1.800 Schubladen (Schauungen & Prophezeiungen)

Ulrich ⌂ @, Germering, Samstag, 31.12.2011, 09:10 (vor 3619 Tagen) @ detlef (8918 Aufrufe)

Hallo Detlef,

wer weiss, vielleicht sind diese palmblaetter ja eine art baukastensystem?

davon war ich bislang überzeugt, aber ich habe mich geirrt.

Was ich zum Auswahlverfahren von Palmblättern im März hier schrieb ( https://schauungen.de/forum/index.php?id=11925 ) ist falsch.
Ich hatte diese Beschreibung leichtgläubig von der Hamburger Astrologin Martha Röhl übernommen und - da es mir plausibel schien - nicht überprüft.

Licht ins Dunkel bringt Martin Gansten mit seinem Vortrag "Nādī Divination and Indian Astrology" anlässlich der '13. Welt Sanskrit Konferenz', den er hier veröffentlicht hat:
http://www.martingansten.com/pdf/NadiDivinationAndIndianAstrology2011.pdf

"...A nādī in this sense is also called an amśa or ‘part’. It is a division of each zodiacal sign into 150 parts, each bearing a particular name. ..."

Das sind 150 x 12 = 1800 Muster von Lebensläufen.
Bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden teilt jeder Eso-Tourist also seinen "individuellen" Palmblatt-Text mit weiteren 3,8 Millionen Menschen.

"...These patterns are further modified according to whether birth is in the ‘former half’ or ‘latter half’ of an amśa..."
Womit "nur" noch 1,9 Millionen Menschen sich das gleiche Palmblatt-Lebensmuster teilen.

Wer damit zufrieden ist, muss sich allerdings auf die Kunst des Astrologen verlassen, den er aufgesucht hat, denn:
"The texts do not state how these parts are calculated; obviously such knowledge is presupposed in the reader."

Mit Hellsehen oder freier Assoziation haben die Palmblatt-Lesungen - vorschriftsmäßig ausgeführt - nichts zu tun:
"...Predictions for a client’s future and answers to his or her questions are supposedly read out from pre-existent, physical texts (generally in the form of palm-leaf manuscripts).
These texts are not considered subject to the symbolic interpretation of the diviner, as is the case in bibliomancy (where texts of a basically non-divinatory nature, such as sacred scriptures, are used for oracular purposes)...."

Dass die gängige Praxis anders aussieht, zeigt ein ausführlicher Bericht von Olaf Schreiber "Nadi, Ola und Betrug":
http://www.olafschreiber.de/palmblatt/

Ich werde mich auch weiterhin auf die Verwendung von Palmkern-Öl beschränken.

Gruß,
Ulrich


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