Re: Mother Shipton (Schauungen & Prophezeiungen)

Altmarkwolf, Mittwoch, 02.08.2017, 16:12 (vor 1540 Tagen) @ BBouvier (4649 Aufrufe)
bearbeitet von Altmarkwolf, Mittwoch, 02.08.2017, 16:26

Hallo BB,

ich finde du schießt ganz schön schnell und übersiehst hier einige Dinge, die durchaus nicht ganz so einfach abzutun sind.

Da es sich bei dem Text "Shipton" um eine Fälschung handelt, ist es völlig irrelevant, was man dieser Figur so alles angedichtet hat.

Einerseits, ja es ist fraglich, ob der Text wirklich aus dem 16. Jahrhundert stammt oder nicht. Das ist aber de facto nicht wirklich entscheidend. Neuerdings ist man sich ja ziemlich einig, dass die heute bekannte Version (ob Fälschung oder nicht ist dabei erstmal egal) von 1862 ist.

1862 liegt immer noch 155 Jahre vor (!) dem heutigen Datum und dem möglichen Eintrittsdatum des von mir angesprochenen Verses, der selbst wenn er noch nach 1862 hinzugekommen ist, trotzdem zu prüfen ist, da doch sein Autor keinesfalls von der Entdeckung dieses sehr seltsamen Asteroiden, der weder eine feste Bahn noch eine feste Geschwindigkeit hat, gewusst haben kann.

Schaue dir bitte mal die Daten bei der NASA an, bevor du diese mögliche Prophezeiung, egal von wem sie stammen mag, einfach so als Fälschung mit Gewinnabsichten abtust!

https://ssd.jpl.nasa.gov/sbdb.cgi?sstr=3609693;old=0;orb=0;cov=0;log=0;cad=1#cad

Das gilt im Übrigen auch für alle anderen, die meinen, dass ein Fälscher nicht selbst hellseherische Fähigkeiten haben kann. Gerade der Shipton - Text ist für mich ebenso wie das Lied der Linde ein wunderbares Beispiel für verschleierte Prophetien. Sollte das Lied der Linde tatsächlich von 1920 sein, was ich persönlich nicht widerlegen kann, aber für unwahrscheinlich halte, dann hätte man auch zu dieser Zeit (Gauklerparagraph) vorsichtig sein müssen, wie und in welcher Form man Prophetien veröffentlicht. Auch das sollte man im Hinterkopf behalten. Und wer ein bisschen Ahnung von der deutschen bzw. europäischen Rechtsgeschichte hat, der geht mit Unterstellungen wie: "Das ist nicht authentisch, also ist ein Hoax!" auch noch härter ins Gericht als manch anderer, der dann seine Recherche beendet, sobald dargelegt ist, dass der Seher, dem der entsprechende Text zugeschrieben wird, nicht der tatsächliche Urheber ist.


Sich nun auf die Suche nach etwaigen Übereinstimmungen dieser Fälschung mit realen Gegebenheiten zu machen, wäre eine reichlich irrationale Spökenkiekerei.

Genau das ist es eben nicht, denn grad in Fälschungen, wie zum Beispiel dem Text von Gottfried von Werdenberg tauchen oftmals wichtigere Zukunftsschauen auf, als in echten, meist verschlüsselten, Prophetien.

Beispiel:

Nostradamus kann keine Sau verstehen, weil er in Rätseln spricht. Werdenberg sagt, dass der Wehrdienst abgeschafft wird bzw. viele junge Europäer diesen kurz vor den Bürgerkriegen reihenweise verweigern.

Welche Information / Schau ist jetzt wichtiger und nachprüfbarer?

Also zweimal denken, bevor man selbst etwas abstempelt.

Abgesehen davon, ich glaub nicht, dass Nostradamus auch nur eine echte Vorhersage getroffen hat, höchstens als Arzt.

Grade neulich wurde entdeckt, daß sie 1497 prophezeiht hat:

"The winter in 2015 will be that warm
That then thousands of bees will swarm
."

Sowie:

"After Prime Minister Schröder had Chancellor been
Lady Merkel on his thone will be seen
."

Eine ganz erstaunliche Seherin!! :-D

Wenn du mir damit sagen willst, dass Mother Shipton bzw. der ihr zugeschriebene Text generell unglaubwürdig ist. So schaffst du es jedenfalls nicht, denn dass diese Passagen nicht aus den ursprünglichen Shipton - Texten stammen ist selbst dem dümmsten Apfel klar. Abgesehen davon ist da weder Reimschema noch Wortwahl authentisch 1862 in diesen beiden Versen.


Und zum Schluss noch eine Randbemerkung:

Ob Mother Shipton real existierte oder ob sie nur auf einem Mythos beruht, kann ich nicht sicher sagen. Aber scheinbar haben einige Leute diesen Mythos genutzt, um sich zu artikulieren und dem sollte man aus den oben genannten rechtsgeschichtlichen Hintergründen Beachtung schenken.

Gruß, Altmarkwolf.

PS: Wie schon Stephan Berndt sagte: Wenn man 250 Seher erforscht hat und 249 erzählen Scheiße, dann hat sich die Arbeit trotzdem gelohnt, denn im Prinzip reicht ein guter Seher aus, um die Zukunft erahnen zu können.


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