Es ist eher genau umgekehrt (Freie Themen)

Ranma (乱馬), Freitag, 11. Mai 2018, 06:04 (vor 872 Tagen) @ Taurec2735 mal gelesen

Hallo!

Der Beitrag ist heute morgen im Spamfilter hängengeblieben. Vielleicht wegen japanischer und Hindischriftzeichen, da aus dieser Ecke häufig auch Spambots kommen? :confused:

Eigentlich weist ein geringer Anteil an fremden Schriftzeichen innerhalb eines deutschsprachigen Textes auf einen akademisch-wissenschaftlichen Text hin. Darüberhinaus kann der Netzseitenservierer meinen Brauser nach dessen Umgebungsvariablen fragen und dadurch ganz leicht feststellen, daß mein Datenstrom nicht aus der Ecke kommt, in der man Facebook-Likes und Twitter-Follower kaufen kann. Hadmut Danisch, der nicht nur einen Blog betreibt, auf dem er unfähige Soziologen und noch unfähigere Juristen bloßstellt, sondern auch an der Entwicklung von Ubuntug mitarbeitet, berichtete auf seinem Blog vor wenigen Tagen, daß er auf einen Bug-Report für Ubuntu eine Antwort bekam, die von völligem Unverständnis seiner Intention zeugte. Das heißt, auch in der Informatik sinkt das Niveau in riesigen Schritten. Möglicherweise sind die Spämfilter inzwischen schon tatsächlich nicht mehr in der Lage zwischen englischem Büchsenfleisch und einem Text im akademischem Stil zu unterscheiden.

Die Deutschen taten sich historisch nicht umsonst als Vollbringer hervorragender Entdeckungen, Erfindungen und als Denker hervor.

Das schon. Untermauern wir das doch gleich mal mit meinen beiden Lieblingszitaten von Ludwig Wittgenstein:

‚Die Grenzen deiner Sprache sind die Grenzen deiner Welt.‘

‚Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts über seine eigene.‘

Unsere Sprache ist grammatisch ausgefeilter und im Wortschatz oftmals exakter als die übrigen Gegenwartssprachen.

Das ganz sicher nicht. Allenfalls im Vergleich mit einer schlechten Entschuldigung wie dem Englischem. Wobei man die Beobachtung machen kann, daß eine Sprache desto mehr an Tiefgründigkeit verliert, je mehr Leute sie sprechen. Das gibt besonders alten Sprachen einen Vorteil und so läßt sich auf Altgriechisch, Sanskrit, Bibel-Hebräisch oder klassischem Chinesisch viel besser philosophieren als auf Deutsch oder Spanisch oder Englisch. Im Vergleich mit modernen Sprachen erleichtert die deutsche Grammatik sicherlich Selbstbetrug viel mehr als die russische, aber zum Beispiel die Zeitformen sind keineswegs ausgefeilter als die portugiesischen. In Sachen Exaktheit der Wortbedeutung dürfte Deutsch gegen so ziemlich alles gnadenlos verlieren, was keine touristische Verkehrssprache ist.

Sollten wir Begriffe haben, die auch transzendente Phänomene besser analysieren helfen, ist das als erkenntnismäßiger Vorteil zu betrachten, der uns einen Vorsprung gegenüber Amerikanern, Japanern und anderen verschafft.

Gerade um transzendente Phänomene zu analysieren ist das Deutsche besonders ungeeignet. Da hält es nichtmal mit dem Englischem mit! Schon wo das Englische ganz selbstverständlich zwischen ghost, mind und spirit unterscheidet, subsumiert das Deutsche das alles unter dem Begriff ‚Geist‘ als ob es sich nur um einen einheitlichen Brei handeln würde. Dazu wird der Begriff ‚Geist‘ auch noch übertragen für alkoholische Getränke und anderes verwendet. Über Transzendentes zu reden wird so schon fast verunmöglicht.

Sollte ein Gegenstand als unzureichend erfaßt empfunden werden, hindert indes nichts daran, für die nicht abgedeckten Bereiche andere Begriffe zu finden bzw. zu formen oder für alles einen Überbegriff.
Zudem sollte man sich an den Übergängen zu anderen Sprachgebieten und somit zwingend zu abweichenden Denktraditionen bewußt sein, daß dort aufgrund einer anderen Einteilung der Welt Dinge vermischt werden, die ich auseinanderhalte.

Das ist einerseits korrekt. Andererseits führt doch genau das zu dem Effekt, daß du dann jeglichen Hinweis mit dem Scheinargument ‚ist aber keine Schauung‘ einfach abschmetterst. Dadurch bleibt dann nichts weiter übrig als sich mit den wenigen in der Quellensammlung vorhandenen Schauungen immer nur im Kreis zu drehen.

Wenn Jess Stearn Cayce einen "schlafenden Propheten" nennt, ist das meines Erachtens eine treffende Bezeichnung, da Cayce eben nichts sah, sondern im Schlafe Aussagen machte. Siehe "Prophet" von altgr. "pro-" und "phemi" ⇒ "Ich sage vor". Das deckt sich sogar mit dem Begriff des "Readings" sehr gut. Man muß also sogar im Englischen ein Bildungsdefizit haben, um diese Dinge mit "Sehen" zu vermischen.

Ja, schlafender Prophet ist eine treffende Bezeichnung. Dieser Spitzname wurde Cayce allerdings deshalb gegeben, weil Jess Stearn damit eine andere Konnotation verbindet als du. Jess Stearn will aussagen, Cayce habe eine Bedeutung von biblischem Ausmaß, während du nur sagen willst, Cayce ist halt kein Seher und daher von vorneherein irrelevant.

Darüber hinaus hätten sie durchaus passende Wörter zur Unterscheidung:
Vision von lateinisch "videre" ("sehen").
Precognition von lateinisch "prae" ("voraus") und "cognoscere" ("erkennen").

Zudem gibt es noch die aus dem Griechischen stammende "paragnosis" von "para" ("neben") und "gnosis" ("Kenntnis"). Dabei ist letztlich nicht darauf abgehoben, woher die Kenntnis stammt, solange sie auf eine neben dem herkömmlichen Wege der Kenntniserlangung liegende Art generiert wird. Cayce wäre daher auch korrekt als "Paragnost" bezeichnet, worunter sich "Trancemedien" (von lat. "transire" = "hinübergehen" und "medium" = "Mitte", also "Mittler") subsumieren lassen, die in dieser Eigenschaft nicht selbst sehen, sondern lediglich den Transportkanal für Aussagen Hinübergegangener zur Verfügung stellen.

Mir scheint, es handelt sich tatsächlich mehr um Denkfaulheit oder Wunschdenken, die dazu führen, die Dinge nicht beim korrekten Namen zu nennen, nachdem Englischsprachige durchaus in bester abendländischer Denktradition über passende Begriffe verfügen.

Schön, bezeichnen wir jene, die über paranormales Wissen verfügen, als Paragnosten. Mir gefällt das Wort. Andere Menschen werden uns dann jedoch erst recht nicht mehr verstehen. Du verlangst damit schon wieder, daß sich andere Menschen deiner Einteilung beugen. So klug die auch ist, der Verständigung ist sie abträglich.

Letzten Endes muß man sich dann mit Aussagen herumschlagen, die mit dem Prädikat "Seher" verbreitet werden, dabei implizierend, daß sie aufgrund ihrer vermeintlichen seherischen Herkunft auch über Zweifel erhaben wären. Der nächste Schritt, der sich daraus ergibt, zeigt sich z. B. darin, daß man in China das Christentum aufblähen muß, um Cayces "Schau" zu bestätigen, wobei Relativierung sich gefälligst verbieten soll.

Der Nestorianismus wurde 635 n. Chr. und der Manichäismus (ein auf dem Christentum basierender Synkretismus) 694 n. Chr. vom chinesischen Kaiser anerkannt. Das sind die beiden ältesten christlichen Konfessionen in China, der früheste christliche Missionar in China war der Syrer Alopen, aber heute gibt es von beiden Konfessionen nur noch archäologische Relikte. So sieht die Entwicklung des Christentums in China wirklich aus. Was es jedoch heute in China reichlich gibt, das sind kleine, evangelikale Gruppen aus dem Amiland, die mit großem Eifer missionarisch tätig sind.

Das ist wohl weniger eine empirische Tatsache als eine Allegorie, um das Weltgedächtnis (vergleichbar der Akasha-Chronik) in ein Bild zu bringen. Im übrigen scheinen in diesem Kulturkreis Propheten (also von Gott mündlich aufgeklärte und wiederum mündlich dem Volk kündende) die gängige Form göttlicher Offenbarung zu sein, im Grunde wohl nicht viel anders als Marien- oder Jesuserscheinungen, deren Aussagen ich seit jeher korrekt als Prophezeiungen (Wort(vor)aussagen) bezeichne.

Und darum ablehnst, anstatt wegen ihres oft blödsinnigen Inhaltes. Über die Akasha-Chronik gibt es Beschreibungen jener, die daraus ‚lesen‘. Demnach ist sie ein Weltgedächtnis, das nur Vergangenes enthält, nichts Zukünftiges. Ihre Aufzeichnungen sind keineswegs nur optisch. Vielmehr verfügt sie, ähnlich einem Videoband mit optischer und akustischer Spur darauf, über Spuren für sämtliche Arten der Wahrnehmung. Darüberhinaus gilt es in der hermetischen Magie als möglich, Teile der Akasha-Chronik zu löschen, obwohl kaum irgendein Magier jemals die dafür nötige Entwicklungsstufe erreicht. Wenn also jemand behauptet, in der Akasha-Chronik zu ‚lesen‘, dann folgt daraus nicht unbedingt eine optische Wahrnehmung.

Der Ursprung der Veden ist mythisch. Nach mehreren tausend Jahren rein mündlicher Überlieferung, ist wahrscheinlicher, daß sich "Śruti (श्रुति), wörtlich ‚das Gehörte‘" auf diese Überlieferungsweise und nicht die im mythologischen bzw. historischen Nebel liegende Entstehung bezieht. Sofern die Inder annehmen, daß die Offenbarungen von oben diktiert wurden, sehe ich keinen Widerspruch zu meinen Begrifflichkeiten.

Gut, das ist plausibel.

Die Bedeutung von "Ṛṣi (ऋषि)" scheint vielschichtiger zu sein. Mögliche Ursprünge:

  • gehen, bewegen
  • fließen
  • Dagegen scheint "sehen" eine mit Unwägbarkeiten behaftete spätere Ableitung zu sein. ("Monier-Williams also conjectures that the root drish (to see) might have given rise to an obsolete root rish meaning 'to see'.")
  • Eine heute wohl bevorzugte Ableitung verbindet es mit dem avestischen (altiranischen) "ərəšiš" ("Ekstatiker") und über indogermanische Sprachverwandtschaft mit dem deutschen "rasen" im Sinne von "toll sein", "außer sich", was auf religiöse Tranceerfahrungen, die solchen Offenbarung mutmaßlich zugrundeliegen, doch besser paßt als "sehen".

Letztere Ableitung stellt die altindischen Seher in eine Reihe mit den Schamanen anderer Kulturen. Aus meiner Sicht spricht das für die Glaubwürdigkeit dieser Ableitung, ebenso wie die Glaubwürdigkeit der Wahrnehmungen, weil Schamanismus durch Empirie gelehrt wird.

Mythische/religiöse Texte vorschnell als paranormale Erfahrungen zu klassieren, nur weil sie selbst von sich behaupten, was man persönlich als paranormale Erfahrung begreift, ist genau die von mir angesprochene Unterscheidungsschwäche. Die Bibel ist auch nicht Gottes Wort.

Letzteres wird nichtmal von der Bibel selbst behauptet. Vielmehr behaupten einige deren Verfasser, Christus zu zitieren, während der frühere Propheten zitierte, die wiederum Gott zitierten. In einem noch späterem Teil der Bibel bemüht sich schon Paulus, der Jesus Christus nicht persönlich kannte, nach Kräften darum, dessen Aussagen ins Gegenteil zu verkehren.

Mit denkenden und empfindenden Wesenheiten in der Kette kommt das Element absichtlicher oder unabsichtlicher Verfälschung und Irrtümer hinzu, das man nicht leichtfertig negieren sollte, indem man durch den Begriff "Seher" eine ursprünglichere Wahrnehmung unterstellt, die direkt aus der Quelle stammt (wobei auch hier unsichtbare Zwischenglieder nicht ausgeschlossen sind).

Genau, man kann Zwischenglieder hier nicht ausschließen. Trotzdem eine in jedem Fall ursprünglichere Wahrnehmung zu unterstellen, das ist Unterscheidungsschwäche!

"Sehen" ist eine ursprüngliche Form der Wahrnehmung, während das Hören von Worten (also nicht Geräuschen als Teil einer seherischen Wahrnehmung) einen denkenden und formulierenden Geist voraussetzt, der eine Information interpretierend, verdichtend und reduzierend, damit auch zwangsläufig verfälschend in Sprache faßt. Es gibt keine Möglichkeit, mag die paranormale Erfahrung auch noch so gesichert, die Quelle noch so hochstehend sein, diese Qualität einer Wortaussage jener eines gesehenen Bildes anzunähern. Gehörte Worte sind stets ein Abklatsch einer Information, nicht das Ding an sich. In Visionen bestehen vielschichtigere Darstellungsmöglichkeiten.

Oder korrekter ausgedrückt: vielfältigere Interpretationsmöglichkeiten. So kannst du in jedem Bild, einfach nach Bedarf als entsprechendes Symbol interpretiert, genau das erkennen, was du von vorneherein darin sehen willst.

Gerade deshalb, weil Menschen den größten Teil ihrer Umwelt optisch wahrnehmen, lassen sich sowohl statische als auch bewegte Bilder besonders effektiv dafür verwenden, um Menschen von der Senderseite her zu täuschen und zu manipulieren. Nur weil der Santilli-Film existiert, heißt das nicht, daß uns humanoide Außerirdische bereits besucht haben müssen. Es gibt sogar eine ganze Reihe bekannter Bilder, die entweder bewußte Fälschungen sind oder Fehlinterpretationen verursachten. Darüber hinaus sind einige Fälschungsmethoden schon lange bekannt[link], während [link=https://www.csicop.org/si/show/ufo_hoaxes_theres_an_app_for_that]es heute sogar Apps für Fälschungen gibt.

Während die optische Wahrnehmung besonders leicht Täuschungen unterliegt, hattest du beispielsweise die textliche Beschreibung der dreitätigen Finsternis nur nicht als biblische Geschichte erkannt, was ein Fehler war, der einem eifrigem Bibelkritiker wie dir, nicht hätte unterlaufen dürfen. Nicht zuletzt, weil ich bei einem eifrigem Bibelkritiker wie dir von einem Mindestmaß an Bibelkenntnis ausging und du ständig (zuletzt vor allem von Fenrizwolf) als eine Art intellektuëlle Großmacht gelobt wirst, ging ich davon aus, daß es sich bei der dreitätigegen Finsternis vielleicht um ein sich regelmäßig wiederholendes (die biblische Geschichte war mir schließlich mit größter Selbstverständlichkeit bekannt) astronomisches Ereignis handeln würde. Da hattest du mich ganz schön aufs Glatteis geführt. Hättest du stattdessen ein Bild (keine Beschreibung eines Bildes, denn das ist so wenig das Bild wie ein Bild das abgebildete Objekt ist, was du übrigens in einem weiterem Anfall von Unterscheidungsschwäche andeutetest) präsentiert, dann wäre ich von Anfang an angemessen mißtrauisch gewesen.

Gruß

ランマ


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