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Quod es veritas? (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 10. Mai 2018, 10:18 (vor 873 Tagen) @ Taurec2752 mal gelesen

Hallo!

"'Unsicherheit' und 'Glaube' kann man beinahe äquivalent setzen. Natürlich hat Mathematik etwas mit Glauben zu tun, nämlich indem sie die Nahtstellen zwischen dem Wißbaren und dem Ungewissen nachzeichnet."

Außer Acht gelassen habe ich dabei die Problematik, festzustellen, was denn überhaupt Wißbares bzw. Wissen ist. Auch wenn man sich gewiß ist, besteht die Möglichkeit, daß man sich täuscht. Auch der Bestimmung des (vermeintlich) Sicheren liegen Axiome zugrunde, von denen ausgehend sich die Deutung der Welt und die Definition dessen, was als Wissen akzeptabel ist, ableitet. An Fragestellungen wie diesen zeigt sich meines Erachtens, daß die Wissenschaft bei all ihrer Komplexität ein Welterklärungsmodell ist, das im selben Gehege mit religiösen Systemen lebt, welche auf ihre spezifische Weise Wissen (und Wahrheit) bestimmen – einander durchaus auschließend, was in der Natur der Sache liegt, da man sich im selben "Framing" bewegt. Anders wäre selbst gegenseitiges Auschließen gar nicht denkbar.

Man wollte vor den 1960ern schon an die Existenz extrasolarer Planeten nicht glauben! Deswegen konnte man auch nicht daran glauben, daß solche in habitablen Zonen liegen, Wasser führen oder Leben hervorbringen könnten, weil schließlich nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Die Drake-Formel erfüllte genau den Zweck, jene Annahmen von damals als religiös und als eine Art Äquivalent zum Gottesbeweis zu entlarven.

Natürlich kann man einem "Gottesbeweis" oder einer "Gotteswiderlegung" (das selbe mal -1) nur einen anderen "Gottesbeweis" entgegensetzen. Die Drake-Gleichung ist insofern eine Art scholastisches Argument, das seine Vorgänger mit den eigenen Waffen in ausgeklügelterer Form schlägt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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