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Eine Annäherung (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 09. Mai 2018, 23:03 (vor 874 Tagen) @ basey2994 mal gelesen

Hallo!

Man darf es wohl nicht als frei verfügbares metaphysisches Kompendium begreifen, aus dem nach Bedarf alles ausgelesen werden könnte.

Zieht man von der Welt Zeit und Raum als deren äußerste Schicht ab, die Geistiges/Seelisches in eine äußere, aber tote Form bringt, die im Zeitverlauf Dinge von "Innen" heraus entwickelt, so liegt dahinter (oder "innen") das Reich des zeitlosen (Welt-)Geistes. Darin siedelte Platon die Ideen an, deren Licht einen Schatten auf die vor uns liegende, grob materielle Höhlenwand wirft.

Im geistigen Reich ist alles, was sich hier im zeitlichen Nacheinander entwickelt, als Konzept bereits fertig vorhanden. Ohne Zeit ist natürlich alles gleichzeitig oder ewig.

Die Hypothese (!) scheint zu sein, daß der Mensch als geistiges Wesen, dessen Kernbestandteil stets im Bereich seiner eigentlichen Herkunft wurzelt und dessen Wesenskern man als göttlich annimmt, auch dort im Zeitlosen liegendes Wissen über alle erdenklichen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Vorgänge im Kosmos auslesen könnte.

Womöglich ist er fähig, entsprechende Begabung vorausgesetzt, dort einzelne Informationen zu entnehmen. Das ist vermutlich die Grundlage des Sehens überhaupt. Eine umfassende Kenntnis bzw. unbeschränkter Zugang würde meines Erachtens aber Gottgleichheit oder gar Gottidentität voraussetzen. Selbst partieller Zugang nennenswerten Umfangs würde wohl eine Entwicklungsstufe voraussetzen, die weit über dem heutigen Menschen steht. Jemandem, der behauptet, in der "Akasha-Chronik" lesen zu können, ist also höchste Vorsicht entgegenzubringen. Solche Leute setzen allerhand absurde und phantastische Theorien in die Welt, die als bloße Behauptungen dastehen und sich allenfalls widerlegen ließen, wenn man selbst im Weltgedächtnis lesen könnte. Man muß es glauben oder eben nicht.
Das ist die Krux bei Steiners "Geisteswissenschaft", daß sie nicht, wie es dem wissenschaftlichen Anspruch gemäß wäre, für jeden hinsichtlich Methodik und Ergebnis nachvollziehbar und reproduzierbar ist, sondern Grade der Einweihung und Bekenntnis zu den Lehren des Meisters verlangt, die letztlich die geforderten Befunde durch reinen Glauben aus sich selbst hervorbringt, ohne überprüfbar zu sein. Die daraus abgeleiteten Systeme sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts anderes als Phantastereien, die von ihren Erfindern selbst nicht durchschaut werden. Sie sind selbstbezüglich in dem Sinne, daß die Begründungen die Anerkennung des zu begründenden Weltbildes voraussetzen, um Sinn zu ergeben. Man kann das wohl getrost auf Blavatsky bzw. die Theosophie generell ausdehnen, die nicht im geringsten über die allgemeine Barriere menschlicher Erkenntnisfähigkeit hinauskommt. Sobald man sich mit Jenseitigem, Überirdischem befaßt, fischt man im Trüben. Es gibt keine sichere Möglichkeit, keine "geistige Methode", um Chimären von harter Substanz sicher zu unterscheiden.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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