Rein "germanistisch / philologisch" ... (Schauungen & Prophezeiungen)

RichardS @, Mittwoch, 16.04.2014, 15:00 (vor 2476 Tagen) @ Taurec (6143 Aufrufe)

Was mir aber (wohl aufgrund philologischer Unkenntnis) nicht einleuchtet: Warum soll das Komma ausgerechnet nach Polen, nicht etwa nach Frankreich in einen Punkt umgewandelt werden, wie es Bekh getan hat?
Eine germanistische/philologische Erläuterung würde mich freuen.

Sollte es da einen Spielraum geben, wäre die Version in der Zeitschrift nur eine Variante von mehreren.

Hallo, Taurec!

Unabhängig davon, dass ich vor langer Zeit im angesprochenen Bereich auch mal studiert habe, glaube ich zu dieser Frage mich einmischen und behaupten zu dürfen: Rein sprachlich gesehen - also nur diesen einen Satz für sich allein betrachtet! -, könnte das Komma auch nach Frankreich in einen Punkt verwandelt werden - genauso wie nach Polen. Es ist eine Schwäche des Satzes bzw. dessen Verfassers, so unklar auszudrücken, welches Land in der Aufzählung der "kriegsführenden Staaten" das letztgenannte ist und welches in der Aufzählung der "mit sich selbst" beschäftigten Länder das erstgenannte ist. So blöd es klingen mag: Es steht nur fest, dass der Verfasser des Satzes in beiden Fällen - kriegsführende, mit sich selbst beschäftigte - mehr als nur einen der aufgezählten Staaten meint.

Ich vermute, dass dem Verfasser (Adlmaier) diese Ungenauigkeit gar nicht bewusst war, da er andernfalls wohl genauer (unmissverständlicher) seine Quelle / Vorgabe wiedergegeben hätte. Denn die Ungenauigkeit bringt ja ihm, der gerne etwas entsprechend seiner persönlichen Interessen färbte, im konkreten Fall nichts. Die ungenaue Formulierung Adlmaiers dürfte also heißen, dass es für ihn quasi auf der Hand lag, wo die Trennungslinie in den zwei Aussagen seines Satzes zu ziehen ist.

Das könnte bedeuten, dass er von einer anderen Vorlage abschrieb - das heißt: sie umschrieb, ohne zu bemerken, dass er etwas genau Formuliertes in etwas ungenau Formuliertes verwandelte.

Doch bleibt auch in diesem angenommenen Fall die davon unabhängige Frage:

Gibt es etwas, was die genannten Länder 'wie selbstverständlich' in zwei Gruppen sortiert? So dass einem Adlmaier - auch im Hinblick auf seine Leser - die eigene Ungenauigkeit nicht auffiel? Nicht so richtig. Aber in einer Hinsicht vielleicht doch: "Frankreich, England und Amerika" sind die drei westlichen Siegermächte ... mit "Türkei, Deutschland, Polen" nannte er drei Länder, die damals an die UDSSR grenzten bzw. mit der damaligen BRD (und Polen) an die russische Besatzungszone DDR, die in diesem Sinne also auch eine Gemeinsamkeit hatten, eine, die sie von "Frankreich, England und Amerika" unterschied.

Das könnte zusätzlich für Randomizers These sprechen, getrennt von der von ihm zitierten Zeitschrift aus den 1950ern.

Andrerseits bleibt, dass es 'Quellen' gibt, die, wie Du schon schriebst, auf eine Involvierung zumindest von Frankreich hindeuten. Sofern man diese Involvierung nicht in Anschlag bringen kann, andrerseits aber an den 'Kämpfen entlang des Rheins' festhalten will, blieben wohl nur (west)deutsche Kräfte übrig.

Aber noch einmal: Die reine Interpretation des Satzes mit den vier Kommatas kann weder die eine noch die andere Variante eindeutig begründen. Eindeutig ist allein Randomizers Zitat "Die Engländer, Amerikaner und Franzosen werden mit sich selbst genug zu tun haben".

Gruß,
Richard


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