Außerirdisches Leben, Himmelkörper und Polsprung (Freie Themen)

Wodans Sohn @, Mittwoch, 16. Mai 2018, 14:58 (vor 869 Tagen) @ Ranma (らんま)2759 mal gelesen

Guten Tag und ein freundliches "Hallo"

Prinzipiell halte ich es, auch von der statistischen Wahrscheinlichkeit her, für sehr plausibel, dass es in den Weiten des Kosmos auch andere Lebensformen gibt.
Unsere Milchstraßengalaxie allein hat schätzungsweise 100-200 Milliarden Sonnen, von denen, nach letzten Beobachtungen in unserer ‚näheren‘ Umgebung, auch wiederum ein großer Anteil ein Planetensystem besitzt. Ein Teil dieser Exoplaneten befindet sich auch in den Lebenszonen um diese Sterne. Bei mehreren Milliarden beobachtbaren Galaxien ist es anzunehmen, dass Leben auch woanders erblühen konnte.

Nun kommen wir zur interessanteren Frage: Können wir mit intelligenten außerirdischen Lebensformen in Kontakt treten?

Diese Frage impliziert selbst schon einige Vorannahmen, die so schön in der Drake-Formel zusammengefasst sind.

Wie wahrscheinlich ist es für Leben, sich zu einer selbstbewussten und technischen Intelligenz aufzuschwingen, um überhaupt in der Lage zu sein, mit uns in Kontakt zu treten?

Wir haben nur einen einzigen Planeten als Maßstab und eine einzige technischen Intelligenz zum Vorbild. Das ist der Planet Erde und Spezies Homo Sapiens.

Planet Erde gibt es seit ca. 4 Milliarden Jahren, Leben entstand wohl vor 3,8 Milliarden Jahren und Homo Sapiens gibt es etwas mehr als einhunderttausend Jahre. Wobei es erst etwa seit 100 Jahren die technischen Möglichkeiten gibt, interstellare Distanzen mit Radiowellen zu überbrücken.
Das bedeutet, dass sich das Leben, welches sich vor rund 3,8 Milliarden Jahren entwickelt hat, bis auf die letzten 100 Jahre, nur indirekt hat nachweisen lassen, zum Beispiel über chemische Zusammensetzung der Atmosphäre.
All diese Zeit hatte keine außerirdische Lebensform, deren technische Möglichkeiten den unseren ähnlich sind, die Möglichkeit besessen, uns zu entdecken. Denn warum sollten sie, bei 100-200 Milliarden Sternen in dieser Galaxie, ausgerechnet auf unsere Sonne und deren Planeten schauen. Über unserer Sonne schwebt kein übergroßes Ausrufezeichen.

In diesen 3,8 Milliarden Jahren sind so viele Lebensformen auf diesem Planeten entstanden und ausgestorben. Lebensformen welche niemals eine technische Zivilisation aufgebaut haben. Vielleicht ist Intelligenz ein Unfall.
Andere technische Möglichkeiten, außer der Kommunikation mit elektromagnetischen Wellen, kennen wir nicht und daher sind sie Teil von Science Fiction, oder aber wissenschaftlich nicht erfassbar (siehe channeling).

Die Radiowellen, welche wir seit etwa 100 Jahren von der Erde abstrahlen, waren zu Anfang auch noch sehr schwach, und sind daher kaum im kosmischen Hintergrundrauschen zu entdecken. Die Sendeleistung ist etwa seit dem zweiten Weltkrieg stark genug, um bei sehr nahegelegenen Sternen von potentiellen Zuhörern empfangen zu werden. Da sich elektromagnetische Wellen, zu denen auch die Radiowellen gehören, mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, gibt es sozusagen einen Wahrnehmungshalo von etwa 70 Lichtjahren Radius um die Erde, indem man auf unsere hochwertvollen Fernsehsendungen aufmerksam werden kann. Dieser Halo mit 70 Lichtjahren Radius ist, um es klar zu sagen, Nichts auf der kosmischen Skala. Allein unsere Milchstraßengalaxie hat einen Durchmesser von ca. einhunderttausend Lichtjahren und, in unserem Abstand zu Zentrum der Galaxie, eine Dicke von ca. fünftausend Lichtjahren.
70 zu 5000 oder 70 zu 100000. Wer entdeckt den Unterschied?

Vielleicht sehen außerirdische Lebensformen, nach der Entschlüsselung unserer Fernsehdaten, auch von einer Kontaktaufnahme ab.:-D

Für die Kommunikation mit Radiowellen, bedarf es auch zwei Gruppen, welche, unabhängig voneinander, einen gleichwertigen technischen Ansatz gewählt haben. Unsere Spezies hat Radiowellen gewählt aber das ist nicht zwingend die einzige Möglichkeit der technischen Kommunikation.

Es bedarf auch zwei Gruppen, welche etwa zeitgleich dieselbe Technologiestufe besitzen. Es nützt uns nichts, wenn innerhalb des Wahrnehmungshalos, eine technische Zivilisation existiert, welche Radiowellen gar nicht nutzt. Entweder weil sie Radiowellen noch nicht entwickelt haben, oder weil sie diese Technologie schon lange nicht mehr verwenden, wie wir Steinwerkzeuge auch kaum noch nutzen.

Das bringt uns nun auch zu dem weiteren Punkt: Das Zeitfenster, in der eine technologischen Zivilisation existiert.

Wer sagt denn, dass sie nicht schon Milliarden Jahre existieren und sich nun von uns so sehr unterscheiden, wie wir uns von Ameisen unterscheiden. Ameisen nutzen auf ihre Weise auch Technologie, aber wir bemühen uns recht wenig um eine Kommunikation mit Ameisen.
Ameisen gibt es übrigens auch schon einige Millionen Jahre länger auf der Erde als Homo Sapiens.

Vielleicht haben sich die Außerirdischen auch schon selbst ausgerottet. Wir sind ja auch stets bemüht, uns nicht selbst (Umweltzerstörung) oder gegenseitig (Atomkrieg) umzubringen.
Er hat sich stets bemüht, die ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen.:-D Eventuell ist Intelligenz ja auch eine Sackgasse in der Entwicklung und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung, da technische Möglichkeiten rascher zunehmen, als der Verstand die Urinstinkte niederringen kann.

Aber hier kann ich, wie bei Allem, nur unsere Spezies als Maßstab annehmen. Einen anderen Maßstab haben wir nicht.

Vielleicht sind Zivilisationen, welche überlebt haben, ganz anders als unsere. Möglicher Weise ist es sinnvoll gar nicht erst laut auf dem interstellaren Paket aufzutreten, sondern leise und heimlich zu existieren. Denn während wir so selbstsicher unsere Existenz ins Universum posaunen, hat vielleicht eine Rasse von fanatischen Exterminatoren, die keine andere Existenz von Leben neben sich dulden, schon die Vernichtungswaffen gestartet. Viele Lebensformen auf diesem Planeten fahren erstaunlich gut mit Tarnen und Täuschen.

Aber für sehr wahrscheinlich halte ich das Szenario auch nicht. Das ist eher Stoff für Science Fiktion Filme.

In Wahrheit sind die Distanzen so groß, die Zeitabstände so lang, auch für die mögliche Antwort von ET, dass wir eventuell nie einer außerirdischen Lebensform begegnen werden, außer bestenfalls so etwas wie einer Mikroben, die wir eventuell in den Ozeanen unter dem Eis der Jupitermonde finden könnten. Mikroben waren für den längsten Teil der 3,8 Milliarden Jahre, die das Leben auf unserem Planeten existiert, auch die einzigen Lebensformen, die es hier zu finden gab. Erst vor ca. 600 Millionen entwickelten sich komplexere Lebensformen.

Ich wäre sehr überrascht, wenn eines Tages tatsächlich der Kontakt zu außerirdischen Leben hergestellt wird. Noch mehr überrascht wäre ich, wenn sie hier vorbeikommen würden. Dann wäre vieles von der Physik, die wir sehr erfolgreich anwenden, falsch.
Aber wieso funktioniert unsere Physik dann so gut?

Nun gibt es Schauungen von Himmelskörpern oder Einschlagsszenarien. Das hat aber mit außerirdischem Leben rein gar nichts zu tun. Dieser Planet ist selbst schon mehrfach von Himmelskörpern getroffen worden. Er ist sozusagen überhaupt erst entstanden, weil Himmelskörper kollidieren.

Kollisionen oder naher Vorbeiflug sind auch in Zukunft nicht auszuschließen. Nun sagt uns aber die recht erfolgreiche Physik voraus, dass, falls uns ein Objekt größer 100 km Durchmesser trifft, es ein globaler Killer ist, denn dieses Objekt würde, durch die Energiefreisetzung beim Einschlag, die ganze Erdoberfläche aufschmelzen.

Da verschiebt sich nicht nur der Pol, was auch schon ungehörig viel Energie erfordert. Der berühmte falschverstandene Polsprung muss den Drehimpuls des Planeten ändern, um die Rotationsachse zu verschieben. Wenn also ein so massiver Körper aufschlägt, um der Erdrotationsachse zu verschieben, liegt auch dieser in der Größenordnung eines globalen Killers.

Wenn Geologen von einem Polsprung sprechen, meinen sie den magnetischen Pol. Wenn der seine Position ändert, ein Umstand der gerade zu beobachten ist, ändert sich aber keinesfalls die Rotationsachse des Planeten. Das der magnetische Pol unserer Erde schon oft seine Polung geändert hat, lässt sich in erstarrter Lava nachweisen.

Fliegt ein planetengroßer Körper in Sichtweite an der Erde vorbei, geht es uns auch verdammt schlecht. Es muss dann zwangsläufig zu Orbitalverschiebungen kommen (Gravitationsgesetz und actio= reactio), eventuell verliert die Erde den Mond, und wird aus ihrer sehr stabilen Umlaufbahn um die Sonne in eine exzentrische Umlaufbahn gezwungen.

Ohne einen Mond, der die Erde in ihrer Umdrehung stabilisiert, ist auch nicht mehr gut Kirschenessen.

Die Erde kann dann noch viel mehr in ihrer Rotation taumeln, als sie es z.Z. schon tut. Präzession nennt man das bei Kreisel. Sie könnte sich sogar auf die Seite drehen und z.B. mit einem Pol zur Sonne zeigen. Das bedeutet, als Option, dass ein Tag und eine Nacht jeweils ein halbes Jahr dauern.
Das Klima wäre dauerhaft instabil und keine Lebensform, von denen wir als letztes Glied in der Nahrungskette abhängig sind, wäre in der Lage, den raschen Wechseln zu folgen.
Das gleiche gilt für den Fall, die Erde würde durch einen Vorbeiflug eines massereichen Körpers aus ihrem Orbit um die Sonne gedrängt.

Eine Zeit ‚danach‘ könnte nur noch in wenigen Jahren gemessen werden, weil es anschließend Niemanden mehr gäbe, der die Zeit noch messen könnte.
Einen Asteroideneinschlag, dessen Energiefreisetzung unterhalb eines ‚globalen Killers‘ liegt, also so etwa das Dinosaurierauslöschungsszenario, reicht vollkommen aus, um uns in großen Schlamassel zu bringen.

Unsere Spezies könnte das eventuell überleben, da wir im Gegensatz zu den Dinosauriern, nicht auf langsame biologische Anpassung angewiesen sind, sondern uns mit Verstand und Technologie entsprechende Anpassungen ‚schaffen‘ können.

Ich habe ausdrücklich nur ‚uns‘ bekannte Technologie und Physik in Betracht gezogen, denn nichts anderes kennen wir. Alles Weitere ist Spekulation oder nicht im wissenschaftlichen Sinn nachweisbar.

Viele Grüße
Wodans Sohn


Ja, eines Tages sterben wir.
Aber an allen anderen Tagen nicht!


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