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Obacht vor Zirkelbeweisen! (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 02.08.2017, 17:27 (vor 1536 Tagen) @ Altmarkwolf (4719 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Freitag, 01.09.2017, 08:14

Hallo!

Einerseits, ja es ist fraglich, ob der Text wirklich aus dem 16. Jahrhundert stammt oder nicht. Das ist aber de facto nicht wirklich entscheidend. Neuerdings ist man sich ja ziemlich einig, dass die heute bekannte Version (ob Fälschung oder nicht ist dabei erstmal egal) von 1862 ist.

1862 liegt immer noch 155 Jahre vor (!) dem heutigen Datum und dem möglichen Eintrittsdatum des von mir angesprochenen Verses, der selbst wenn er noch nach 1862 hinzugekommen ist, trotzdem zu prüfen ist, da doch sein Autor keinesfalls von der Entdeckung dieses sehr seltsamen Asteroiden, der weder eine feste Bahn noch eine feste Geschwindigkeit hat, gewusst haben kann.

Du vollziehst hier den typischen (von mir so genannten) "naiv-gläubigen Zirkelschluß", bei dem man sich willkürlich und ohne Grundlage etwas denkt/einbildet, sich die "Beweise" dann nachträglich darauf reduktionistisch zurechtbiegt. Das Ergebnis des Denkprozesses, der somit kein ergebnisoffener ist, ist zugleich seine eigene gedankliche Voraussetzung. Letztlich sind dies Annahmen, die allein dadurch richtig sind, indem man glaubt, daß sie richtig wären. Strukturell ist das von einer Religion, Ideologie oder (im Extremfall) einer psychotischen Wahnwelt nicht verschieden.

Konkret: Du setzt (unbewiesene!!!) Echtheit als Möglichkeit stillschweigend voraus und suchst dann in der Realität nach Deckungen mit dem vermeintlich echten Text, den Du dann (Oh Wunder!) als erstaunlich treffend betrachtest, wie Du es Dir von vornherein gewünscht hast.
Hinweise auf Fälschung, den ganzen Forschungshintergrund und schreiende Unstimmigkeiten zwischen Text und Wirklichkeit nimmst Du gar nicht oder weit unter dem ihnen gebührenden Rang wahr.

Schaue dir bitte mal die Daten bei der NASA an, bevor du diese mögliche Prophezeiung, egal von wem sie stammen mag, einfach so als Fälschung mit Gewinnabsichten abtust!

Keineswegs! Ehe man sich in Interpretationen versteigt, muß die seherische Echtheit nachgewiesen, bzw. Fälschung plausibel ausgeschlossen sein. Das gebietet die "geistige Hygiene", denn andernfalls nähme man (wie Du) allein Maß nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen.
Fragwürdige Texte lassen sich nicht an der Gegenwart messen, da allein echte Schauungen an der Gegenwart gemessen werden können hinsichtlich der Frage, ob sie bereits eingetroffen seien. Indem man den Analyseprozeß umkehrt und vorschnell diesen Maßstab anlegt, generiert man übermäßig scheinbar echte Schauungen.
Die Prüfung auf Echtheit muß unabhängig von interpretativ erzeugten "Deckungen" mit der Gegenwart erfolgen und allein am historischen Hintergrund bzw. dem Entstehungszusammenhang des Textes!

"Interpretation" setzt stets eine Vorstellung voraus, die man in den Text hineinliest. Das kann niemals ein objektiver Maßstab zur Bewertung der Echtheit sein. Allein die textgeschichtlichen Hintergründe können diesen bieten, wobei man dem geistigen Hygienegebot folgend bei mangelnden Pro-Argumenten sicherheitshabler von einer Fälschung ausgehen muß, um sein Bild von der Zukunft auf nicht allzu vielen falschen Informationen aufzubauen. Das sollte eigentlich einleuchten.

Wer wie Du vorgeht, schafft sich sein persönliches Luftschloß, das mit der Wirklichkeit und den Tatsachen rein gar nichts zu tun hat.

Das gilt im Übrigen auch für alle anderen, die meinen, dass ein Fälscher nicht selbst hellseherische Fähigkeiten haben kann.

Ein Fälscher könnte auch jonglieren oder Pi bis zur hundertsten Stelle aufsagen können. Hinsichtlich seiner Tätigkeit des Fälschens ist das völlig unerheblich, so lange kein Beweis für seherische Fähigkeit vorliegt. Ohne diesen bleiben solche Annahmen reine Unterstellung.

Einen diffusen, mit Symbolen, Allegorien und verschleierten Begriffen arbeitenden Text auf gegenwärtige Dinge zu bezeiehen, ist kein Beweis, sondern entspricht dem oben beschriebenen Zirkelschluß, der seine unbewiesene Grundannahme durch einen gedanklichen Kurzschluß zu seinem Ergebnis macht!

Gerade der Shipton - Text ist für mich ebenso wie das Lied der Linde ein wunderbares Beispiel für verschleierte Prophetien. Sollte das Lied der Linde tatsächlich von 1920 sein, was ich persönlich nicht widerlegen kann, aber für unwahrscheinlich halte, dann hätte man auch zu dieser Zeit (Gauklerparagraph) vorsichtig sein müssen, wie und in welcher Form man Prophetien veröffentlicht. Auch das sollte man im Hinterkopf behalten. Und wer ein bisschen Ahnung von der deutschen bzw. europäischen Rechtsgeschichte hat, der geht mit Unterstellungen wie: "Das ist nicht authentisch, also ist ein Hoax!" auch noch härter ins Gericht als manch anderer, der dann seine Recherche beendet, sobald dargelegt ist, dass der Seher, dem der entsprechende Text zugeschrieben wird, nicht der tatsächliche Urheber ist.

Wieder der Zirkelschluß: Du glaubst (ohne Beweis und entgegen dem Forschungstand) an Echtheit. Diese unterstellst Du der Prophetie, weswegen Du annimmst, sie sei allein deswegen als Prophetie veröffentlicht wurden, um (Zirkelschluß!!!) der Anwendung des Gaukeleiparagraphen zu entgehen. Damit generiert die Grundannahme irhen eigenen "Beweis", der (einen Schritt zurückgetreten) natürlich nur eine unbewiesene Unterstellung ist.

Genau das ist es eben nicht, denn grad in Fälschungen, wie zum Beispiel dem Text von Gottfried von Werdenberg tauchen oftmals wichtigere Zukunftsschauen auf, als in echten, meist verschlüsselten, Prophetien.

Irgendein Schnipsel einer Veröffentlichung, die jeder wissenschaftlichen Anforderung an valide Schauungsdokumentation gebricht, ohne Namen eines Autors und Sehers veröffentlicht wurde, kann nie als "wichtige Zukunftsschau" gelten. Auch hier: Zirkelschluß!!! Du folgerst die Echtheit, die Du haben willst, allein aus der Tatsache, daß Du den Inhalt durch interpretative Verbiegung wunschgemäß auf die Gegenwart passend machen kannst. Das ist aber kein valider Beweis für Echtheit, sondern allenfalls für Deine Phantasie.

Nostradamus kann keine Sau verstehen, weil er in Rätseln spricht. Werdenberg sagt, dass der Wehrdienst abgeschafft wird bzw. viele junge Europäer diesen kurz vor den Bürgerkriegen reihenweise verweigern.

Zitat aus Werdenberg:
"In den 90-er Jahren kommt es in ganz Westeuropa zu einer verheerenden Zersetzung des Wehrwillens. Das trifft im Besonderen auch für Deutschland und für die Schweiz zu, in Österreich ist dies sowieso schon eine Selbstverständlichkeit."

Vorweg: Es handelt sich hierbei schon grundsätzlich nicht um eine Schauung/einen Schauungsbericht, sondern eine schlichte Behauptung. Schauungen sind beschreibbare Szenen mit (hauptsächlich) bildlichem Inhalt. Wie hätte "Zersetzung des Wehrwillens" (ein abstraktes Konzept) in einer Schau auch bildlich aussehen sollen?
Der Unterschied sollte Dir, da Du selbst entsprechende Wahrnehmungen hattest, geläufig sein.

Werdenberg spricht von sinkendem Wehrwillen, woraus Du durch Verbiegung und willkürlichem Hinzufügen eigener Ideen eine "Abschaffung der Wehrpflicht" machst, weil Du gerne hättest, daß nachweisbar bei Werdenberg etwas stünde, was nach seiner Veröffentlichung geschah und nicht prognostisch (im Gegensatz zu "paragnostisch") schon 1994 vorauszusehen war.

Also zweimal denken, bevor man selbst etwas abstempelt.

Überhaupt mal richtig (!) denken, ehe man irgendein Urteil fällt. ;-)

Ob Mother Shipton real existierte oder ob sie nur auf einem Mythos beruht, kann ich nicht sicher sagen. Aber scheinbar haben einige Leute diesen Mythos genutzt, um sich zu artikulieren und dem sollte man aus den oben genannten rechtsgeschichtlichen Hintergründen Beachtung schenken.

Nein, sollt man nicht, denn die Unterstellung der Existenz solcher als Prophetie oder Fälschung verschleierten Äußerungen ist eine unbewiesene und unbeweisbare Annahme. Nach Ockhams Rasiermesser, daß man in Fällen selbstkonstruierter Luftschlösser nicht hoch genug schätzen kann, sind die Theorien mit den wenigsten Grundannahmen vorzuziehen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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