Jahenny bei Irlmaier und weitere Fachsimpelei (Vorsorge & Überlebenstechniken)

randomizer, Montag, 27. Februar 2017, 17:29 (vor 1012 Tagen) @ Sagitta4206 mal gelesen
bearbeitet von randomizer, Montag, 27. Februar 2017, 17:52

Hierzu ein Beispiel. Bei Jahenny kommt die Katastrophe im Winter [...]

Jahenny: Je viendrai sur le monde pécheur, dans un terrible roulement de tonnerre, par une froide nuit d’hiver. Un vent du sud très chaud précédera cette tempête, et de lourds grêlons fouilleront la terre.

Hallo Sagitta,

Marie Julie Jahenny als Irlmaier-Vorlage ist ja unstrittig, Irlmaier hat aber wohl kaum im französischen Original (EA 1905, ²1934) gelesen, sondern kennt Jahenny sicherlich aus einer deutschsprachigen Anthologie, vermutlich von hier (rötlich markierter Textabschnitt):

[image]

Übrigens finden sich hier im Thread brilliante Resumées von BBouvier und Taurec, trotzdem schreibt ihr im Detail manchmal leider auch Unsinn, hier ein paar Kleinigkeiten:

Taurec schreibt z.B.: "[Irlmaiers] Flutaussagen ragen aus seinen restlichen Schwadronaden aus Verarbeitung des Prophezeiungs-Endzeitszenarios heraus. Mir ist hierzu keine Vorlage bekannt."

Irlmaiers Nordseeflut ist gewiss angelesen, Beispiele solchen Materials hatten wir hier doch gerade vor ein paar Monaten.

BBouvier schreibt: "Da hat beim Abschreiben der Volkssage "Sibylle von Prag" (Angebliche Weissagung von 1226! *hehe*) das Fälscherduo Irlmaier-Adlmaier wohl wieder mal einfach nicht nachgedacht."

BB meint sicher die "Sibylle Michalda", nicht die "Sibylle von Prag" (das sind völlig verschiedene Texte). Sibylle von Prag ist auch keine Volkssage, sondern rein literarisch. Sibylle Michalda ist ursprünglich ebenfalls rein literarisch, durch die weite Verbreitung drangen deren Motive aber ab 1850 in Böhmen und Bayern teils in den Volksmund ein, so daß man dort schon von einer späten Form der Volkssage sprechen kann.
Fehl am Platz ist jedoch in diesem Fall BBs Kritik an Irlmaier, da der entsprechende Text doch erst 30 Jahre nach Irlmaiers Tod lanciert wurde und beide (Adlmaier und Irlmaier) mit dieser ominösen Quelle doch gar nichts zu tun haben, was ich letztes Jahr bereits betonte.

Sagitta, Du verweist auf die angebliche Emrich-Rill-Connection, die - unplausibel und an den Haaren herbeigezogen - die Feldpostbriefe relativieren soll und stellst schonmal eine Pulle Sekt kalt, für den "Tag der Dekonstruktion der Feldpostbriefe".
Woher kommt Deine Sehnsucht, Rills Feldpostbriefe (überkritisch) madig zu machen, während Du in Sachen Irlmaier (unkritisch) nach jedem welken Strohhalm greifst, um ihm doch noch irgendwie authentische Schauungen zuzugestehen?

Dabei bin ich grundsätzlich ja sogar offen für Kritik an Rill und den Feldpostbriefen und habe solche ja auch schon selbst vorgetragen, mein Fazit seinerzeit:

"Diese wenigen Fragmente [Einschübe], die sich sehr gut aus der Literatur oder dem Volksmund eingeschlichen haben können, stellen die einzigartige Qualität der Feldpostbriefe imho nicht in Frage."

Auch wenn ich Einschübe annehme (die vielleicht nicht mal vom prophetischen Elsässer selbst stammen, sondern die vielleicht sogar erst im Dialog von dem neugierigen/vorbelesenen Offizier ins Gespräch eingestreut wurden) und ich die Feldpostbriefe von dieser Seite vorsichtig kritisiere, so halte ich die Briefe dennoch für authentisch und echt aus dem Jahr 1914. Du hingegen versuchst, bei jeder kleinen Kritik gleich eine Fälschung von ~1953 zu postulieren, wofür es in Wirklichkeit aber keinerlei Anhaltspunkte gibt (außer dem verblüffenden Inhalt, der generell sicher ex-eventu-verdächtig wäre, wenn die erhaltenen Original-Briefe nicht jeden Zweifel zerstreut hätten).

Viele Grüße an alle!
randomizer


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