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Dreitägige Finsternis als religiöses Motiv (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 12. März 2019, 09:36 (vor 216 Tagen) @ Coyote1281 mal gelesen

Hallo!

okay, 'viele' war nicht das richtige Wort. Aber ich erinnere mich sehr deutlich an Anastasia und ihre Schauung über den Impakt und ihre auditiv übermittelte Information, daß es eine 3TF geben werde, die sie erleben werde. Ganz frisch ist der Eintrag von Mira, der die 3TF erwähnt.

Solche Aussagen bereiten durchaus Kopfschmerzen. Die "drei Tage" sind als religiöses Motiv augenfällig. Daran ist nicht zu rütteln. Gleichwohl sind sie naturwissenschaftlich unsinnig. Daran ist ebenfalls nicht zu rütteln.

Innerhalb religiöser Überlieferungen ist das Symbol der "drei Tage" häufig anzutreffen:

  • "Danach ließ Moses die Israeliten vom Schilfmeer aufbrechen; sie zogen hinaus zur Wüste Schur. Drei Tage lang wanderten sie in der Wüste, und sie fanden kein Wasser." (2 Mos 15,22)
  • "Gad kam zu David und richtete die Botschaft an ihn aus. Er sprach zu ihm: 'Soll drei Jahre hindurch Hungersnot in deinem Land wüten, oder willst du drei Monate lang vor deinen Feinden fliehen, während sie dich verfolgen, oder soll drei Tage lang die Pest in deinem Lande wüten? Überlege nun und sieh zu, welche Antwort ich dem bringen soll, der mich sendet!'" (2 Sam 24,13)
  • "Nach zwei Tagen wird er uns neu beleben, am dritten Tage uns aufstehen lassen, daß wir leben vor ihm." (Hos 6,2)
  • "Da machte sich Jonas auf und ging nach Ninive, wie der Herr befohlen hatte. Ninive war aber eine riesige Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß." (Jona 3,3)
  • "Denn wie 'Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauch des Ungetüms war', so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein." (Mt 12,40)
  • "Jesus aber rief seine Jünger zu sich und sprach: 'Mich erbarmt des Volkes; denn sie harren schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen; ich will sie nicht ungespeist ziehen lassen, sie könnten sonst auf dem Wege ermatten.'" (Mt 15,32)
  • "Und er fing an, sie zu belehren, der Menschensohn müsse vieles leiden, von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden, nach drei Tagen aber auferstehen." (Mk 8,31)
  • "Nach drei Tagen geschah es, da fanden sie ihn im Tempel, mitten unter den Lehrern sitzend, auf sie hörend und sie befragend." (Lk 2,46)
  • "Am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort." (Joh 2,1)
  • "Da sagten die Juden: 'Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst in drei Tagen ihn aufrichten?'" (Joh 2,20)
  • "Ihn hat Gott auferweckt am dritten Tag und ihn sichtbar werden lassen, nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorherbestimmten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben nach seiner Auferstehung von den Toten." (Apg 10,40-41)
  • "Als nun Festus in der Provinz eingetroffen war, begab er sich drei Tage darauf von Cäsarea hinauf nach Jerusalem; [...]" (Apg 25,1)
  • "Im Umkreis jenes Platzes war ein Gut, das dem ersten Mann der Insel, namens Publius, gehörte. Dieser nahm uns auf und beherbergte uns voll Gastlichkeit drei Tage lang." (Apg 28,7)
  • "Nach drei Tagen war es, da ließ er [Paulus] die Führer der Juden zu sich kommen, und als sie beisammen waren, sprach er zu ihnen: 'Brüder! Obwohl ich nichts gegen das Volk oder die väterlichen Sitten getan habe, bin ich als Gefangener von Jerusalem aus in die Hände der Römer übergeben worden." (Apg 28,17)

Weitere Vorkommen der Drei in der Bibel

Es scheint, daß die Zeitangabe "drei Tage" in religiösen Zusammenhängen stets etwaige für das Ereignis vorhandene echte Zeitangaben überlagerte und verwendet wurde, wenn aus numerologischen Gründen keine andere Zeitangabe (wobei es sich bei Alternativen oft um Vielfache der Drei handelt) sinniger erschien.

Die Drei steht als Synthese aus Eins und Zwei symbolisch für die Lösung einer Antithese. Sie stellt Vollkommenheit her. "Was bedeutsam ist und wirken soll, geschieht oft dreifach."
Es ist nicht anders als in diesem Sinne zu verstehen, daß die Finsternis des Endgerichts, welche die Erde reinigen, die Schöpfung also vervollkommnen soll, symbolisch drei Tage dauert. Völlig verquer und ein Zeichen religiösen Unverständnisses in Form eines allzu wörtlichen Begreifens wäre die Erwartung einer physikalischen dreitägigen Finsternis. Diese Auffassung scheint aber vor allem in modernen Zeiten, wo alles ins materielle verflacht wird und man auf konkrete Aussagen aus ist, die Regel zu sein.

Auch das von den "drei Tagen" unabhängig betrachtete Motiv der Finsternis hat seine biblischen Vorbilder:

  • "Der Herr sprach zu Moses: 'Strecke deine Hand zum Himmel empor, und es wird eine solche Finsternis über das Land Ägypten kommen, daß man die Finsternis greifen kann.'" (2 Mos 10,21)
  • "Da wechselte der Gottesengel, der vor dem Wanderzug Israels einherging, seinen Platz und zog hinterher; auch die Wolkensäule brach von der Spitze auf und stellte sich hinter sie. Sie zog zwischen dem Heer der Ägypter und zwischen dem Heer der Israeliten, und sie verdunkelte auf der einen Seite und erhellte auf der anderen Seite die Nacht; niemand konnte während der ganzen Nacht an den anderen herankommen." (2 Mos 14,19-20)
  • "Das Volk blieb von ferne stehen, Moses aber näherte sich der dunklen Wolke, in der Gott war." (2 Mos 20,21)
  • "Sie haben weder Verstand noch Einsicht, sie tappen im Dunkeln dahin. So wanken alle Grundfesten der Erde." (Psalm 82,5)
  • "Gewölk und Dunkel umgeben ihn, Gerechtigkeit und Recht sind seines Thrones Stütze." (Psalm 97,2)
  • "Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen." (Joh 1,5)
  • "[...] das Volk, das im Finstern sitzt, sah ein großes Licht, und denen, die im Land und im Schatten des Todes sitzen: ein Licht ging auf über ihnen [...]" (Mt 4,16)
  • "Von der sechsten Stunde an trat Finsternis ein über das ganze Land bis zur neunten Stunde." (Mt 27,45)
  • "[...] die Söhne des Reiches aber werden hinausgeworfen werden in die Finsternis draußen; dort wird Heulen sein und Zähneknirschen." (Mt 8,12)
  • "'Es wird nämlich dann eine große Drangsal sein, wie dergleichen nicht gewesen ist seit Anfang der Welt bis jetzt'[Dan 12,1] und nicht mehr sein wird. Und würden jene Tage nicht abgekürzt, würde kein Mensch gerettet werden; doch um der Auserwählten willen werden jene Tage abgekürzt werden." (Mt 24,21-22) "Sogleich nach der Drangsal jener Tage wird 'die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein nicht mehr geben'[Jes 13,10], 'die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden'[Jes 34,4]. Dann wird das Zeichen des Menschensohns am Himmel erscheinen, und 'wehklagen werden alle Stämme der Erde'[Sach 12,10ff], und sie 'werden den Menschensohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels'[Dan 7,13] mit großer Macht und Herrlichkeit.." (Mt 24,29-30)
  • "Auch die Engel, die ihre Würde nicht wahrten, sondern ihre Stätte preisgaben, hält er für das Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln in der Finsternis in Verwahrung." (Jud 6)
  • "Der fünfte goß seine Schale auf den Thron des Tieres, und sein Reich wurde verfinstert, und vor Schmerz zerbissen sie sich ihre Zungen [...]" (Offb 16,10)

Finsternis ist biblisch traditionell mit dem Eingreifen Gottes, Wandlung und dem Gericht assoziiert. Vor allem in Offb 16,10 (dem fünften Engel) sowie in Mt 24 scheint die prophetische Finsternis ihr unmittelbares Vorbild gehabt zu haben, aus dem sich in den Jahrtausenden seitdem entsprechende Vorstellungen in den Prophezeiungen entwickelten.
Das sind keine echten Schauungen, sondern religiöse Erwartungen, die eine symbolisch-allegorische Grundlage haben (Licht vs. Finsternis und eine Läuterung, durch die Gott sein Volk zum Lichte führt), die im Alten Testament wurzelt und sich bei der Wiederkehr Jesu, die mit dem längst erwarteten Endgericht zusammenfällt, sinngemäß wiederholen soll.
Das Wichtigste ist die Festellung, daß das verbundene Motiv der "dreitägigen Finsternis" keine empirische Grundlage hat, sondern auf auf Grund menschlicher Überlegung abstrakt und verstandesmäßig formuliert wurde, als Menschen die religiösen Überlieferungen entwickelten.

Sowohl bei Anastasia als auch bei Mira handelte es sich nicht um Visionen, sondern um Mitteilungen, die offenbar von einer übergeordneten (aber geistig nicht unbedingt höher stehenden) Wesenheit stammten. Dies läßt sich der Tatsache entnehmen, daß es sich um Wortmitteilungen, nicht um Bilder handelte, die gerade dieses abstrakte, auf Grundlage religiöser Symbolik formulierte Motiv der dreitägigen Finsternis aus den religiösen Schriften übernahmen.
Die Quelle der Mitteilungen ist offenbar dem christlichen Glaubensumfeld zuzuordnen, völlig unabhänig davon, auf welcher höheren oder niedereren jenseitigen Ebene sie anzusiedeln wäre. Es werden schlichtweg die selben Glaubensvorstellungen, denen die Menschen hienieden seit Jahrtausenden anhängen, aus der geistigen Welt zurückgespiegelt. Die religiös begründeten Prophezeiungsmotive sind Selbstläufer geworden, die sich in Wechselwirkung zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen der Erde und dem mit ihr eng verbundenem geistigen Umfeld stetig selbst erneuern.
Wo immer von der "dreitägigen Finsternis" die Rede ist, können wir davon ausgehen, daß nur irgend jemand eine übernommene Glaubensvorstellung, eine religiöse Erwartungshaltung als zukünftige Tatsache ausgibt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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