Avatar

Lindelied: Verse mit Vorlagen (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 06. Juni 2010, 19:37 (vor 3647 Tagen)13323 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 30. August 2017, 16:50

Schlagwörter:

Hallo!

Weil das Lied heute schon mal angesprochen wurde.

Zunächst zur Quellenlage:
https://schauungen.de/prophwiki/index.php?title=Lindelied

Das Lied der Linde wurde bereits 1920 von Martin Hingerl veröffentlicht.
In der Quellensammlung fehlt noch die zweite Auflage von 1925. Die Textabweichungen darin sind zumindest aufgelistet. Die mehrseitigen Kommentare Hingerls zum Lied aus der zweiten Auflage werde ich nachher noch ins Forum stellen.

Hier sind darüber hinaus die Anmerkungen des Dichters von 1920, in denen auch schon Hinweise auf Vorlagen geliefert werden: https://schauungen.de/Sonstiges/linde1920bemerkungen.jpg

Dr. Wilhelm Ettelt schrieb in seinem Buch „Prophezeiungen im Lichte der katholischen Glaubenslehre“ (1994): „Adlmaier behauptet, es handle sich um ein altes prophetisches Gedicht aus dem letzten Jahrhundert, und das schreibt seither einer vom anderen ab. In Wirklichkeit ist leicht zu zeigen, daß das Gedicht etwa aus dem Jahre 1920 stammt und nichts anderes darstellt als eine poetische Kurzfassung der Schrift ‚Der kommende große Monarch’ von Konzionator (Pseudonym für Franz Spirago), die damals erschienen ist.“

Für meine noch nicht veröffentlichte Quellensammlung habe ich mir das Buch von Konzionator von 1920 (es erschien genau 8 Monate vor dem Lindelied) besorgt und mit dem Lied verglichen. Es gibt tatsächlich zu zahlreichen Stellen des Liedes Entsprechungen bei Konzionator.
Ab Vers 14 gibt es Vorlagen.
Die Verse 1 bis 5 sind Vorgesang.
Für die Verse 6 bis 13 gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie sind bloße Gegenwartsbeschreibung von 1920, wogegen es Einwände gibt, z. B. Vers 10 über die Inflation, die 1923 war, oder Hingerl hatte seherische Vorlagen, die er nicht nennt. Diese Vorlagen könnten sich entweder auf die Weimarer Republik oder die BRD beziehen, wobei Hingerl sie in letztem Falle irrig auf Weimar angewendet hätte. Die BRD und ihre Zustände sind im Grunde nur eine starke Verschärfung und unnatürliche Verlängerung der ersten Republik und der Forderungen der Siegermächte. Relevanz für uns ist also nicht ausgeschlossen. Siehe meine den Versen anhängenden Kommentare.

In die folgenden Aufstellung sind die Vorlagen bei Konzionator, die von Hingerl in der zweiten Auflage genannten Vorlagen und meine Kommentare von strittigen Stellen - nämlich die ohne bekannte Vorlage! - eingeschoben. Textgrundlage ist die Erstveröffentlichung von 1920.

1.
Alte Linde bei der heil’gen Klamm,
Ehrfurchtsvoll betast’ ich deinen Stamm:
Karl den Großen hast du schon gesehen,
Wann der Größte kommt, wirst du noch stehen.

Daß es sich hierbei nur um einen fingierten Vorgesang handelt, zeigt die Tatsache, daß dieser ehemals mächtige, aber schon lange kranke Baum in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts endgültig zusammenbrach. Einige Reste sind seit 1998 im örtlichen Museum zu sehen.

2.
Dreißig Ellen mißt dein grauer Saum,
Aller deutschen Lande ältster Baum!
Kriege, Hunger schautest, Seuchennot,
Neues Leben wieder, neuen Tod.

3.
Schon seit langer Zeit dein Stamm ist hohl,
Roß und Reiter bargest einst du wohl,
Bis die Kluft dir deckte milde Hand,
Breiten Reif um deine Stirne wand.

Hingerl führte zur zweiten Zeile aus: „Die Höhlung des Baumes war so groß, daß Marschall Berthier, der einige Zeit auf Schloß Banz weilte, hineinreiten und darin sein Pferd wenden konnte.“

Das ist ein Hinweis, daß zum Zeitpunkt des Dichtens Erhaltungsmaßnahmen an dem uralten Baume bereits durchgeführt worden waren. Ein Vergleich mit historischen Darstellungen des Baumes dokumentiert den Verfall. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit bildet in seiner Datenbank ein Bild der Linde von 1900 ab:

[image]

Bereits damals war der Stamm so weit verfallen, daß er mit Stangen oder Seilen gesichert werden mußte. In der zweiten Auflage des Liedes von 1925, schreibt Martin Hingerl zudem als Kommentar: „Um den Baum vor baldigem Untergang zu schützen, hat der Verschönerungsverein Staffelstein zu Anfang dieses Jahrhunderts die Höhlung ausmauern, den Stamm oben mit einem Eisenband umgeben und den Zugang durch ein Gitter schützen lassen.“ Somit ist klar, daß der Vorgesang des Liedes nicht vor 1900 entstanden sein kann. Die Abbildung paßt überdies zum 4. Vers, in dem die Gestalt des Baumes geschildert wird.

4.
Bild und Buch nicht schildern deine Kron’
Alle Aeste hast verloren schon
Bis zum letzten Paar, das mächtig zweigt,
Blätterfreudig in die Lüfte steigt.

5.
Alte Linde, die du alles weißt,
Teil uns gütig mit von deinem Geist,
Send ins Werden deinen Seherblick,
Künde Deutschlands und der Welt Geschick!

6.
„Großer Kaiser Karl, in Rom geweiht,
Eckstein sollst du bleiben deutscher Zeit:
Hundertsechzig Siebenjahre Frist –
Deutschland bis ins Mark getroffen ist.

Das sind 160 x 7 Jahre, also 1120. Als Eckstein bietet sich bei Karl dem Großen dessen Krönung im Jahre 800 an. Beide Zahlen addiert ergeben 1920. Am 10. Januar dieses Jahres trat der Vertrag von Versailles in Kraft, der für Deutschland eine bis dahin beispiellose Schwächung darstellte. Diese Deutung wird auch von Martin Hingerl in seinem Kommentar des Liedes genannt. Es handelt sich um die Beschreibung des zeitgenössischen politischen Geschehens und ist das früheste Ereignis, auf welches sich das Lied beziehen läßt.

7.
Fremden Völkern frohnt dein Sohn als Knecht,
Tut und läßt, was ihren Sklaven recht.
Grausam hat zerrissen Feindeshand
Eines Blutes, einer Sprache Band.

Der Vers knüpft an den vorherigen an und ist Gegenwartsbeschreibung von 1920. Er bezieht sich laut Hingerl auf die Unterdrückung der Deutschen in den verlorenen Gebieten im Osten, wo der polnische Korridor entstanden war, der Ostpreußen abtrennte. Ebensogut paßt der Vers auf die Bundesrepublik und das geteilte Deutschland, das von den Besatzern geplündert und der Eigenständigkeit beraubt wurde.
Hingerl gibt in der zweiten Auflage 1925 zum Stichwort „Sklaven“ an: „die farbige Besatzung“ und meint damit vermutlich koloniale Angehörige der französischen Armee, die 1923 das Ruhrgebiet besetzte. Es könnte auch allgemein bedeuteten, daß Deutschland durch die Sieger auf den Stand von Sklaven herabgesetzt wurde, sowohl in Weimar (wegen der Reparationen), als auch in der BRD.

8.
Zehr o Magen, zehr von Deutschlands Saft,
Bis mit seiner endet deine Kraft:
Krankt das Herz, siecht ganzer Körper hin, –
Deutschlands Elend ist der Welt Ruin.

Dieser Vers ist ohne bekannte Vorlage. Er könnte ebenfalls Gegenwartsbeschreibung sein oder sich auf die heutige BRD beziehen, deren Situation im Grunde eine Verschärfung der ersten Republik bedeutet. In letztem Falle könnte die Vorlage eine Schau unbekannter Herkunft sein. Hingerl bezog es jedenfalls auf seine Gegenwart.

9.
Ernten schwinden, doch die Kriege nicht,
Und der Bruder gegen Bruder ficht;
Mit der Sens’ und Schaufel sich bewehrt,
Wenn verloren gingen Flint’ und Schwert.

Die hier beschriebene Situation läßt sich wie in der vorherigen Vers auch auf unsere Zeit beziehen, wenn man eine unbekannte Seherschau als Vorlage annimmt. Die zweite Zeile könnte sogar die deutsche Teilung nach dem zweiten Weltkrieg meinen. Mit den letzten beiden Zeilen könnten die heute stark reduzierte Bundeswehr und die strengen Waffengesetze für Zivilisten gemeint sein, die eine weitgehende Entwaffnung der Bevölkerung bedeuten. Bei einem künftigen Volksaufstand würde sich die Bevölkerung teils mit behelfsmäßigen Waffen ausrüsten (illegale Waffen mal außen vor gelassen). Aus Sicht von 1920 ergibt sich ein Bezug zur Beschränkung der Reichswehr auf 100.000 Soldaten, wenngleich dies – auch in Hinsicht auf die entstandenen Freikorps – keine Entwaffnung war. Konkret könnte auch der Ruhraufstand im März 1920 gemeint sein, der von Freikorps niedergeschlagen wurde. Die Aufständischen konnten dabei jedoch auf Gewehre zurückgreifen.

10.
Arme werden reich des Geldes rasch,
Doch der rasche Reichtum wird zu Asch:
Aermer alle mit dem größern Schatz,
Minder Menschen, enger noch der Platz.

Mit diesem Vers liegt zweifellos Präkognition aus unbekannter Quelle vor. Allerdings kommen mehrere Bezüge in Frage: Erstens könnte die Hyperinflationszeit der Jahre 1922 und 23 gesehen worden sein. Die ungeheure Größen erreichenden Beträge mögen wie wachsender Reichtum gewirkt haben. Tatsächlich wurden durch das an Wert verlierende Geld nur alle ärmer. Zweitens könnte das heutige auswuchernde Kreditgeld gemeint sein, das zwar einen gewissen Wohlstand ohne Arbeit ermöglicht, quasi Wachstum auf Pump, beim zwangsläufig erfolgenden Zusammenbruch infolge der Überschuldung jedoch Volkswirtschaften in den Notstand reißt. Die letzte Zeile ist rätselhaft: Hier sind entweder Bestimmungen des Versailler Vertrages gemeint, denn das Reich verlor damals 13 % seines Gebietes und 10 % der Bevölkerung, oder es wurden die weitaus größeren Verluste an Land und Volk durch Krieg, Abtrennung der Ostprovinzen und Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg, als die Bevölkerung auf dem kleineren Staatsgebiete enger zusammenrücken mußte, vorhergesehen.
Hingerl bezieht den Vers auf die Papiergeldaufblähung 1923, die erst bei 12 Nullen Halt gemacht habe. Entsprechend stünden vor „Asch“ zwölf Wörter.

11.
Da die Herrscherthrone abgeschafft,
Wird das Herrschen Spiel und Leidenschaft,
Bis der Tag kommt, wo sich glaubt verdammt,
Wer berufen wird zu einem Amt.

Die Entwicklung von Republiken wurde hier in Kürze und treffend – aber nicht zwingend präkognitiv – zusammengefaßt: Demokratie ist nach Spengler das politische Werkzeug des Geldes. Mit Fortgang der Zeit wächst die Entartung ihrer Vertreter. Ging es Anfangs noch um Ideale und Parteiprogramme, so treten an deren Stelle Diäten und die Interessen der Wirtschaft. Die Wahlen werden zu einem Akt der Selbstbestätigung der Parteien über die gleichgeschaltete Masse. Die Kabinettsbildung wird ein Roulette von Ämtern und Prestige – mehr Spiel als Herrschaft, an der Fassade mehr Schauspiel als Politik. Wie alles Künstliche gehen solche Epochen an sich selbst zugrunde. Ob das Geschehen der letzten beiden Zeilen, das wahrscheinlich (vielleicht zufällig) der Endphase der BRD entspricht, vorausgeahnt oder gesehen wurde, ist unklar.

12.
Bauer kaisert bis zum Wendetag,
All sein Mühn – ins Wasser nur ein Schlag:
Mahnerrede fällt auf Wüstensand,
Hörer findet nur der Unverstand.


Klar ist, daß die Republik gemeint ist, weil der Bauer anstelle des Kaisers gesetzt wurde. Das gemeine Volk müht sich bis zum Wendetag, dem Ende der Republik, für die Geldmächte ab, die den Menschen eine heile Scheinwelt vorgaukeln, gegen die jede Warnung vor den Zuständen wie Staub verweht. Der Unverstand regiert, der reine Wunsch, wie die Welt zu sein hat, im Gegensatz zum wahren Charakter dieser Herrschaftsform.

13.
Wer die allermeisten Sünden hat,
Fühlt als Richter sich und höchster Rat. –
Raucht das Blut, wird wilder noch das Tier,
Raub zur Arbeit wird und Mord zur Gier.

An den Vorvers anknüpfend wird hier die Entartung im liberalen System beschrieben. In Gerichte und Verwaltung hält Korruption und Vetternwirtschaft Einzug. Geurteilt wird nach ideologischen und pseudomoralischen Gesichtspunkten. Ein Verfall der Form nicht nur im Staate, sondern im Leben allgemein: Jeder trachtet, den anderen zu übervorteilen; Geringschätzung des Lebens.

14.
Rom zerhaut wie Vieh die Priesterschar,
Schonend nicht den Greis im Silberhaar
Ueber Leichen muß der Höchste fliehn
Und verfolgt von Ort zu Orte ziehn.

Ab diesem Vers lassen sich Vorlagen in anderen Prophezeiungen nach Konzionator (1920) ausmachen:
Z. 2 und 4: Johann vom gespaltenen Felsen: „Zur Zeit dieser furchtbaren Drangsale wird der Papst mit seinen Kardinälen von seinem Sitze fliehen und in Kummer und Trauer leben; er wird sich nur an einem Orte, wo man sie nicht kennt, einer kleinen Ruhe zu erfreuen haben.“
Z. 3: Pius X.: „Ich sah meinen Nachfolger über die Leichen meiner Brüder fliehen.“

15.
Gottverlassen scheint er, ist es nicht;
Felsenfest im Glauben, treu der Pflicht,
Leistet auch in Not er nicht Verzicht,
Femt den Gottesstreit vors nah’ Gericht.

Vorlagen laut Hingerl:
Z. 2. Malachias: „Fides intrepida“, übersetzt mit „unerschrockener Glaube“ für Pius XI. (1922 – 1939).
Z. 4. Lehninsche Weissagung: „Israel infandum scelus audet, morte piandum“, übersetzt mit: „Der Streit gegen Gott unternimmt ein abscheuliches Verbrechen, das mit dem Tode gebüßt wird.“
Das Wort „femen“ in der vierten Zeile geht auf die mittelalterlichen Femegerichte zurück, womit die Versammlung aller zur gleichen Gerichtsbarkeit gehörenden freien Männer gemeint war. Die Urteile wurden im geheimen gefällt und lauteten entweder auf Freispruch oder Tod. Später stand das Wort für „verurteilen“ und „strafen“ durch einen Henker. In der Weimarer Republik waren Fememorde auf Selbstjustiz basierende Morde politischer Untergrundbewegungen. Es bezieht sich hier wohl darauf, daß der Papst, jeder irdischen und kirchlichen Machtbasis beraubt, seine Stellung allein und nur durch das nahende Strafgericht Gottes geltend machen kann.
Hingerl schreibt als Kommentar, „femt = lädt“, was nicht den Eindruck erweckt, daß ihm die Bedeutung des Wortes klar gewesen wäre.

16.
Winter kommt, drei Tage Finsternis,
Blitz und Donner und der Erde Riß.
Bet daheim, verlasse nicht das Haus,
Auch am Fenster schaue nicht den Graus!

Z. 2. Vorlage unbekannt. Die bekannten Rißaussagen sind alle jünger. Nur Marie-Julie Jahenny sagte bereits 1881:
„Was sich angehäuft hat, wird rasch nacheinander folgen: Blitze, Schreckenszeichen, Spaltung der Erde und ein Firmament mit unverständlichen Phänomenen für den menschlichen Geist.“
Aber es ist unwahrscheinlich, daß der Verfasser die Frau schon kannte.

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1: Maria Taigi: „Es wird über die ganze Erde eine dichte Finsternis kommen, die drei Tage und drei Nächte dauern wird“ (Für „Winter“ gibt es allerdings auch keine Vorlage.)
Z. 3: Maria Taigi: „In diesen drei Tagen sollen die Leute in ihren Häusern bleiben, den Rosenkranz beten und Gott um Erbarmen anflehen.“
Z. 4: Maria Taigi: „Wer während dieser Finsternis aus Neugierde das Fenster öffnet und hinausschaut oder aus dem Hause geht, wird auf der Stelle tot hinfallen.“

17.
Eine Kerz, die ganze Zeit, allein
Gibt, wofern sie brennen will, dir Schein.
Gift’ger Odem dringt aus Staubesnacht:
Schwarze Seuche, schlimmste Menschenschlacht!

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1: Maria Taigi: „Nur geweihte Kerzen werden sich anzünden lassen und Licht spenden.“
Z. 3: Maria Taigi: „Die Luft wird verpestet sein durch die Dämonen, die in greulichen Gestalten erscheinen werden.“

18.
Gleiches allen Erdgebornen droht,
Doch die Guten sterben sel’gen Tod;
Viel Getreue bleiben wunderbar
Frei von Atemkrampf und Pestgefahr.

Vorlage nach Konzionator:
Z. 3 und 4: Maria Taigi: „Ferner wird die Finsternis mit Verpestung der Luft verbunden sein, die zwar nicht ausschließlich, aber hauptsächlich die Feinde der Religion hinwegraffen wird.“ „Alle offenen und geheimen Feinde der Kirche werden während der Finsternis zugrunde gehen. Nur einige, die Gott bekehren will, werden am Leben bleiben.“

19.
Eine große Stadt der Schlamm verschlingt,
Eine andere mit dem Feuer ringt.
Alle Städte werden totenstill,
Auf dem Wiener Stephansplatz wächst Dill.

Z. 1 und 2: Vorlage unbekannt. Kugelbeer war allerdings Zeitgenosse Hingerls und kann mit einer passenden Stelle aufwarten: „Brand von Paris. Marseille wird von der Finsternis von einer Meeresflut in einen tiefen Graben, der sich um es gebildet hat, geschwemmt.“
Daß Hingerl und Kugelbeer über irgendeine Ecke bekannt waren, ist zumindest möglich.

Vorlage nach Konzionator:
Z. 3 und 4: Ludovico Rocco: „Es wird veröden und die großen Paläste werden leerstehen. Am Stephansplatz in Wien wird Gras wachsen“

20.
Zählst du alle Menschen in der Welt,
Wirst du finden, daß ein Drittel fehlt, –
Was noch übrig, – schau in jedes Land –
Hat zur Hälft verloren den Verstand.

Vorlage nach Konzionator:
Z. 2: Johannesoffenbarung (Off. 9, 15): „vier Engel ‚gerüstet sind, auf Stunde, Tag, Monat und Jahr, zu töten den dritten Teil der Menschen“

21.
Wie im Sturm ein steuerloses Schiff
Preisgegeben einem jeden Riff,
Schwankt herum der Eintagsherrscherschwarm,
Macht die Bürger ärmer noch als arm.

22.
Denn des Elends einz’ger Hoffnungsstern –
Eines bessern Tages – ist endlos fern.
„Heiland sende, den du senden mußt“,
Tönt es angstvoll aus der Menschenbrust.

Vorlage nach Konzionator:
Z. 3: Konzionator zitiert das Gebet eines zeitgenössischen französischen Ordensmannes (ohne einen Namen zu nennen): „Sende, o Herr, den du uns senden willst!“

23.
Nimmt die Erde plötzlich andern Lauf?
Steigt ein neuer Sonnenstern herauf?
„Alles ist verloren!“ – hier noch klingt,
„Alles ist gerettet!“ – Wien schon singt.

Z. 1: Vorlage unbekannt. Vielleicht Nostradamus im Brief an Heinrich II.

Vorlage nach Konzionator:
Z. 3 und 4: Pater Nectou: „In dem Augenblicke, wo man alles für verloren halten wird, wird alles gerettet sein.“

24.
Ja von Osten kommt der starke Held,
Ordnung bringend der verwirrten Welt,
– Weiße Blumen um das Herz des Herrn –
Seinem Rufe folgt der Wackre gern.

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1: Bartholomäus Holzhauser: „Endlich wird jener überaus tapfere von Gott gesandte Mann erscheinen aus dem Osten.“
Z. 3: Aussagen über die weißen Blumen werden von Konzionator mehrere zitiert, stellvertretend dafür zitiere ich Rosa Asdente: „[…] als die weiße Blume, Lilie, den Thron von Frankreich besteigen wird.“

25.
Alle Störer er zum Barren treibt,
Deutschem Reiche deutsche Rechte schreibt.
Bunter Fremdling, unwillkomm’ner Gast,
Flieh die Flur, die nicht gepflügt du hast.

Vorlage nach Konzionator:
Z. 3 und 4: Lehninsche Weissagung: „Die Mark, ihre alten Leiden völlig vergessend, nährt treulich ihre Kinder, nicht freut sich der Fremdling.“

26.
Gottesheld, ein unzerbrechlich Band
Schmiedest du um alles deutsche Land!
Den Verbannten führest du nach Rom,
Große Kaiserweihe schaut ein Dom.

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1 und 2: Ludovico Rocco: „Die deutschen Länder Österreichs werden sich an Deutschland anschließen und fest zusammenhalten. Die Handelsstädte Belgiens, Holstein und Schleswig, auch die Schweiz werden sich an Deutschland anschließen.“
Z. 3: Don Bosco: „[…] der Papst aus Rom fliehen und ein fremder Herrscher den Papst nach Rom zurückführen werde.“

Vorlage laut Hingerl für die Verse 23 - 26:
Lehninsche Weissagung: „Und der Hirt erhält die Herde wieder und Deutschland den König.“

27.
Preis dem einundzwanzigsten Konzil,
Das den Völkern weist ihr höchstes Ziel
Und durch strengen Lebenssatz verbürgt,
Daß nun Reich und Arm sich nicht mehr würgt.

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1 bis 4: Konzionators Deutung der Johannesoffenbarung (Off. 10, 2): „Das geöffnete Büchlein in seiner Hand bedeutet, daß unter seinem Schutze die größte Kirchenversammlung, also das 21. Konzil abgehalten werden wird, dessen Verordnungen mit aller Strenge werden durchgeführt werden.“ OrdensSchwester Nativitas: „[…] bemerkte, daß unter seiner Regierung ein großes Konzil abgehalten wird.“
Lorenzo Ricci: „Er wird in einer Versammlung von Männern, die in der Kirche durch Frömmigkeit und Weisheit ausgezeichnet sind, mit Hilfe des Papstes neue Gesetze und Ordnungen einführen, während er jenen Geist der Verwirrung in Banden legt und unsere Gesellschaft wiederherstellt.“

28.
Deutscher Name, der du littest schwer,
Wieder glänzt um dich die alte Ehr,
Wächst um den verschlung’nen Doppelast,
Dessen Schatten sucht gar mancher Gast.

Der „verschlungene Doppelast“ geht wie Vers 26 auf Ludovico Rocco mit der Aussage über die Vereinigung Deutschlands und Österreichs zurück. Daß Deutschlands Ehre wieder hergestellt werde, ist entweder die Erwartung Hingerls oder geht auf eine unbekannte Prophezeiung zurück.

29.
Dantes und Cervantes’ weicher Laut
Schon dem deutschen Kinde ist vertraut,
Und am Tiber- wie am Ebrostrand
Singt der braune Freund von Herrmanns Land.

Der Vers behandelt aus Sicht der 1920er mit hoher Wahrscheinlichkeit Zukünftiges: Dante und Cervantes stehen für Italien und Spanien. Deren Sprachen sind bereits deutschen Kindern vertraut, weil sie mit ihren Eltern an den dortigen Stränden sind, nämlich sonnengebräunt. Hier wird der Massentourismus vorausgesagt, der erst seit den 1950er entstand.
Dieses Bild paßt nicht in den inhaltlichen Verlauf des Liedes. Hingerl schreibt nur kurz: „Der Verkehr zwischen Deutschland, Italien und den spanischsprechenden Völkern wird besonders freundschaftlich.“ Damit geht er jedoch nicht im geringsten auf die einzelnen Zeilen ein, als ob er mit ihrer Deutung selbst Schwierigkeiten hätte. Die Quelle dieses Verses ist unbekannt.

30.
Wenn der engelsgleiche Völkerhirt
Wie Antonius zum Wandrer wird,
Den Verirrten barfuß Predigt hält,
Neuer Frühling lacht der ganzen Welt.

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1: Malachias: „Die Rückkehr Deutschlands zur kath. Kirche dürfte sich vollziehen unter dem Papste, der vom hl. Malachias (1139) als ‚pastor angelicus, engelsgleicher Hirt’ angekündigt wurde“ (Wird auch von Hingerl genannt.)
Z. 3: Johann Vatiguerro: „Er wird barfuß predigen.“

31.
Alle Kirchen einig und vereint,
Einer Herde einz’ger Hirt erscheint.
Halbmond mählich weicht dem Kreuze ganz,
Schwarzes Land erstrahlt im Glaubensglanz.

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1 und 2: Lorenzo Ricci: „Dann wird überall wieder eine Herde und ein Hirt sein, welcher der Welt und allen, die guten Willens sind, Frieden verleihen wird in der Anbetung Gottes unseres Herrn.“
Z. 3: Dionysius von Lützelburg: „[…] daß er […] den Türken aufs Haupt schlage, ihm sein Reich abnehme und es wieder der Christenheit zurückgebe“
Z. 3 und 4: Ludovico Rocco: „In Konstantinopel wird das Kreuz an die Stelle des Halbmondes treten.“ „Von den Türken sagt er, daß sie […] aus Europa vertrieben würden, worauf die Türken in Nordafrika Zuflucht suchen und zum katholischen Glauben übertreten werden.“

32.
Reiche Ernten schau ich jedes Jahr,
Weiser Männer eine große Schar,
Seuch’ und Kriegen ist die Welt entrückt:
Wer die Zeit erlebt, ist hochbeglückt.

Vorlagen nach Konzionator:
Z. 1: La Salette: „Maria bemerkte damals, daß in jener Friedenszeit 25 Jahre hindurch sehr gute Ernten sein werden“
Z. 2: Bartholomäus Holzhauser: „Es wird dann viele Gerechte und sehr gelehrte Männer geben“

33.
Dieses kündet deutschem Mann und Kind,
Leidend mit dem Land die alte Lind’
Daß der Hochmut mach’ das Maß nicht voll,
Der Gerechte nicht verzweifeln soll.“

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


gesamter Strang:

RSS-Feed dieser Diskussion