Nebensächlichkeiten (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard @, Dienstag, 19.03.2013, 22:06 (vor 2976 Tagen) @ BBouvier (11036 Aufrufe)

Hallo BB,

ich nehme mal das prophezeite "Konzil" als Anlass für ein bißchen Textforschung. Denn ein Konzil ist nichts so Bedeutsames wie die üblichen Kriege und Katastrophen, die hier immer so gern diskutiert werden. Es existieren in Verbindung mit dem Konzil deshalb nicht so viele Phantasien, Ängste und Vorstellungen wie bei anderen Themen: alles bleibt sehr überschaubar.

Wenn ich es nun richtig sehe, dann taucht die Idee eines Konzils erstmals bei den französischen Fräuleins und Herrleins auf, etwa bei Souffrand >>>

Nach der Krise wird gegen den Widerstand des Klerus selbst ein allgemeines Konzil abgehalten werden. Danach wird es nur noch einen Hirten und eine Herde geben, weil alle Treulosen und Ketzer, außer den Juden, die sich erst nach dem Tode des Tieres massenweise bekehren, der römischen Kirche beitreten werden, die bis an die Verfolgung durch den Antichristen triumphieren wird.

oder etwa bei der Ekstatischen von Tours >>>

Das große Konzil wird nach dem Siege beginnen. Zu dieser Zeit werden die Menschen zu Gehorsam gezwungen werden. Es wird nur eine Herde geben und einen Hirten: Die Menschen werden den Papst als universellen Vater erkennen, den König des Volkes. Das Menschentum wird wieder auferstehen.

(beide zitiert nach: San Miguel, Melito: De Laatste Zegels. Hoboken 1992)

Ich vermute mal, dass von derartigen Quellen das Konzilmotiv dann zu Konzionator gekommen ist (den ich nicht habe und aus dem ich das deswegen nicht belegen kann). Und von Konzionator ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Lindenlied. Weil das Motiv aber nebensächlich ist und die Weltuntergangsneugierde nicht sehr befriedigt, haben es die nachfolgenden Seher und Pseudoseher nicht wiedergekaut.

Leider finden sich nun ein paar Sätze zum Konzil in der Proph.John.XXIII,ed.Carpi, die den Anspruch erhebt, umfassend und differenziert zu sein. Man kann das Auftauchen des Konzilmotivs in diesem Text nun durchaus dazu verwenden, gegen ihn zu argumentieren: es könnte ein Hinweis sein, dass der Text fabriziert ist und aus einer Seitenlinie der katholischen Tradition stammt (wie das einst Ulrich vermutet hat). Die betreffenden Sätze bieten aber sehr kuriose Details zum Konzil, in ganz ähnlicher Weise wie auch bei den Papstweissagungen der Proph.John.XXIII merkwürdige Nebensächlichkeiten gesagt werden (z.B. dass ein Papst aus dem Ausland kommt und dort stirbt).

Ich darf abschließend diese Sätze zitieren, so dass jeder sein sich eigenes Urteil bilden kann - und sei es halt erst in 15 Jahren -, und ich habe eine Stelle im Text unten sowie schon oben bei der Ekstatischen mit Rot markiert, weil die betreffenden Textstellen verdächtig ähnlich klingen.

Alexandria ist der Ort des Konzils der Welt und dort umarmt sich, wer an den Menschen glaubt. Christus ist Mensch, weil es Gott gibt. Hier bereitet man sich auf den großen Kampf des Geistes gegen die vor, die ihn negieren.
Du, Markus, wirst von weitem nichts tun können und wirst nicht zu teilen verstehen, dein Messer ist fein, aber zu scharf. Das Licht der Friedensbewegung reflektiert es, erkennt es, bricht seine Spitze ab.

(Der Evangelist Markus, wohl der Dolmetscher des Petrus, soll in Alexandria den Märtyrertod gestorben sein. Teile seiner angeblichen Gebeine wurden über ein Jahrtausend später von den Venezianern geraubt, um den Dom in Venedig angemessen mit Reliqien ausstatten zu können. Ich nehme an, dass der hier genannte "Markus" ein italienischer "Kirchenpolitiker" der Zukunft sein wird, der aus der Ferne das Konzil manipulieren will - was ihm aber nicht gelingen soll).

Nichts Wichtiges also, diese Dinge, aber kleine Fäden, an denen man sehen und ggfs. entscheiden kann, wie das Gewebe der Prophezeiungstraditionen sich im Lauf der Geschichte fortstrickt, und ob es dereinst mal sich bewahrheiten wird - oder eben nur Blödsinn war.

Grüsse,
Gerhard


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