig denkende Menschen sind es übrigens auch, die vorzugsweise vor einer der Inquisitionen landen, weil sie es überhaupt für wichtig befinden, ihre Meinung zu sagen und andere wissen zu lassen, daß man nicht übereinstimmt. Von Schopenhauer stammt der gute Satz: "Der Quäler und der Gequälte sind eines. Jener irrt, indem er sich der Qual, dieser, indem er sich der Schuld nicht teilhaft glaubt."

Solche Sätze wie die Deinen hört man übrigens auch, wenn man die Grausamkeit diverser moderner Massenmorde rational anzweifelt, von den Profiteuren der Existenz dieser Massenmorde. Anscheinend ist der Mensch zur Selbsterhöhung der irrationalen Herabsetzung seiner nicht im mindesten besseren oder schlechteren Gegner bedürftig.

Was ich von einer Sache halte oder was man von einer Sache halten soll, darf die Beschäftigung mit einer Sache, bzw. wie die Welt tatsächlich ist, nicht beeinträchtigen, wenn ich mich aus dem Sumpf der Meinungen und Bezichtigungen, der uns als Geschichte verkauft wird, befreien und zu einem realistischen Bild der Welt (ohne moralische Urteile) gelangen will, in der ich meinen Platz und meine Möglichkeiten habe.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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