selbstverständlich wird Geld aus dem „Nichts“ geschöpft....und zwar von Geschäftsbanken (Vorsorge & Überlebenstechniken)

Quintus @, Freitag, 09. November 2018, 07:23 (vor 8 Tagen) @ Zugeroaster370 mal gelesen

Zentralbanken steuern lediglich diesen Prozess durch die Höhe der vorgeschriebenen Mindestreserve bzw. Einlagen bei den Geschäftsbanken.

Sehr geehrter Zugeroaster

Zinsen und Gewinne mussten vor dem Beginn des Kapitalismus aus der Substanz gezahlt werden, so dass Profite nur entstehen konnten, wenn andere Verluste machen. Es war ein Null-Summen-Spiel, bei dem sich der Stärkere auf Kosten des Schwächeren durchsetzte. Die Kirchenlehrer irrten also nicht, wenn sie Zinsen und Gewinne mit Ausbeutung gleichsetzten.
Die Geldschöpfung aus dem Nichts begründet sich auf den Wachstumszwang des Kapitalismus( der wiederum aufgrund eines Energieüberschusses in Form von Kohle überhaupt erst möglich wurde) Dazu sehr zu empfehlen: Ulrike Herrmann: Sieg des Kapitals
Der Kapitalismus hat den Charakter von Schulden, Zinsen und Profiten völlig verändert. Jetzt werden Kredite nicht mehr vorrangig benutzt, um bitterste Not abzuwenden, sondern um die Effizienz der Produktion zu steigern. Zinsen und Gewinne werden nicht mehr aus der Substanz bezahlt, sondern aus den Zuwächsen der Wirtschaft.
Noch krasser: Ohne Schulden kann die Wirtschaft nicht wachsen. Der Kapitalismus ist nur möglich, wenn ihm ständig neue Kredite zugeführt werden.
Diese Geldvermehrung(praktisch aus dem „Nichts“) führt nicht zur Inflation, weil ja gleichzeitig durch die neuen Investitionen auch die Gütermenge steigt. Das Wachstum von Wirtschaft, Kapital und Gewinnen bleibt im Gleichgewicht.
Wie machtlos Geld sein kann, zeigt sich auch bei einem anderen Phänomen: Die kapitalistische Wirtschaft tendiert nicht zur Inflation. Stattdessen droht meist das Gegenteil, die Deflation, die zu sinkenden Preisen führt. Es gehört zur großen Tragik der Deutschen, dass sie immer noch eisern glauben, dass die Geldentwertung die größte Gefahr sei. Denn diese totale Fehleinschätzung verhindert, dass die Deutschen bei Wirtschaftskrisen richtig reagieren.
In Friedenszeiten ist eine Inflation unwahrscheinlich –und gar nicht leicht zu erzeugen. Stattdessen neigt eine kapitalistische Wirtschaft eher zum Gegenteil: zur Deflation, also zu sinkenden Preisen. Diese Tendenz zur Deflation hat vor allem mit dem technischen Fortschritt zu tun. Die Produkte werden besser –und trotzdem billiger.
Um diesem Deflationsdilemma zu entkommen, hat die Europäische Zentralbank ihr offizielles Inflationsziel bei zwei Prozent angesetzt –und nicht etwa bei null. Die Notenbank akzeptiert eine moderate Geldentwertung, damit sie Spielraum bei den Zinsen hat, sobald es zu einer Wirtschaftskrise kommt. Denn wenn die Unternehmer wissen, dass die Preise steigen, ist es verlockend, einen billigen Kredit aufzunehmen, weil er sich dank der Inflation leicht zurückzahlen lässt. Die moderate Inflation ist also nötig, um ein kapitalistisches System zu steuern.

Mit freundlichen Grüßen
Quintus


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