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Mother Shipton, Fälschungen und Amerikaner (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 02.08.2017, 10:21 (vor 1540 Tagen) @ Altmarkwolf (4710 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 02.08.2017, 10:29

Hallo!

Hinzu kommt den kosmischen Brocken betreffend eine Prophezeiung, die der englischen Seherin Ursula Sontheil (Mother Shipton) zugeschrieben wird und die, selbst wenn sie nicht echt sein sollte, so doch trotzdem erstaunliche und aus meiner Sicht zur Zeit der Niederschrift nicht erahnbare Parallelen mit diesem Asteroiden aufweist, welcher am 12. Oktober 2017, einen Tag vor dem 100. Jubiläum des nachgewiesenen Sonnenwunders von Fatima (13. Oktober 1917) zum sechsten (!) Mal an der Erde vorbeisaust

"A fiery dragon will cross the sky, six times before the earth shall die. Mankind will tremble and frightened be, for the six heralds in this prophecy. For seven days and seven nights man will watch this awesome sight. The tides will rise beyond their ken, to bite away the shores and then the mountains will begin to roar and earthquakes split the plain to shore."

Mir ist bewusst, dass viele der Shipton - Verse nicht aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen und Fälschungen sind, aber speziell bei diesem Vers, allein bei diesem Vers muss man sich fragen, egal von wem er stammt, ob er nicht vielleicht doch eine echte Schauung sein könnte. Denn selbst wenn er aus dem frühen oder mittleren 20. Jahrhundert kommt, so kann man es doch wissenschaftlich nicht plausibel erklären, dass er so exakt in unsere heutige Zeit und auf diesen Asteroiden trifft, welcher erst 2012 entdeckt wurde.

Man sollte vorsichtig damit sein, diffuse Textpassagen auf Konstrukte zu beziehen, die man sich selbst ausgedacht hat, und Kraft der Überzeugung verengt nur noch die gewünschte Bedeutung des Textes zu sehen.

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Daß eine Fälschung, die schon im 19. Jahrhundert als solche nachgewiesen wurde, in irgend etwas auch nur zufällig richtig liegt, ist logischerweise auszuschließen. Daß echte Schauungen in eine als solche konzipierte Fälschung einfließen widerspricht eigentlich dem Fälschungsprozeß. Anders wäre es bei Prophezeiungen, wenn jemand zwar etwas gesehen hat, die Aussagen aber als ein Konglomerat mit seinen eigenen Vorstellungen und angelesenen Prophezeiungen weitergibt. Dann handelt es sich zwar überwiegend um Plagiate, die aber echte Bestandteile haben können. Mother Shipton wurde von Anfang an als Fälschung entworfen. Der Autor hat sogar zugegeben, daß es sich um eine handelt.

Des weiteren ist ein "fiery dragon" eben kein Asteroid auf stabiler Kreisbahn, welcher der Erde nicht gefährlich wird. 2012 TC4 bietet aufgrund seiner äußerst geringen Größe (die eine Gefährdung sehr unwahrscheinlich macht) keine "awesome sight", läßt die Wellen nicht ansteigen und ruft keine Erdbeben hervor.

Allein die Überlegung, daß jemand Jahrzehnte vor der Fatimaerscheinung eine Schau gehabt hätte, die ein Ereignis zum hundertsten Jubiläum derselben gezeigt hätte, ist ziemlich weit hergeholt. Meines Erachtens eine Idee, die vom gewünschten Endergebnis her konstruiert wurde und deswegen über die Unwahrscheinlichkeit des Gedachten großzügig hinwegsieht.

Wenn man mit Prophezeiungen auf einen grünen Zweig kommen will, sollte man es andersherum anstellen: zunächst konsequent alle Fälschungen beiseite lassen und mit dem Rest vorsichtige Überlegungen anstellen.

Eine nachgewiesene Fälschung wird nicht richtig, indem man sie nachträglich auf Ereignisse interpretiert. Es kennzeichnet vielmehr die Interpretation als fragwürdig.

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Hinzu kommt der doch etwas skurrile Fakt, dass je eine Wendepunktschlacht des 1. bzw. 2. Weltkrieges wenige Stunden vor einer totalen Sonnenfinsternis ausgefochten wurde. In beiden Schlachten besiegten die Russen jeweils erstmalig nachhaltig die deutschen Streitkräfte.

Aus der Tatsache, daß es in der Vergangenheit der Fall war, folgt nicht, daß entsprechende Ereignisse bei zukünftigen Finsternissen ebenfalls stattfänden. Die Zahl passender Ereignispaare dürfte, gemessen an der Gesamtzahl der Finsternisse, derart gering sein, daß sie sich weit unterhalb der statistischen Signifikanz bewegt, sie also als rein zufällig zu betrachten sind.

Mother Shipton spricht im Übrigen in ihrer Prophezeiung als Konsequenz des sechsten Asteroiden (Drachen) - Vorbeifluges von Erdbeben, einer Flut und auch von Vulkanausbrüchen!

Mother Shipton spricht überhaupt nicht, da sie niemals gelebt hat. ;-)

In diesem Zusammenhang interessant ist vor allem eine aktuelle Schauung einer 87 - jährigen Frau aus New York, welche vor kurzem veröffentlicht wurde. In diesem Traum sah sie für die Zeit zwischen dem 21. August und dem 12. Oktober diesen Jahres ein großes Erdbeben bei San Francisco. Ja, auch das ist eine bekannte Prophezeiung, aber sie sah ein Datum, nämlich einen 27.. Wahrscheinlich den 27. August laut ihrer Aussage.

Solche Aussagen hätte ich gerne im Volltext.

Im Übrigen wurde in ihrem Traum, wie auch in einem kürzlich veröffentlichten Traum eines kanadischen Pfarrers, wie auch in einem kürzlich veröffentlichten Traum einer Schriftstellerin aus Indiana in dieser Zeit von jeweils zwei teilnuklearen Anschlägen (schmutzige Bomben) auf New York und Chicago berichtet. Die Anschläge werden jeweils für den 30. September sowie den 7. Oktober datiert durch die Träume.

Die drei Traumseher kennen sich übrigens nicht.

Fraglich, ob es sich um "Seher" handelt. Vor allem die Amerikaner sind da völlig übergeschnappt. Meist bewegen sie sich in christlichen Gemeinden und bilden sich ein, der Herr persönlich spräche zu ihnen. Es muß wohl irgendwie in der amerikanischen Mentalität begründet liegen, die zugleich nach Konkretem verlangt und auf die eigene, sozial herausragende, erfolgreiche Stellung aus ist. Man will eben in der Gemeinde jemand sein. Das Ergebnis sind platte Voraussagen, die nicht den Charakter von Schauungen entsprechen. Ein Anzeichen ist z. B. die Gewißheit des Mitteilenden, daß es sich um teilnukleare Anschläge aus schmutzigen Bomben handelte. Sowas sind verdeckte Hintergründe, die per se nicht Bestandteil von Schauungen sein können. Meist sind es in der amerikanischen Gesellschaft latent vorhandene Befürchtungen, z. B. "Anschläge", die da aufgegriffen werden. Das verheißt die größte Aufmerksamkeit.
Das Erdbeben in Kalifornien ist in der US-amerikanischen Prophetie seit vielen Jahrzehnten der Dauerbrenner. Es vorauszusagen, gehört dort schon beinahe zum guten Ton.

Im Wesentlichen baust Du Dir aus im einzelnen jeweils äußerst fragwürdigen Versatzstücken ein sehr wackeliges Kartenhaus, das derart viele unbewiesene Grundannahmen enthält, daß die Spekulation mit zwingender Notwendigkeit ein Fehlschlag sein muß.
Ärgerlich wird es, wenn man diesen dann nicht erkennt und dazu übergeht, nur immer wieder die Spekulation auf die nächsten wunderbar passenden Umstände anzupassen.

Wir können's ja wie immer abwarten.

Malbork schuldet mir übrigens noch eine Jahresproduktion Müncher Bieres, nachdem er sich völlig sicher war, zwischen dem 16. und 23. April 2017 gäbe es einen atomaren Anschlag auf New York, der natürlich nicht eintraf, was man sich aber vorher hätte denken können. :-P

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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