Die Marx- u. Stalin-Ära, Prioritäten und "Sabotage" (Schauungen & Prophezeiungen)

dere, Sonntag, 13.06.2010, 10:27 (vor 3922 Tagen) @ Alex (8199 Aufrufe)

Hallo Dere,
zieh Dir mal das Verhör des Bolschewisten Botschafters Rakowskij rein.
Es istmeiner Ansicht nach das bedeutendste historische Dokument welches
öffentlich zugänglich ist.
http://www.scribd.com/doc/13267172/Rakowskij-Protokoll-Red-Symphony-Rakovsky-Landowsky-

Jedenfalls erklärt Rakowskij dort seinem Gegenüber, dem er erst mal den
"höheren Marxismus" erklären muss wie Einstein einem Viertklässler die
vierte Dimension, dass es überheupt keinen Widerspruch im kapitalistischen
System gibt. In der Tat lachen sich die Mega Bolschewisten immer ins
Fäustchen wenn sie an der Lublianka (oder wie das heisst) vorbeigehen,
weil sie richtig sehen können wie sich Marx in seinen Bart lacht wo er
doch die ganze Welt mit seinen widersprüchlichen Theorien verarscht hat.

Rakowskij nennt dann noch die widersprüchlichen Stellen des Marxismus und
sagt, dass es wohl zu einem Zusammenbruch des kapitalistischen Systems
kommen wird, was Marx auch wusste. Nur kommt es nicht dazu auf Grund von
Widersprüchen im kapitalistischen System sondern auf Grund von Sabotage.
Marx wusste das weil er diejenigen kannte, die diese Sabotage ausführen
würden.

Also unterm Strich:
Ohne Sabotage keinen Widerspruch im kapitalistischen System.
Und jene, welche diese schönen Phrasen lehren, wie Du sie posaunst sind
die gleichen, die die Sabotage machen.
Und wer andere Systeme sabotiert ist meist nicht liebenswert.
Folglich wird auch deren System - wenn es erstmal stehen sollte - nicht
liebenswert sein (siehe Stalins Russland).

Und alle die für dieses nichtliebenswerte System gekämpft haben, in der
Annahme es seie liebenswert, werden nach den Aussagen sämtlicher
Überläufer gleich bei Übernahme an die Wand gestellt, da der Schock dieser
Leute einfach zu gross sein wird wenn sie sehen für was sie gekämpft haben
und folglich des Kommunismus grösster Feind würden.
(siehe den 8-Teiler oder 9 Teiler von Überläufer Bezmenow, bzw Schuman auf
youtube - ich würde mir erstmal den unter Schuman anschauen, da hält er
einen Vortrag über die Etappen Demoralisierung eines Volkes bis zur
Übernahme und den damit assoziierten Dingen die dann auch gemacht werden,
etc)

Gruss,
Alex

Hallo Alex,
hab mir die ersten 10 Seiten des Textes aus der Stalinära durchgelesen und glaube nicht, dass Stalins Ambitionen und Interpretationen irgend etwas mit den Grundsätzen einer künftigen überlebensfähigen, auf Gleichheit; Brüderlichkeit und friedlich solidarischem Dialog basierenden Gesellschaft zu tun haben.
Es gab in "unserem" Lager nicht nur Tyrannen und Diktatoren; z.B. war für Rosa Luxemburg jegliche Freiheit zuerst die des Andersdenkenden...Fanatiker und Übereifrige gibt es auf allen Seiten, dieFrage ist nur, was der Einzelne aus diesen Ansätzen (ggf. siehe "Spielwiese" Forum) persönlich draus macht...
Man kann nun für jede Seite entsprechende Beispiele heraussuchen und sie dann verallgemeinern.
Was das Ganze (d.h. im Streit der Anschauungen über das bessere, zukunftsfähigere, "liebenwertere" System) mit dem Aspekt der "Sabotage" zu tun haben könnte, kann ich aber beim besten Willen nicht erkennen. Soweit ich Marx kenne, geht es in seinen Büchern genau um die systemeigenen Widersprüche der ja historisch gewachsenen kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Produktionsweise. Mit welcher Methode, (bzw -Ergeignisse) sie letzlich gesetzmäßig abgeschafft wird, welche konkreten gesellschaftlich-ökonomischen Alternativen dazu möglich, machbar bzw.effizient und human sind (und sei es als relativ kleine Übergangslösung in Zeiten von Kriegswirren), ist ein ganz anderes Thema, das zu seinen Lebzeiten ja nur visionär angeschnitten werden konnte...
M.f.G.


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