Das stimmt leider wirklich nicht (Vorsorge & Überlebenstechniken)

Ranma, Donnerstag, 08. November 2018, 05:38 (vor 9 Tagen) @ rauhnacht375 mal gelesen

Hallo!

Jetzt habe ich eine Viertelstunde lang versucht, heute mal nicht hier zu schreiben. Aber so kann man das wirklich nicht stehen lassen.

„Geld“ mit Merkmal „Werterhalt“ wird bisher nie! aus dem Nichts, also OHNE Bindung zu irgendetwas geschöpft! Auch nicht das Fiatgeld, da stehen Forderungen/ Versprechen gegen. Forderung erfüllt – Fiatgeld weg. So zumindest der logische Sinnzusammenhang, ansonsten könnte Umlaufgeld immer mehr und mehr werden. Folge wäre: Wertverlust in steter Steigerung.

Was ist Umlaufgeld?

Ohne „Werterhalt“ wird nur in galloppierenden Inflationen gedruckt.
Das „Schwundgeld“ von Wörgl war meines Wissens hinterlegt mit Schilling.

Das ist bestenfalls kreativ interpretiert. Damals war die Zeit der großen Depression und Schillinge sehr knapp. Genau das war das Problem, dem das „Schwundgeld“ von Wörgl entgegenwirken sollte. Es wurde herausgegeben, weil nicht genügend Schillinge vorhanden waren, um das Schwundgeld damit zu hinterlegen. Es waren sogar so wenige Schillinge in Wörgl, daß es dort viele offene Schulden gab. Schulden gegenüber der Staatskasse konnte man mit den Arbeitswertscheinen, die wirklich diesen phantasielosen Namen hatten, in Wörgl begleichen. Deshalb wurden sie schnell auch für die Begleichung anderer Schulden akzeptiert. Man könnte also sagen, die Arbeitswertscheine waren mit Schulden hinterlegt. Die wiederum lauteten auf Schillinge. Trotzdem war es anders als das heutige Geld, denn die Schulden entstanden nicht zusammen mit dem Geld, sondern waren schon vorher da, als Resultat der großen Depression.

Das „Wunder von Wörgl“ dauerte nur anderthalb Jahre, dann wurde es verboten. Was passiert wäre, wenn es langfristig im Umlauf oder gar zu anderen Zeiten, z.B. keinen Notstandszeiten oder größeren Räumen, z.B. wenn der Wörgler sein Geld nach der nächsten Stadt getragen hätte, ist spekulativ.

Das ist kein bißchen spekulativ, sondern ganz genau bekannt. Weil die Wörgler nämlich genau das, nämlich ihr Geld in die nächsten Städte zu tragen, gemacht haben. Die Nachbarstädte sahen sich das Experiment genau an. In den letzten Tagen der anderthalb Jahre wollten sich zwei der Nachbarstädte Wörgl anschließen. Daraufhin kam das Verbot. Die drohende Expansion des Wörgler Modells war der Grund für das Verbot. Man nennt es deshalb das „Wunder von Wörgl“, weil dort mitten in der großen Depression die Wirtschaft brummte! Das machte das Wörgler Modell sehr attraktiv. Das wiederum bedeutete, daß den Inhabern der Macht ein Verlust ihrer Macht drohte, weil die Arbeitswertscheine das Potential hatten, den Schilling zu verdrängen. Wenn man jedoch Macht durch den Schilling ausübt, dann wird man nicht zulassen, daß der Schilling verdrängt wird, sonst würde man ohne Gegenwehr, friedlich und gewaltfrei entmachtet.

Beeindruckender als das Wörgler Modell finde ich die Wirkung der deutschen Wära, die im Ersatzgeldverbot der Brüningschen Notstandsverordnung explizit erwähnt wird. Wiederum aus dem gleichen Grund, weil auch die Wära eine Machtverschiebung bedeutet hätte. Zugleich hätten Wära und Wörgler Arbeitswertscheine einen Weg aus der Depression bedeutet. Diese Modelle waren drauf und dran, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Erst die Verbote des Wörgler Modells und der deutschen Wära garantierten den Weg in den Zweiten Weltkrieg. Wenn man schon Macht mittels des Schillings ausübt, sollte man dann nicht auch dazu in der Lage sein, dessen Menge zu steuern? Gewisse Hintertanen (Stichwort: Hotel Adlon) wollten jedoch Deutschland und Österreich unbedingt in der wirtschaftlichen Depression halten als Teil der Vorbereitung des nächsten großen Krieges.

Damit bewiesen deutsche Wära und Wörgl, daß alle Vorschläge eines alternativen Wirtschaftssystem an einem Problem kranken: Nur wer die politische Macht innehat, entscheidet über die Währung. Wer über die Währung entscheidet, hat damit zugleich die politische Macht inne.

Fazit: Das waren „Berechtigungsscheine“ mit stetem Wertverlust in begrenzten Zeiten und Räumen. Das ist in sofern „nett“, weil die huh Versuchung, dies Geld zu „bunkern“und dem Umlauf zu entziehen, geringer wird.

Das war die Idee dabei und das hatte sehr gut funktioniert. Das Genial daran: Man kann Geld überhaupt nur dann bunkern, wenn man das Geld dafür schon zur Verfügung hat. Dadurch hat, vor allem während der großen Depression als die Leute bereits ihre Schulden nicht mehr bezahlen konnten, der Schwund kaum jemanden betroffen.

Da haben die Leute sogar freiwillig ihre Steuern im Voraus bezahlt, um dem Wertverlust zu entgehen und wenn mans schon da so rumliegen hat und ein Ansparen auf z.B. teurere Objekte wie vergleichbar heute Auto, Haus ohnehin NUR DIE GANZ REICHEN ! ohne Wertabzug verschmerzen könnten. Allah hopp.

Die Wirtschaft brummte. Inmitten der großen Depression. Darum heißt es das „Wunder von Wörgl“. Das Wörgler Modell war attraktiv, weil die Leute aus den Nachbarstädten beobachteten, daß es den Wörglern besser ging und die mehr hatten.

In heutigen Zeiten wird beispielsweise der Geldumlauf mit niedrigsten Sparzinsen bis in der Überlegung ebenfalls Negativzinsen schmackhaft gemacht. Damit das Umlaufgeld, weil ---m-E. wohl zu billig in Relation? (Kann mich auch irren) nicht versackt!

Kann man garnicht vergleichen. Die heutigen Niedrigzinsen mögen vielleicht etwas von den Freigeldexperimenten inspiriert worden sein, aber das beruht auf einem völlig falschem Verständnis des damaligen Modells! Auch mit einem Freigeld kann ein Zinssatz zwanzig oder dreißig Prozent betragen, sofern er, beispielsweise durch einen Aufschlag für ein höheres Risiko, gerechtfertigt ist. Es ging beim Freigeld keinen Moment lang darum, die Zinsen niedrig zu halten oder sie zu beseitigen. Es ging nur darum, Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

Dabei kannte man noch nicht die heutige Entkopplung von Sollzinsen und Habenzinsen. Damals wurden Darlehen gegeben, die sich aus den Spareinlagen speisten und denen entsprechend Zinsen einbrachten. So funktioniert das Bankwesen heute nicht mehr. Heute ist es sogar so, daß ich tatsächlich genau 0,00% Zinsen bekomme, während die Banken den Reichen nach wie vor Angebote von niemals unter 20% Zinsen machen (so bestätigte das ein gewisser Herr Ackermann während der letzten Krise). Die Sollzinsen sind jedoch für alle so horrend wie nie zuvor.

Und in spekulativem Ausblick gemahnt mich dies eher an gruselige Planwirtschaftsspielereien.
Um mit Schwundgeld den Kreislauf am Laufen zu halten, bewahrt die Masse die Kommune vorm Exit, würde aber so mal rumgesponnen für diese bedeuten; z.B. zum Kauf eines Autos Jahre vorher einen Berechtigungsschein zum Bezug und vorzeitlichen Abzahlung dessen abschließen zu müssen. Das wär doch toll und die ideale BESICHERUNG der Automobilkolchose.:lol2:
Reiche stört dies nicht, da diese ohnehin nicht auf die „dusselige“ Idee kommen, ihr Geld so irgendwie sicher zu parken. Das bisschen Risiko in die Aktien der Automobilkolchose zu investieren, können die auch bei „Dieselspinnereien“ ab. Die investieren einfach um.

Planwirtschaft hat mit Schwundgeld so viel zu tun wie Tomaten mit Brücken. Schwundgeld alleine ist noch kein Wirtschaftskonzept. Die Idee dahinter ging auch noch in die genau entgegengesetzte Richtung, nämlich die Perfektionierung des Marktes. In einem perfektem Markt braucht man selbstverständlich keinen Berechtigungsschein. Automobilkolchosen wären auch nicht besichert.

Was sich allerdings mit einem Schwundgeld nicht vermeiden läßt: Der Wechselkurs gegenüber anderen Währungen rauscht in unermeßliche Tiefen. Ideal für wirklich sehr, sehr, sehr exportlastige Wirtschaften. Das erklärt wohl den geographischen Ursprung der Idee.

Zudem empfinde ich diese Wirtschafts;- und Geldthemen in diesem Ausmaß als grenzwertig zum Thema des Forums und zur Fadeneröffnung haben wir schon längst den Faden verloren.

Das stimmt. Es wird wohl niemand Erfahrungsberichte beisteuern können. Wir können nur noch spekulieren. Zum Beispiel darüber, was passieren wird, wenn der Pegelstand des Rheins weiterhin so niedrig bleibt. Zur Zeit geht einer Tankstelle nach der anderen das Benzin aus, weil das über den Rhein in Speichertanks geliefert wird. Das heißt geliefert wurde als der Rhein dafür noch genügend Wasser führte. Deshalb sind die Benzinpreise schon das ganze Jahr über so hoch. Aber es sieht so aus als würde das einfach hingenommen und nicht als eine Notlage erkannt. Ist es etwa nicht offensichtlich wie sehr unsere Wirtschaft von Benzin und Diesel abhängt?

Gruß,
Ranma


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