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Psychologismus (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 14. März 2019, 10:01 (vor 216 Tagen) @ Luzifer1060 mal gelesen

Hallo!

Präkognition funktionniert auf Basis von Vergangenheit und Gegenwart: Wir prognostizieren Zukunft durch zahlreiche Informationen aus der Vergangenheit, durch Erfahrungen, Erlebnisse, damalige Handlungsmöglichkeiten, Lernerfahrungen, Selektionserfahrungen,etc. Wir gleichen Vergangenes mit gegenwärtig Erlebtem ab, schließen aus früher Erlebtem und können Zukünfitges ableiten, vorhersagen- da wir gelernt haben, und das war überlebenswichtig - einzuschätzen, wie sich Situationen entwickeln werden! D.h: Wenn die Menschen sich " einfach wieder einem Punkt nähern, der schon mal eine Reaktion hervorgerufen hat " wird etwas Vergangenes aktiviert, ein bekanntes Szenario wird aus dem UB aktiviert und die Alarmglocken beginnen zu schrillen. Unbewusst natürlich. Dass sich das in Visionen und Schauungen niederschlagen kann, wäre eine logische Konsequenz, denn das Unbewusste sucht sich seine ihm adäquaten Wege!

Der Gedanke hätte auch von Sarah stammen können, die ein Problem damit hat, Präkognition in ihr psychologistisches Weltbild passend einzuhämmern. Psychologisch könnte man bei solchen Theorien ein Sicherheitsbedürfnis vermuten, des­sent­hal­ben man ein unverstandendes, als gefahrvoll-provozierend empfundenes Phänomen ohne Rücksicht auf Verluste in das eigene weltanschauliche Rettungsboot einpassen muß – oder das leichtfertige Übertragen einer fachlich-weltanschaulichen Nische auf den Rest der Welt, weil man außerhalb derer keinen Anhaltspunkt findet.
Präkognition wird (wie oben) als etwas erklärt, das sich weitestgehend oder ausschließlich auf bereits bekanntes zurückführen ließe. Auf Grundlage eines bloßen Reiz-Reaktions-Schemas würden von der Psyche Visionen evoziert werden, die letztlich nichts weiter wären als abgelagerte Bewußtseinsinhalte.
Das geht meilenweit am Problem der Präkognition vorbei und verkehrt sogar deren eigentliches Definitionsmerkmal ins Gegenteil. Sie wird dadurch nicht mehr als "Vorauswissen" (etymologisch gleichbedeutend mit "Präkognition") begriffen, sondern als "Nachhineinwissen", auf dessen Grundlage der Verstand aus sich heraus ein prognoseartiges (also prospektiv die Zukunft mutmaßendes) Zukunftsbild konstruiert.
Präkognition wird aber dadurch bestimmt, daß Ereignisse mit Elementen vorausgesehen werden, die der Sehende gar nicht wissen konnte, weil sie über das hinausgehen, was seiner Psyche aus eigener Erfahrung an Informationen zur Verfügung steht. Es handelt sich also um Wahrnehmungen, die per definitionem gar nicht psychologisch erklärbar sind. Das machte historisch erst die Prägung des Begriffs "Parapsychologie" notwendig, die sich mit innerhalb des psychologischen Weltbildes nicht mehr erklärbaren Phänomenen befaßt. Psychologiezentrierte Theorien können bestenfalls jene Bestandteile einer seherischen Wahrnehmung erkennen und erklären, die vom Verstand des Sehers einer präkognitiven Information hinzugefügt werden. Das verweist die Psychologie auf den Status einer "Hilfswissenschaft", die als Negativschablone parapsychische Wahrnehmungen herausschälen hilft, aber hinsichtlich des Kernproblems der Prägognition einen blinden Fleck hat. Mithin existiert die Präkognition für die reine Psychologie überhaupt nicht. Daher erwecken psychologistische Theorien stets den Eindruck, das Phänomen der Präkognition wegerklären und als unerheblich markieren zu wollen.

Eigentlich reicht es, wie BBouvier es getan hat, einfach ein paar Erlebnisse echter Präkognition hinzuklatschen, um den blinden Fleck zu markieren, um den die Psychologie in ihren ungerechtfertigtem Alleinerklärungsanspruch unbewußt kreist. Sie ist nämlich niemals in der Lage, aus dem Aufsteigen alter Erinnerungen die präzise Wahrnehmung künftiger Details zu erklären, die sich später genau wie gesehen verwirklichen.

Hingefügt werden muß, daß sich die eingangs zitierte Theorie eigentlich gar nicht mit Präkognition in der uns alltäglich entgegentretenden Form befaßt. Es dürften nämlich mindestens 99 ‰ (also schätzungsweise weit mehr als 999 von 1000 Wahrnehmungen) im täglichen Leben stattfinden und sich mit persönlichen, zeitlich vergleichsweise nahen Ereignissen beschäftigen (Stunden, Tage, Wochen, Jahre innerhalb eines Lebenslaufs). Dahingegen ist die obige Theorie auf überpersönliche Katastrophenvisionen fixiert, die eine seltene Sonderform des Sehens sind, welche in diesem Forum lediglich überhöht wahrgenommen wird. Es handelt sich entgegen ihrer Selbstbeschreibung gar nicht um eine Theorie der Präkognition, sondern für Katastrophenbilder, geht also an ihrem eigenen Erklärungsanspruch vorbei.

Zur Erklärung der Katastrophenbilder ist die Frage, ob es sich um alte Erinnerungen handelt, gleichwohl berechtigt und einer mehrerer denkbarer Ansätze. Wer aber im Privatleben Schauungen über eigene oder der Mitmenschen künftige Lebenssituationen hat, darob mit dem Selbstbild eines mit Willensfreiheit beseelten Menschen in Konflikt gerät und nach einem Erklärungsmuster sucht, diese psychische Spannung zu lösen, wird mit dieser Theorie nicht weit kommen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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