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Mühlhiasl und Stormberger sind zwei verschiedene Angelegenheiten (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 16. August 2015, 09:59 (vor 1521 Tagen) @ IFan5705 mal gelesen

Hallo!

Außerdem glaube ich, dass es den Mühlhiasl doch gegeben hat, auch als Person, z.T. "Stormberger" genannt, aber es ist damals nicht ordentlich aufgeschrieben worden und und danach sind wohl so viele Prophezeiungen von anderer Seite untergemischt worden, dass man das heute nicht mehr unterscheiden kann.

Nein, das stimmt nicht.

Daß Du das glaubst, stimmt natürlich schon, aber es ist Unsinn. ;-)

Mühlhiasl und Stormberger sind zwei verschiedene Personen.

Zu Mühlhiasl:
Der Matthias Lang, der als Mühlhiasl idenzifiziert wird, hat gelebt. Sein Leben hat aber nachweisbar einen ganz anderen Verlauf genommen, als man es sich über Mühlhiasl erzählt. Das heißt, man hat dem Lang die Mühlhiaslgeschichten später zugeschrieben, bzw. eine historische Person als Leinwand für das Mühlhiaslbild verwendet. Vor 1923 ist nichts über Mühlhiasl bekannt/überliefert. Das wurde alles erst nach 1923 von Heimatautoren frei erfunden, was sogar so weit ging, daß man in eine historische Urkunde über Matthias Lang mit Bleistift "Mühlhiasl" hineingefälscht hat.

Man lese hierzu: Reinhard Haller - Matthäus Lang 1753-1805 genannt Mühlhiasl

Zu Stormberger:
Der hat gelebt und hat offenbar in einer Glashütte im bayerischen Wald gearbeitet. Reinhard Haller besitzt das alte Rechnungsbuch der Hütte aus dem Jahre 1766, in dem öfter von einem "Starnberger", bzw. "Starnberger Bue" (= Starnberger Bub) die Rede ist zusammen mit Auflistung seiner Glasproduktion und Bierkonsums. Darüber hinaus gibt es mehrere Handschriften, die eindeutig den Namen des "Starnbergers" tragen, wobei sich derselbige im Laufe der Zeit durch mundartliche Abschleifung von "Starnberger" zu "Stormberger" und "Sturmberger" verändert hat.
Die älteste Handschrift stammt aus Bodenmais und datiert zwischen 1780 und 1820. Der Hütter Starnberger dürfte zu dieser Zeit bereits alt gewesen sein. Dem entsprechend ist in der Einleitung der Handschrift vom "alten Starnberger Hütter in Romstein" (Rabenstein) die Rede.

Man lese hierzu Reinhard Haller - Der Starnberger, Stormberger, Sturmberger - Propheten und Prophezeiungen im Bayerischen Wald

Hier der modernisierte Originaltext der Bodenmaiser Handschrift. Dort steht "1706". Wahrscheinlicher dürfte indes 1806 sein.

Auch die Stormbergerprophezeiung ist keine originäre Seherschau, sondern gibt die Volkssage wieder. Daher ähnelt sie Mühlhiasl, aber auch anderen wie Egger Gilge.

„Denkwürdige Prophezeiung von dem alten Starnberger Hütter in Rabenstein. Meine lieben Leute, sagte dieser. Wenn ihr wissen würdet, was in der Zeit in hundert Jahren vorbei geht, so würdet ihr euch verwundern. Es werden an allen Orten neue Einrichtungen da sein. Doch die alten werden viel besser sein. Die alte Kleidertracht wird abkommen und in allen Städten wird es auf die neue Art sein. Der Bürger wird sich von dem Bauern und der Edelmann von dem Bürger nicht mehr kleiden können [in der Kleidung nicht mehr unterscheiden] und die alte wird sich in eine Bauern- und Narrentracht verändern. Die Weibsbilder werden sich in ihren Schuhen gebaren wie die Ziegen oder Geißen und dabei wird die gescheckerte Tracht hoch geachtet werden. Weiters werden hier im Wald große Häuser wie Paläste gebaut werden und mit der Zeit wieder zu nichts werden, sogar daß in manchen Füchse und Hasen ihr Jungen darin aufziehen und die Leute werden sich verlaufen ohne Hunger und ohne Sterb, es werden auch die großen Herren in die wilden Wälder kommen und selbe besichtigen.
Und danach wird es aber nicht mehr gut werden. Es wird in Zwiesel ein großes Gebäude gebaut werden und dabei wird auch viel Verwunderung sein. Dieses wird aber nicht lange dauern und wird wieder zu nichts werden. Lieber Freund, so rede doch weiter, und wenn ich schon reden würde, so würde man es mir nicht glauben und der Hochmut wird in allen Städten einreißen und kein Mensch wird mehr nach seinem Stand leben. Danach wird sich ein großer Krieg erheben und wird aufwärts gehen und wird viel Blut und Leute kosten. Der Bayernfürst wird zwar nicht kriegen [Krieg führen] und doch sein Land mit lauter Durchzügen sauber verderbt werden. Dieser Krieg wird eine lange Zeit dauern. Danach geht es auf einmal zügig [wörtlich: zu rich] und wird übel ausschauen. Ein Strom neben dem Böhmer Wald wird bleiben, wo man den größten Sturm mit drei Laiben Brot überleben kann, wenn man es hat. Wenn aber einer im Laufen aus der Hand fällt, so laß ihn liegen, es genügen zwei auch und wer neben dem Donauer Strom eine Kuh findet, der soll man eine silberne Glocke umhängen und die Leute werden sich verlaufen, Hunger und Sterb, wohin sie dann laufen. Ihr Narren in den guten Ländern, die in dem Krieg öd geworden sind und wo niemand mehr da ist. Danach erst werden eure Häuser zu Fuchs- und Wolfshütten werden. Hernach wird wiederum eine Liebe des nächsten unter den Menschen gehalten werden und was es noch gibt, so wird es durchaus besser werden. Es wird sich unter der Zeit eine große Teuerung erheben und wenn alles am höchsten gestiegen ist, danach wird es auf einmal fallen und wird schlecht geachtet sein. Es wird auch eine neue Liebe des Nächsten unter den Menschen sein. Wer es aber überlebt, der muß einen Eisenkopf haben. Ich überlebe es nicht. Gott, gib es, daß ich es nicht überleb! Aber ihr, meine Kinder, könnt es überleben. Danach werden neue Straßen durch wilde Berge und Täler gemacht werden, daß man es auf zwei Stunden weit sehen kann und an allen Orten große Aufgänge angeworden werden. Wer nur die Zeit überlebt. Hernach wird es wieder gut werden und hernach werden die Leute wieder froh sein, wenn eines das andere sieht, und de Leute werden so wenige sein, daß man es leicht zählen kann. Die Geistlichen werden schlecht geachtet sein und der katholische Glaube wird viele Feinde haben. 1706. Andre Schweickl.“

Erst später hat sich dann der Mühlhiaslmärchenzirkus des Starnbergers bemächtigt und ihn in seinen Garn eingesponnen.

Ohne Kenntnisnahme der beiden verlinkten Bücher braucht man daran gar nicht zu rütten versuchen. :yes:

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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