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Begriffe (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 11. Mai 2018, 13:14 (vor 872 Tagen) @ Ranma (乱馬)2746 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Freitag, 11. Mai 2018, 13:23

Hallo!

Gerade um transzendente Phänomene zu analysieren ist das Deutsche besonders ungeeignet. Da hält es nichtmal mit dem Englischem mit! Schon wo das Englische ganz selbstverständlich zwischen ghost, mind und spirit unterscheidet, subsumiert das Deutsche das alles unter dem Begriff ‚Geist‘ als ob es sich nur um einen einheitlichen Brei handeln würde. Dazu wird der Begriff ‚Geist‘ auch noch übertragen für alkoholische Getränke und anderes verwendet. Über Transzendentes zu reden wird so schon fast verunmöglicht.

Wir haben entsprechend z. B. "Geist", "Verstand", "Gemüt" (dafür gibt es im Englischen gar kein Wort), "Seele", "Gespenst". "Spirit" scheint mir darüber hinaus einen Aspekt zu besitzen, der sich im Deutschen durch "Begeisterung" ausdrücken läßt.
Sofern ich "Geist" in seine Bedeutungsmöglichkeiten aufspalten und durch Synonyme ersetzen will, bleibt mir: Gespenst, Bewußtsein, Verstand, Bildung, Seele, Wesenskern und wohl noch einige andere, mit denen ich jederzeit entsprechend dem von mir Gemeinten die notwendige Präzission erreichen kann.
Das deutsche Wort "Empfindung" (eine Fähigkeit des Geistes) deutet eine Tiefe der Wahrnehmung an, gegen die sich das englische "sensation" geradezu oberflächlich ausmacht. Für diese aus dem Untergründigen heraufdringende Gewißheiten bezeichnende Bedeutungsebene scheint es im Englischen überhaupt keinen Begriff zu geben, was wohl mit Oberflächlichkeit deren Kultur einhergeht. Man achte insbesondere auf die etymologische Zusammensetzung aus "ent-" und "finden", die darauf hinweist, daß etwas intuitiv wiegend und sinnend auseinandergehalten wird.
Es ließe sich wohl noch fortführen. Uns steht einer reicher Gehalt an Wörtern zu Gebote, um die feinen Nuancen der immateriellen Welt zu bezeichnen. Man muß sie allerdings auch nutzen.

Das ist einerseits korrekt. Andererseits führt doch genau das zu dem Effekt, daß du dann jeglichen Hinweis mit dem Scheinargument ‚ist aber keine Schauung‘ einfach abschmetterst. Dadurch bleibt dann nichts weiter übrig als sich mit den wenigen in der Quellensammlung vorhandenen Schauungen immer nur im Kreis zu drehen.

Etwas sei keine Schauung, ist zunächst kein Urteil, sondern eine bloße Feststellung. Eine Prophezeiung kann zu keiner Schauung werden, auch wenn ich die Begriffe anders wähle, weil es sich de facto um ein gänzlich anderes "Ding" handelt.

Wenn ich nun umgekehrt "Nichtschauungen" gleichbedeutend und gleichwertig zu Schauungen in die Betrachtung einbezöge, gingen mir wichtige Informationen durch Nichtunterscheidung verloren.

Es ist, und das folgt aus dem Begriff, zwingend so, daß in Prophezeiungen/Voraussagen (Wortaussagen) menschliche Überlegungen einfließen. Das heißt nicht, daß in Prophezeiungen keine Informationen aus dem Menschen übergeordneten Ebenen enthalten sein können. Man muß aber unterscheiden können, um die Dinge richtig zu analysieren und Menschliches von Übermenschlichem trennen zu können.

Daran ist schlichtweg nicht zu rütteln.

Wenn als Folge eine Reihe Texte als weniger wertvoll eingestuft wird, weil sie übermäßig von menschlichen Vorstellungen "durchseucht" sind, dann ist dem halt so! Dann halte ich das nicht für einen Umstand, den ich durch Änderung des Begriffssystems verschleiern müßte, weil er mir nicht gefällt, sondern für eine wünschenswerte Annäherung an die Realität, da durch die Unterscheidung eine Erkenntnis gewonnen wird, die ohne diese Unterscheidung gar nicht möglich wäre.

Da wende ich lieber einige wenige Goldstücke in den Händen umher statt mich selbst in einem breitgewalzten Haufen Mist, weil ich durch falsche Begriffswahl keine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Gold und Mist habe (auch wenn die Betrachtung wie bei Schauungen und Prophezeiung einen offenkundigen Unterschied nahelegt, der schon im Hinterkopf intuitive Zweifel an der Trefflichkeit der Einteilung wecken sollte).

Ja, schlafender Prophet ist eine treffende Bezeichnung. Dieser Spitzname wurde Cayce allerdings deshalb gegeben, weil Jess Stearn damit eine andere Konnotation verbindet als du. Jess Stearn will aussagen, Cayce habe eine Bedeutung von biblischem Ausmaß, während du nur sagen willst, Cayce ist halt kein Seher und daher von vorneherein irrelevant.

Ich sage nicht, er sei irrelevant, sondern, er sei kein Seher, weil das nun mal so ist.
Anders als bei Stearn, der mit der Bezeichnung "Prophet" offenbar wertend Cayce zu einem Säulenheiligen erheben will, verbindet sich mit dem Worte, wie ich es in der etymologischen Bedeutung (Prophet = "einer, der etwas sagt") verwende, keine solche Wertung per se. Die Wertung ergibt sich allerdings aus unterschiedlichen natürlichen Qualitäten, die Wortmitteilungen jenseitiger Wesenheiten von Schauungen ohne dahinterstehender Wesenheit unterscheiden.

Daß er irrelevant ist, ergibt sich indes Stück um Stück, wenn man seine Voraussagen betrachtet und die fundementalen, nicht wegzuleugnenden Fehlschläge sieht. Das wertet im Umkehrschluß die Bezeichnung als Prophet auf, weil damit offenbar tatsächlich eine Unterscheidung von Sehern getroffen wurde, die einen Informationsgewinn hinsichtlich der Analyse solcher Phänomene darstellt. Der Informationsgewinn besteht darin, daß Cayce als "schlafender Prophet" wohl Zugang zu Quellen hatte, die andere (und zwar schlechtere!) Informationsqualitäten liefern als echte Präkognition. Warum sollte man sich diese Unterscheidungsmöglichkeit nehmen? Wohl nur, um unangenehme Urteile aus der Welt zu schaffen.

Schön, bezeichnen wir jene, die über paranormales Wissen verfügen, als Paragnosten. Mir gefällt das Wort. Andere Menschen werden uns dann jedoch erst recht nicht mehr verstehen. Du verlangst damit schon wieder, daß sich andere Menschen deiner Einteilung beugen. So klug die auch ist, der Verständigung ist sie abträglich.

Mit dieser Forderung erklärst Du jeglichen Erkenntnisfortschritt als unerwünscht. Man soll sich gefälligst mit unzureichenden Begriffen begnügen, welche der im Mittelmaß hängenden Masse zugänglich sind. So dreht man sich fortwährend im eigenen Saft, unfähig, durch Analayse (die ja Begriffsbildung notwendig miteinschließt) je einen Wissensfortschritt zu erlangen.
Zudem habe ich gar keinen neuen Begriffe eingeführt, sondern schon längst bestehende aufgelistet, derer man sich nur mit ihrem korrekten Sinngehalt bedienen müßte. Wer selbst existierende Wörter nicht versteht, der kommt für eine Verständigung gar nicht in Frage. Ich werde mir keine Dummheiten aneignen, um von Dummköpfen verstanden zu werden. ;-)

Und darum ablehnst, anstatt wegen ihres oft blödsinnigen Inhaltes.

Nein, ich lehne sie (nachweisliche Erscheinungen) wegen ihres blödsinnigen Inhaltes ab, wenn sie blödsinnige Inhalte liefern, nicht wegen ihrer übernatürlichen Qualität. Daß es auch Erscheinungen geben kann, die nicht blödsinnige Inhalte liefern, schließe ich allein von der Tatsache her, daß es Erscheinungen sind, und generell nicht aus.
Daß Erscheinungen etwas anderes sind als Visionen, ist eine ontologische Tatsache, die sich der Wahrnehmung offenkundig darstellt. Es ist wie der Unterschied zwischen Schauungen und Prophezeiungen selbstevident. Schon die Tatsache, daß es (nicht nur im Deutschen, sondern vielen Sprachen) überhaupt unterschiedliche Begriffe gibt, die ich nicht selbst erfunden habe (!!!), beweist eigentlich, daß es Unterschiede gibt, die man also auch wahrnehmen und anerkennen muß.
Warum sollte ich es also nicht mit den korrekten Begriffen bezeichnen, die natürlich zwangsläufig auch unterschiedliche Eigenschaften und Qualitäten herausstellen? Wenn einem die Schlüsse, die sich daraus ergeben, nicht gefallen, ist das desjenigen eigenes Problem. Es ist nun mal eine andere Sache.

Letztere Ableitung stellt die altindischen Seher in eine Reihe mit den Schamanen anderer Kulturen. Aus meiner Sicht spricht das für die Glaubwürdigkeit dieser Ableitung, ebenso wie die Glaubwürdigkeit der Wahrnehmungen, weil Schamanismus durch Empirie gelehrt wird.

Ja. Das Problem besteht dann letztlich darin, wie festgestellt werden kann, ob der Behauptung einer Wahrnehmung tatsächlich eine Wahrnehmung zugrundelag.

Es ist das selbe Problem mit Prophezeiungen: Wie läßt sich an einem alten Text, der von sich behauptet, Aussagen eines Sehers wiederzugeben, festellen, ob dem tatsächlich Schauungen vorausgegangen sind?

Wenn ich alles in einen Topf werfe, Schauungen und Prophezeiungen nicht unterscheide, nehme ich dieses Problem überhaupt nicht wahr und halte alles für seherisch, das mit dem Etikett "Seher" daherkommt. Damit ist das Problem allerdings nicht aus der Welt (aus der subjektiven vielleicht, aber nicht aus der objektiven).

Mit denkenden und empfindenden Wesenheiten in der Kette kommt das Element absichtlicher oder unabsichtlicher Verfälschung und Irrtümer hinzu, das man nicht leichtfertig negieren sollte, indem man durch den Begriff "Seher" eine ursprünglichere Wahrnehmung unterstellt, die direkt aus der Quelle stammt (wobei auch hier unsichtbare Zwischenglieder nicht ausgeschlossen sind).


Genau, man kann Zwischenglieder hier nicht ausschließen. Trotzdem eine in jedem Fall ursprünglichere Wahrnehmung zu unterstellen, das ist Unterscheidungsschwäche!

Der Zusatz "in jedem Fall" wurde von Dir hinzugefügt und entspricht nicht meiner Aussage, auch nicht meiner Einstellung.
Was hinter Schauungen/Visionen steckt, ist eine eigene Frage.
Können sie von Wesenheiten gesendet werden, ohne daß diese selbst in Erscheinung treten?
Können Schauungen falsche Bilder enthalten?
Das ist natürlich nicht ausgeschlossen. Ebensowenig ist aber ausgeschlossen, daß Schauungen "ursprünglichere" Informationen enthalten.
Sobald aber Zwischenglieder nachgewiesen sind, ist die Information auf jeden Fall weniger ursprünglich, als es möglich wäre, und foglich geringer zu gewichten. Und ein "geringeres Gewicht" bedeutet keinen pauschalen Ausschluß.

In Visionen bestehen vielschichtigere Darstellungsmöglichkeiten.


Oder korrekter ausgedrückt: vielfältigere Interpretationsmöglichkeiten. So kannst du in jedem Bild, einfach nach Bedarf als entsprechendes Symbol interpretiert, genau das erkennen, was du von vorneherein darin sehen willst.

Ja. Und das ist eine Problematik der Schauungen. Immerhin ist ein interpretierbares Bild einer bereits vorinterpretierten Darstellung seines gemutmaßten Inhaltes (= Prophezeiung) vorzuziehen.
Daher sollten sich Seher bemühen, ihre Wahrnehmungen möglichst deutungsfrei und wertneutral zu beschreiben. Daneben können sie deutlich gekennzeichnet mitgeben, was sie selbst meinen, daß das Bild bedeute.
Um überhaupt so weit zu kommen, ist aber eine Unterscheidung der Begriffe nötig. Anders wäre man sich gar nicht gewahr, daß Prophezeiungen und Schauungsberichte oder allgemein Wortaussagen etwas anderes sind als das, worüber etwas ausgesagt wird.

Während die optische Wahrnehmung besonders leicht Täuschungen unterliegt, hattest du beispielsweise die textliche Beschreibung der dreitätigen Finsternis nur nicht als biblische Geschichte erkannt, was ein Fehler war, der einem eifrigem Bibelkritiker wie dir, nicht hätte unterlaufen dürfen. Nicht zuletzt, weil ich bei einem eifrigem Bibelkritiker wie dir von einem Mindestmaß an Bibelkenntnis ausging und du ständig (zuletzt vor allem von Fenrizwolf) als eine Art intellektuëlle Großmacht gelobt wirst, ging ich davon aus, daß es sich bei der dreitätigegen Finsternis vielleicht um ein sich regelmäßig wiederholendes (die biblische Geschichte war mir schließlich mit größter Selbstverständlichkeit bekannt) astronomisches Ereignis handeln würde. Da hattest du mich ganz schön aufs Glatteis geführt. Hättest du stattdessen ein Bild (keine Beschreibung eines Bildes, denn das ist so wenig das Bild wie ein Bild das abgebildete Objekt ist, was du übrigens in einem weiterem Anfall von Unterscheidungsschwäche andeutetest) präsentiert, dann wäre ich von Anfang an angemessen mißtrauisch gewesen.

Darauf antworte ich nicht, weil Du mir hier Unwahres zu unterstellen scheinst.
Die Finsternis habe ich schon vor einigen Jahren auf biblische Motive zurückgeführt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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