Zu Irlmaier und Rill (Schauungen & Prophezeiungen)

RichardS @, Freitag, 18.04.2014, 15:47 (vor 2474 Tagen) @ WG (6111 Aufrufe)
bearbeitet von RichardS, Freitag, 18.04.2014, 15:54

Hallo, WG!

Nach der bisherigen Diskussion bin ich dabei, mich um 180 Grad zu drehen.

Insbesondere bin ich geneigt, Randomizers Skepsis zu folgen – hier noch mal Randomizers einschlägige Passagen speziell zum ‚gelben Strich’-Komplex:

„Im Falle des gelben Striches kann ich das momentan zwar noch nicht beweisen, aber da ich ja ca. 3/4 der Irlmaier-Aussagen für Plagiate halte, bin ich auch hier äußerst skeptisch. Die Nordseebombe hat sich Irlmaier ganz gewiß angelesen bzw. kombiniert: die militärische Idee einer solchen Bombe kursierte seinerzeit (1950 +/- 5 Jahre) u.a. auch in der Presse, so daß Irlmaier diese (irrige) Idee mit den ihm ebenfalls bekannten Vorhersagen über den angeblichen Untergang Englands kombinierte und daraus seine Nordsee-Kasterl-Legende konstruierte.“

Und:

„mein Verdacht: die Vorstellung von einem Kampfstoff-Streifen ist weder von Irlmaier selbst noch ein Plagiat einer (uns unbekannten) früheren Prophetie, sondern eine Idee, die Irlmaier aus irgendeinem obskuren Zeitungsartikel oder einer wirren Nachkriegsbroschüre kennen konnte. Damit löst er in 'seinem Szenario' das Problem des merkwürdig schnell scheiternden Angriffs (einen sehr kurzen Krieg postulieren ja alle seine Vorlagen). Zu diesem Zeitpunkt (Ende 1949) kannte Irlmaier die Feldpostbriefe noch nicht und konnte das Scheitern des russischen Angriffs also nicht mit dem Naturereignis in Süddeutschland erklären (das wird aber in Adlmaiers Drittauflage 1961 nachgereicht, dann natürlich in Kenntnis der Feldpostbriefe).“

Und bezogen auf die Vermutung, zumindest die „Aussagen über die aufsteigenden Flugzeuge in der Wüste“ seien „echt“:

„Ohne das gerade belegen zu können, bin ich mir dennoch ganz sicher, daß die USA damals (1949/50) bereits 'Luftwaffenstützpunkte' in der Wüste hatten: also weder Präkognition noch Plagiat, sondern in diesem Fall vermutlich einfach Gegenwartslogik.“

Insgesamt gesehen ‚beweist’ hier Randomizer nichts, aber im Licht seiner sonstigen Ausführungen weiter oben im Faden steigt die Wahrscheinlichkeit dramatisch, dass er auch bezüglich des ‚gelben Strichs’ den richtigen Riecher hat. Insbesondere wenn ich dann noch BB’s Hinweise auf die Unlogik hinzunehme, die Irlmaiers 'gelbe Strich'-Bilder enthalten!

Mein persönliches Fazit: Auf dieser Basis ist es mir völlig egal, ob „der Westen“ technisch und / oder finanziell heute oder in zwanzig Jahren in der Lage ist oder sein könnte, so etwas wie einen ‚gelben Strich’ zu fabrizieren. Ich mache mir über den Realismus gedanklicher Konstruktionen, die höchstwahrscheinlich nur vortäuschend als ‚Schauung’ ausgegeben wurden und die so, wie sie beschrieben wurden, ohnehin nicht zutreffen können, keine Gedanken – bis auf Widerlegung des Verdachts und der Kritik daran.

Irlmaier zerbröselt für mich weiter wie Sand. Und wie Randomizer schon schrieb: Rill, trotz aller Macken, bleibt demgegenüber als ernstzunehmende Quelle (aus zweiter Hand) übrig.

@ Randomizer:

Auf Taurecs

„Einschub: Womöglich sind auch diese Aussagen (gelber Strich, Heersäulen, Hochgestellter, Friedenskonferenz, Überflutung Norddeutschlands usw.) in Wirklichkeit Plagiate, wobei uns nur die Quellenkenntnis fehlt, das zu erkennen.
Vielleicht weiß da Randomizer mehr.“

schriebst Du:

„momentan kann ich dem vorläufigen Fazit nichts weiteres hinzufügen: "..grob 3/4 der Irlmaier'schauungen' halte ich für Plagiate, das andere 1/4 kann ich nur noch nicht beweisen bzw. ist vielleicht einfach schwer zu belegen (da mutmaßlich von Irlmaier zusammengereimt und nicht direkt plagiiert). Ob überhaupt eine authentische (eigene) Schauung Irlmaiers dabei ist, mag ich derzeit noch nicht entscheiden/beurteilen."

Bei den „Heersäulen“, diesem Kernstück des von ihm 'gesehenen' Russendurchmarschs, könnte es sich jenseits von Plagiaten, Zusammengereimtem oder einer eigenen Schauung auch um etwas handeln, was ich zwar keine Schauung im strengen Sinne, aber doch eine authentische außersinnliche Wahrnehmung nennen würde: Denn nach den Berichten konnte Irlmaier bei Ratsuchenden – vor allem im persönlichen Kontakt – durchaus für sie Hilfreiches aus der Vergangenheit, Gegenwart oder näheren Zukunft ihres Umfeldes ‚wahrnehmen’. Zeitnahes also, möchte ich behaupten. Und die drei Heersäulen, die Durchmarschpläne, lagen, falls ich mich als Leser dieses Forums richtig erinnere, damals, in den 1950ern, bereits ausgearbeitet in den Schubladen. Das könnte er ‚aufgeschnappt’ haben, was ja auch schon eine Leistung gewesen wäre. Als schauungsbasierte Zukunftsaussage für uns (2014) wäre ein ‚Aufschnappen’ dessen, was damals in der Luft, lag, allerdings völlig wertlos … ‚Zum Glück’ gibt es unabhängig davon Rill, dessen Feldpostbrief das zugrunde liegende Szenario – Russendurchmarsch – ebenfalls enthält.

Gruß,
Richard


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