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Sonnenfinsternis, Malachias (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Montag, 30. Dezember 2019, 22:35 (vor 96 Tagen) @ Einhorn628 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Montag, 30. Dezember 2019, 23:00

Hallo!

2 - Da er den Sichtbarkeitsbereich dieser Sonnenfinsternis noch nicht berechnen konnte, musste er sie auf seine übliche Art und Weise "gesehen" und deshalb im Sinne des damals herrschenden Zeitgeistes so markant beschrieben haben. Hast Du eine bessere Erklärung?:-)

Nostradamus beschreibt die Finsternis von 1999 mit keinem Wort und schon gar nicht "markant". Er nennt lediglich ein Datum.
Er beschreibt aber die (dreitägige) Finsternis in dem Brief an Heinrich II. Weil in X/72 zwar 1999 genannt wird, aber wegen der genannten sprachlichen Einwände dort sicher nicht von Mongolen/Russen und Putin die Rede ist, gehe ich davon aus, daß Nostradamus für 1999 den "Großen Monarchen" (oder eine vergleichbare Figur, nicht unbedingt Chyren) erwartete und somit logischerweise auch die Finsternis. Das Datum war also nachweislich falsch. Aber ich wiederhole mich.

Meine Mutmaßung war daher, daß Nostradamus die Finsternis 1999 zwar dem Datum nach kannte, aber nicht den Ort. Weil es aber so schön paßte, betrachtete er es als Untermauerung seines selbst lediglich interpretierten, aber nicht gesehenen Datums 1999.

In diesem Zusammenhang eine Frage: Hast Du in Deiner anscheinend reichhaltigen Bibliothek ein Facsimile von einer Ephemeride aus der Zeit von Nostradamus? Würde mich interessieren, welche Daten da aufgeführt waren.

Nein, ein solches Buch besitze ich leider nicht. Es würde auch wenig nützen. Die Berechnungsvarianten waren wegen Fehlern und unterschiedlichen Genauigkeiten verschiedener Berechner vermutlich so zahlreich, daß man schon genau die selbe Ephemeride haben müßte, die auch Nostradamus besaß, um daraus Schlüsse über die Centurien abzuleiten.

3 - Also ich erinnere mich, dass bereits vor der Wahl von Johannes Paul II die Übersetzung "von der Sonnenfinsternis" lautete. Kenne auch keine andere die üblicherweise benutzt wird.

Daß 1999 eine Sonnenfinsternis stattfinden würde, war ja wie gesagt bekannt. Auch wann das besagte Motto aktuell wäre, konnte man im Laufe des 20. Jahrhunderts abschätzen. Ich vermute, daß in allen oder den meisten Werken des 20. Jahrhunderts, die Malachias zitieren, bereits die tendenziöse Übersetzung "von der Sonnenfinsternis" steht (so z. B. bei Hübscher "Die große Weissagung" von 1952, S. 41).
Gegenprobe: Ich besitze eine Kopie des Buches "Das Buch der Wahr- und Weissagungen" von Johann Nepomuk Trülle (1849). Darin steht auf Seite 22 als Übersetzung der Malachiasstelle korrekt und untendenziös: "von der Arbeit der Sonne".
Damals lag "de labore Solis" noch in weiter Ferne. Nach 1900 und mit abnehmender Distanz richtete sich der Prophezeiungsmainstream auf die Sonnenfinsternis 1999 aus und schrak wie immer nicht vor Selbstbetrug und mutwilligem und fahrlässigem Verzerren und Verfälschen zurück, um sich auf das gewünschte Ergebnis einzuschießen.

Fakt ist, dass am Anfang die katholische Kirche gegen diese Papst-Sequenz angekämpft hat und sich dann anhand der Treffer geschlagen geben musste.

Wohl kaum. Es stimmt ja überhaupt nichts, wenn man nicht zwei Augen zudrückt, um unpassendes passend zu machen.

Und nun ist sie scheinbar akzeptiert, denn vor einigen Jahren habe ich mich mit einem Priester ganz normal über sie unterhalten und er wusste bestens Bescheid.

"Scheinbar" unterschreibe ich hier völlig. ;-) Es scheint Dir eben nur so.

Unabhängig davon wie sie entstanden ist, ob Fälschung oder nicht, sie ist nun fest verankert im kollektiven Bewusstsein und entfaltet demgemäß ihre Wirkungen. Schau doch den 11. September an. Was bewirkt es, wenn wir darauf hinweisen und beweisen dass die offizielle Verschwörungstheorie Lug und Trug ist? Die 3D-Manifestationen in Politik, Kriegen, Leid usw. entwickeln sich weiterhin so, als ob die Teppichmesser-Terroristen verantwortlich wären. Und weshalb? Weil die Lüge zum allgemeinen Konsens geworden ist. Und nur auf ihn kommt es an.

Die Haltung christlicher Prophezeiungsgläubiger oder Gläubiger überhaupt: Lügen, nur oft genug wiederholt, werden irgendwann wahr, weil jeder sie glaubt.

Die Fragen sind aber:
Warum sollte eine falsche Lateinübersetzung, die meinem Lateinlehrer das Pausenbrot verdorben hätte, plötzlich eine richtige Übersetzung werden, wenn sie über Jahre literarisch verbreitet wird? Die Sprache einer Zeit ändert sich nachträglich nicht mehr. ;-)
Warum sollte eine politische Propagandafälschung für die Papstwahl 1590, die danach nur willkürlich kombinierte und regelmäßig falsche Mottos aneinanderreiht, schließlich echt werden und Treffer generieren, nur weil Mehrheit der Zeitgenossen daran glauben will?

Nun haben unsere Foristen ein weites Spektrum an Meinungen und können sich diejenige zu eigen machen, die ihnen plausibler erscheint.

Ja, ja. "Meinungen". Das alte Hintertürchen, um ungenehme Argumente als unerheblich abzutun und weiterhin in seinen Kreisen nicht gestört zu werden. ;-)

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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