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Ein zu enger Horizont (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 21. Februar 2017, 16:15 (vor 1375 Tagen) @ Baldur5697 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Dienstag, 21. Februar 2017, 17:48

Hallo!

Die falschen Grundannahmen sind doch die folgenden:

1. Endzeitliche Naherwartung: Das Ganze stünde unmittelbar bevor und in ein paar Jahren wäre es durchgestanden. Da es sich hierbei lediglich um die fixe Idee der anbrechenden magischen Kultur zur Zeit der Zeitenwende handelt, die seit 2000 Jahren in Endlosschleife läuft, gibt es keinen Grund, dieser Naherwartung mit Messiasvorstellungen Wirklichkeit zuzubilligen.

2. Militär = böse. Sobald die Russen hier auftauchen, würde gemordet und gebrandschatzt werden, was das Zeug hält, denn für eine Armee zählt nichts weniger als militärischer Erfolg und nichts mehr als ein Land so zu vernichten, daß es einem selbst nichts mehr nutzt.

3. Die Atmosphäre würde während der Finsternis absolut giftig werden, nach drei Tagen wundersamer Weise aber wieder atembare Luft enthalten. Ursprung sind diverse unkritisch geglaubte Aussagen aus christlicher Endzeitprophetie und Überlegungen, die sich daraus ergeben: draußen gingen Dämonen um, alle Ungläubigen stürben usw. In einer Caldera- oder Impaktregion oder während eines Steinehagels oder Säureregens würde ich nicht draußen sein wollen. In vielen Regionen sollten sich Aschen, Stäube, Gase usw. aber derart in der Atmosphäre verdünnen, daß draußen sich aufzuhalten kein Todesurteil ist.

Die bauen sich dann luftdichte Keller mit Säcken Chemikalien zur CO2-Bindung aus der Atemluft und stapeln blockweise schwarzes Papier, weil Irlmaier und irgendwelche mystischen Nonnen des 19. Jahrhunderts das empfehlen.
Diese strikten Vorkehrungen, die genau auf unhinterfragte religiöse Prophezeiungen abgestimmt sind, sind überflüssig oder gar schädlich, weil sie Kräfte und Ressourcen an der falschen Stelle binden, die sinnvoller eingesetzt wären.

Wirklich übel sind Phantasien, in denen davon ausgegangen wird, man könne mit ein paar Säcken Saatguts, aber ohne Erfahrung nahtlos vom zivilisatorischen Zusammenbruch in Landwirtschaft übergehen. Solche Leute zählen zu den ersten, die verhungern.
Der Bär macht es eigentlich richtig, indem er bereits jetzt das Leben (zumindest annäherungsweise) antizipiert, das er danach zu leben gedenkt, und zwar nicht weil ihm Prophezeiungen mit dubiosem Zeithorizont dies weismachen, sondern (so hoffe ich) aus innerer Überzeugung hinsichtlich des richtigen Lebens, das mit der Zivilisation nicht vereinbar ist. So ist man auch gefeit vor der notwendigen Enttäuschung, wenn das Naherwartungswunschszenario zu Lebzeiten nicht eintrifft. Mit Glück, aber das ist heutzutage vielleicht schon zu viel verlangt, kann man den Stab an die Nachkommen weitergeben, die von den Vorbereitungen profitieren, wenn der Flaschenhals des Zusammenbruchs dereinst wirklich auftritt.

Die dringlichen Gefahren sind ganz andere: Massenzuwanderung und Aussterben der Europäer mit ihrer Kultur, Zusammenbruch der staatlichen Institutionen und der technischen Moderne, damit verbunden Hungersnöte, Bürgerkrieg, Staaten- und Gesetzlosigkeit. Daran droht man zugrundezugehen, noch ehe die ersten Impaktoren am Horizont vielleicht mal auftauchen.
Die meisten hier im Forum werden den Wendepunkt (angenommen, das Abendland verschwindet nicht ersatzlos) wohl nicht mehr erleben, ich mit viel Glück vielleicht in BBs Alter. Die Anstrengungen können sich folglich nicht darauf richten, sich selbst zu retten. Es muß darum gehen, eine überschaubare Gemeinschaft mit einer geistigen Tradition zu finden oder zu schaffen, die in der Lage ist, die Widrigkeiten der Zivilisation – der eigentlichen Großkatastrophe der Menschheit – zu überstehen sowie den finalen Krach, wenn das morsche Gebäude dereinst die letzte Stabilität einbüßt. Ziel muß es sein, die Nachkommen als Träger der eigenen Lebensart, seien sie biologisch oder nach dem Adoptionsprinzip eingemeindete Wahlverwandtschaften, durchzubringen unter dem Aspekt, daß wir nicht wissen, welche der kommenden Generationen die Talsohle am Ende des Abstiegs erleben wird. Das Ganze wird womöglich mehr die Gestalt einer europäischen Diaspora in den eigenen Heimatländern annehmen, mit unbekanntem Endpunkt.

Es ist nicht damit getan, Schutzräume zu bauen und Fluchtrucksäcke mit zwei Laiben Brot zu packen, die einem während des achtwöchigen Feldzuges mit anschließender Finsternis das Verhungern verhüten, bis dann übergangslos die Sonne wieder scheint. Solche Vorbereitungen vergehen mit der Person, an die sie gebunden sind, und die schlimmstenfalls ihr Leben in einem vermeidbaren Wahn vergeudet.

Früher gabs mal einen Mitforisten (Otto?), der einen eigenen Schutzraum hatte. Ich vermute, er braucht ihn nicht mehr, weil er nicht mehr lebt, sondern schon im Erdmöbel wohnt. Er verwies z.B. auf das Kondenswasserproblem.

Doch, der schreibt noch im Gelben als Ottoasta und war vor ein paar Jahren auf dem Forumstreffen (als die noch im Norden stattfanden).

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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