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Irlmaiers Bezahlung (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 03. März 2017, 13:18 (vor 1015 Tagen) @ Leserzuschrift5773 mal gelesen

Hallo und Dank!

Ich habe diese Begebenheit übrigens Stephan Berndt erzählt, der davon allerdings nichts wissen wollte, weil diese Geschichte nicht in sein makelloses Irlmaier-Bild passt. Ob man allerdings durch selektive Zeugenaussagen der Wahrheit näher kommt, mag jeder selbst entscheiden.

Immerhin sorgen solche Anekdoten für einen gewissen Ausgleich, da wir davon ausgehen können, daß von den voreingenommenen Irlmaierautoren (von Adlmaier über Backmund, Beck bis Berndt) in der Regel einseitig wohlwollende Erlebnisse überliefert wurden.

Auf die Frage nach dem Lohn für seine Arbeit, sagte der Alois: "Geh, gib mer a Fufzgerl" , wobei allerdings nicht 50 Pfennig, sondern 50 Reichsmark gemeint waren, die mein Opa auch bezahlte.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie gerechtfertigt der Ausgang Irlmaiers' Gaukeleiprozesses 1947 in Laufen tatsächlich war. Vorwurf war die Ausübung der Hellseherei gegen Bezahlung (§ 54, "Gaukelei-Paragraph").

Die Erzählungen über den Prozeß kaprizieren sich auf den angeblichen "Live-Beweis" Irlmaiers, indem der den Gerichtsdiener zum Haus des Richters laufen ließ, der dort die beschriebene Situation vorfand.
Irlmaier soll deswegen freigesprochen worden sein. Genaugenommen wäre die Fähigkeit der Hellseherei damit zwar bestätigt, der eigentliche Vorwurf der Bezahlung aber nicht widerlegt. :-D

Urteilsbegründung:
"Die Vernehmung der Zeugen (es folgen die Namen) hat so verblüffende, mit den bisher bekannten Naturkräften kaum noch zu erklärende Zeugnisse für die Sehergabe des Angeklagten erbracht, daß dieser nicht als Gaukler bezeichnet werden kann."

Berndt führt in seinem Buch weiter aus, der Richter habe später bestritten, daß sich die Begebenheit mit dem Gerichtsdiener und seiner Frau/dem Gast zu Hause so zugetragen habe. Vermutlich handelt es sich hierbei um eine Lüge der Irlmaieranhänger.
Das macht Berndt aber nicht stutzig, denn Irlmaiers weltgeschichtliche Prophezeiungen wären, Gott sei Dank, von mehreren Leuten unabhängig publiziert worden, so daß klar wäre, was er gesehen habe. Das ist ein klarer Fehlschluß und Zirkelschluß (es ist wahr, weil es wahr ist), denn ob eine Geschichte – wahr oder falsch – von mehreren verbreitet wird, sagt noch nichts über ihre inhaltliche Richtigkeit aus.

Der vollständigen Urteilsbegründung folgend, die Berndt abdruckt, wurde Irlmaier in dubio pro reo freigesprochen, weil nicht bewiesen werden konnte, daß er ein Gaukler sei, was aber nicht bedeute, daß er eine echte Sehergabe habe. Das Gericht vermochte hierüber natürlich keine Fachbewertung abzugeben. In der Begründung wird weiter ausgeführt, daß Irlmaier zumindest von den Ratsuchenden, die ihn am Wochenende aufsuchten, keine Gebühr nahm, sondern lediglich freiwillige Geldgeschenke (deswegen Preise zu erheben, hatte er wegen des Ansturms freiwilliger auch gar nicht nötig).

Schon der Freilassinger Pfarrer, der Irlmaier damals anschwärzte, schrieb in seinem Brief, daß Irlmaier zwar keine Gebühren für seine Gabe nehme (in Bezug auf die Wochenendbesuche), sich aber durch Geschenke ein anständiges Vermögen erworben habe. Darauf spielt der amerikanische Bericht vermutlich an.

Der bayerische Regierungspräsident zitierte in einem Brief an das Amtsgericht Laufen im Vorfeld des Prozesses ein Dossier des Münchner Polizeipräsidiums, demnach Irlmaier schon 1937/38 in der Gegend von Traunstein und Laufen als "Strahlenhypothetiker (Pendler, Vertreter von Erdstrahlentheorien, Magnetopathen) in übler Weise in Erscheinung getreten" sei, weswegen er drei Monate Gefängnis verbüßt habe. Insgesamt sei Irlmaier zum damaligen Zeitpunkt 14 mal vorbestraft gewesen, sieben mal wegen Betruges.
In diesen Bereich gehört wohl auch Deine Anekdote. Das ist der Teil seiner Tätigkeit, der wohl werktags außer Haus stattfand und mit seiner Brunnebauertätigkeit zusammenfiel. Diese Anwendungen seiner Gaben wurden im Gaukeleiprozeß allerdings gar nicht betrachtet. Vielleicht wäre das Urteil dann etwas anders ausgefallen?

Gruß
Taurec


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