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Kurz rübergeholt: Schauungen/Prophezeiungen, Unterstellungen (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 22. Februar 2017, 23:43 (vor 1375 Tagen) @ Baldur5252 mal gelesen

Hallo!

Kurz herübergeholt, weil ich dort auf dem inquisitorischen "Index Scriptorum Prohibitorum" der exkommunizierten Unwürdigen stehe. ;-)

Eben schrieb dort jemand:

Warum gibt es ein Weltenwendeforum, wenn sie an praktisch keine Vision glauben???
Sie führen die Schauungen mit ihren “Zerpflückungen“ ad absurdum!

Ihre Schauungssammlung ist eine der besten und vollständigsten im deutschspachigen Raum....wozu haben sie diese zusammengestellt und belassen sie diese noch sogar online, wenn andererseits an nichts mehr diesbezüglich geglaubt wird?

Daß sie die losen Enden des Gedankengangs nicht schlüssig verbunden bekommt, zeigt schon, daß etwas mit dem Urteil nicht stimmen kann.

1. "Wir". ⇒ Per Sippenhaft landet eine ganze Palette Schreiber auf der Anklagebank.
Anders als dort gibt es hier aber keine Weltanschauungsedikte, die zu einer erzwungenen Verengung und Vereinheitlichung der Anschauungen führen. Prinzipiell darf jeder hier schreiben, solange er sich sachlich und vernünftig äußern kann (Grundvoraussetzung!). Daß sich damit ein Teil der Menschheit sowie grundsätzlich unsinnige Ideen und Themen von vornherein ausschließen, weil sie nicht schlüssig darstellbar sind und schnell in blinden Glauben abdriften, versteht sich von selbst. Sicheres Kennzeichen: Deren Vertreter werden allzu schnell persönlich, wenn man sie auf die Löcher in ihren Ansichten aufmerksam macht. Das hatten wir hier schon oft.
Wenn man dieser Prämisse strikt folgt, wird Unsinn zielsicher ausgesiebt.
Auf der anderen Seite möge es ein Ansporn sein, seine Ansichten festzuzurren und belastbar zu machen.

2. Es werden hier nicht "keine Visionen" geglaubt, sondern durchaus berechtigterweise bezweifelt, ob alte Texte überhaupt Visionen enthalten.
Wenn man nicht kapiert, daß Schauungen/Visionen einerseits und Prophezeiungen andererseits zwei grundverschiedene Dinge sind, hat man allerdings ein Problem, weil einem notwendiges Grundrüstzeug zur sinnvollen Analyse fehlt. Zum prinzipiellen Unterschied siehe hier.
Prophezeiungen sind reine Wortaussagen, die aus individuellem Glauben, Meinungen, abgeschriebenen Aussagen aus anderen Texten und möglicherweise einem minimalen Anteil echter Schauungsfragmente bestehen. Das kann nicht oft genug wiederholt werden, weil es offenbar auch nicht oft genug ignoriert werden kann!
Schauungen, bzw. Schauungsberichte sind beschreibende Berichte existierender Seher, die (idealerweise) nach Wahrnehmung und Interpretation trennen.
Die Personen, denen Prophezeiungen zugeschrieben werden, sind mit steigenden Alter als echte Personen nicht nachweisbar, und die Autoren der Texte sind im Regelfall gar keine Seher. ⇒ Ein gänzlich anderer Sachverhalt als bei Schauungen/Schauungsberichten!
Der Unterschied zwischen beidem (Prophezeiung, Schauungsbericht) ist – mit einigermaßen freiem Blick – meines Erachtens mit Leichtigkeit und auf Anhieb erkennbar, wenn einem ein solcher Text präsentiert wird.

Wenngleich es beim Sehen verschiedene Grade der Verfälschung und Fremdbeeinflussung gibt, glaube ich natürlich an die Existenz der Präkognition, und daß manche oder viele der Schauungen irgendwann eintreffen können.
Ansonsten wäre das Forum hier ja sinnlos.

Niemals wurde hier jemand, der einen Traum oder eine Schauung zum Besten gab, deswegen platt gemacht (anders als Verbohrte immer wieder behaupten); auch eFisch nicht, der berechtigterweise auf Probleme seiner Wahrnehmungen aufmerksam gemacht wird, die ihm ja sogar selbst klar sind!

Dem entsprechend fallen die Qualitätsbewertungen in der Quellensammlung systematisch bei Berichten zeitgenössischer Seher günstiger aus als bei älteren Texten. Darin spiegelt sich nichts anderes wieder, als ich oben schrieb.

Die überlieferten Prophezeiungen sind in der Regel nicht zuverlässig. Der Übergang zu Schauungen existenter Seher ist fließend. Er beginnt etwa bei den Feldpostbriefen und reicht mindestens bis zum Waldviertler. Erstere sind eine Prophezeiung mit offenbar größeren Schauungsanteilen. Der Waldviertler hatte Schauungen, die er stark durch Selbstinterpretation und Prophezeiungslektüre verfälscht hat.

Da die älteren Prophezeiungen überwiegend nicht verläßlich sind, muß unser Schwerpunkt eigentlich darauf liegen, so viele neue Schauungen wie irgend möglich zu sammeln. Nur mit viel Material läßt sich ordentlich sortieren und Muster erkennen, die zu weiterer Erkenntnis und besserem Wissen über Schauungen und die Zukunft führen.

Das wird natürlich erschwert, wenn Leute, die blind und undifferenziert alles glauben, sämtlich über einen Kamm scheren, was sorgfältig differenziert werden muß, und letztere Bestrebungen völlig am Problem vorbei als Ungläubigkeit hinstellen.

Gruß
Taurec

P.S.: Die hier angesprochene Problematik hat noch nicht mal primär mit dem Christentum zu tun, weil darin Endzeitglaube nur eine Sparte/Spielart ist. Es hat wenig Sinn, hier das Kind mit dem Bade auszuschütten. Glaube ist zudem nicht per se ein Hinderungsgrund, zu erkennen und eruieren, ob ein Bericht lediglich menschliche Glaubensinhalte (auch die eigenen) verbreitet oder tatsächlich auf Schauungen basiert. Mich dünkt sogar, daß die Spiritualität bei solchen Gemütern nicht allzu tief verwurzelt ist, wenn sie ihren Glauben von der zwingenden Unzweifelhaftigkeit diverser Schriften und Glaubenssätze abhängig machen, von denen als Ausgangspunkt auch alles Epigonale, das ihnen inhaltlich entspricht, authentisch sein muß.
P.P.S.: Ich würde zudem nicht nebenbei an einem Buch zu Nostradamus arbeiten, wenn ich alles für Unsinn hielte, wie man böswillig unterstellt.


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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