doch nicht Streit ... (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard @, Montag, 09.01.2012, 21:52 (vor 3788 Tagen) @ BBouvier (4773 Aufrufe)

... sondern nur scharfer Austausch von Argumenten, um die Erkenntnis zu befördern!

Hallo BB!

Welcher "Sorte" französischer Streitkräfte einst Schweden angreifen mögen, ist zunächst eine sehr akademische Frage. Denn aus dem praktischen Blickwinkel, etwa für die sog. Vorbereitung, ist es (fast) egal aus welcher Richtung und mit welchen Gründen geschossen wird.

Ich habe mich an der Diskussion nur aus prinzipiellen Gründen beteiligt (angemessener und methodisch einwandfreier Umgang mit Quellen). Denn das vorliegende Beispiel ist ein sehr schöner exemplarischer Fall. Meine Ansicht ist (mit bitte um Nachsicht für die Wiederholung), dass man möglichst nahe an den Quellen bleiben sollte. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass der Text insgesamt sehr wertvoll ist, weil er sich in seinen anderen Teilen rundum bestätigt hat. Im Übrigen kommt in diesem Text gar nichts von "Jesus" vor; und "Luftschiffe" werden nur dem Begriff nach allgemein erwähnt (wohl zu Recht vom Übersetzer als "Luftwaffe" interpretiert). Wenn der Text die Koalitionen und Länderbeteiligungen für den Ersten Weltkrieg erstaunlicherweise korrekt voraussagt, warum sollte man dann an den anderen Angaben zweifeln?

Zumindest als eine MÖGLICHKEIT - und darum ging es methodologisch - wird durch diesen Text in den Raum gestellt, dass Franzosen und Russen einmal gemeinsam Schweden angreifen. Aus heutiger Sicht können wir diese MÖGLICHKEIT kommentieren, intepretieren und evaluieren (hast Du getan, habe ich getan) - aber weiter kommen wir nicht. Wie von Detlef vorgeschlagen können/sollten/müssen wir diese MÖGLICHKEITEN nebeneinander stehen lassen.

Ich darf noch bemerken, dass Deine Interpretation (NATO-Franzosen) vermutlich nicht nur dem Text widerspricht sondern auch sehr konventionell ist. Meine eigene Interpretation ("rote" Franzosen) eröffnete, allein in Verbindung mit anderen Aussagen desselben Textes, die Option für weitere Gedankengänge, die den bislang unklaren Vorlauf vor dem Russenfeldzug vielleicht (spekulativ wenigstens) erhellen könnten. Man könnte dabei etwa die Frage aufwerfen, wann genau bzw. wie lange vor dem Angriff auf Deutschland eben diese Sicherung der russischen Nordflanke ("Angriff auf Skandinavien") erfolgen wird. Bisher, so habe ich das Gefühl, geht man hier auf dem Forum davon aus, dass das im gleichen Jahr (oder gar im gleichen Sommer) stattfinden würde. Es gibt gewiss auch andere MÖGLICHKEITEN - und hier liegt der Punkt, der mich eigentlich interessiert. Heute hat Taurec beispielsweise das Zitat vom WV wieder gebracht, in dem von einem "Raketenangriff" auf Deutschland die Rede ist - auf den offenbar keine Reaktion erfolgt (und das alles VOR dem richtigen Krieg). Man muss aus solchen Hinweisen schließen, dass Europa zu jener Zeit regelrecht "gelähmt" ist (vermutlich nicht nur materiell und politisch sondern auch "mental"). In so einer Situation ist es denkbar, dass die Russen sich "ungeschoren" sogar Skandinavien unter den Nagel reissen ...

Grüße von Deinem Laien!

***) Der einzige Einwand, den man nach meiner Auffassung an diesem Text anbringen könnte (ich spreche immer nur von der Tagblattausgabe im März 1914!): dass er sich zeitlich auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts beschränkt, insofern sein eigentlicher Schwerpunkt ja der Erste Weltkrieg mit Folgen und Nachlauf zu sein scheint (u.a. Spanische Grippe: hier aber Schwindsucht, also TB genannt!). Der Satz bezüglich "Frankreich und Russland" wird außerdem mit einem "bald" eingeleitet - und das hat sich nun gewiss nicht verwirklicht!! So gesehen wären die Aussagen zu Schweden/Russland/Frankreich einfach falsch. Entsprechend negativ kann man wenigstens nah am Text entlang argumentieren (ganz ohne einen "Geist" bemühen zu müssen ...). Erst unter Einbezug von Gustafsson wird klar, dass Johansson wohl eine weite Perspektive hatte - nämlich alle restlichen Kriege der menschlichen Geschichte, die Schweden/Norwegen noch berühren würden ...


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