Erstveröffentlichung der Rill'schen Feldpostbriefe (Ende 1951) (Schauungen & Prophezeiungen)

randomizer @, Sonntag, 01.11.2020, 06:54 (vor 169 Tagen) (1613 Aufrufe)
bearbeitet von randomizer, Sonntag, 01.11.2020, 07:09

Hallo miteinander,
seit einigen Jahren bin ich euch noch die Quelle der Erstveröffentlichung der Rill'schen Feldpostbriefe schuldig. Ihr seid hier zwar gut mit der Quellenlage vertraut, der bisherige Stand sei aber trotzdem kurz nochmal zusammengefasst:
Rills Feldpostbriefe samt Hintergrundgeschichte wurden Mitte 1953 durch die Veröffentlichung Frumentius Renners1 erstmals einer kleineren (bayerischen) Leserschaft bekannt, Ende 1955 folgte ein ähnlicher Artikel in dem überregionalen parapsychologischen Periodikum "Neue Wissenschaft"2. Die Geschichte wird von Renner seriös und unaufgeregt dokumentiert, seine beiden Veröffentlichungen in den kleinauflagigen Zeitschriften blieben aber weitgehend ohne Resonanz und Verbreitung. Jahrzehnte später erst wird Prof. Hans Bender5 hierauf aufmerksam und rollt Rills Fall nochmals mit einer gründlichen Recherche neu auf. Neben Renners Aufsätzen gibt es noch einen zweiten Überlieferungsstrang, ausgehend von dem Abschnitt "Der 'spinnende' Kriegsgefangene" in Adlmaiers Zweit3- und Drittauflage4. Adlmaiers Kapitel ist offenbar unabhängig von Renner, da Adlmaier Einzelheiten nennt, die Renner (aus Diskretionsgründen) verschweigt. Als Einsender/Quelle nennt Adlmaier nur lapidar den "Klosterpater B." (vielleicht identisch mit dem später bei Bekh erwähnten Rill-Zeugen Pater Balthasar Gehr?), vermutlich war das jemand aus dem Umfeld von Dr. Philipp Arnold, Pater Frumentius Renner, Bruder Valentino Reitberger, Pater Josef Alto Ziegenhaus oder Prof. Max Lepsche.

1) Renner, P. Frumentius: „Der prophetische Franzose“. in: Missionsblätter : Organ der Erzabtei Sankt Ottilien, 48. Jahrgang, Heft 7/8 (Juli/August 1953), S. 114-117 + Heft 9/10 (September/Oktober 1953), S. 152-155
2) Renner, P. Frumentius: „Der prophetische Franzose“. in: Neue Wissenschaft : Zeitschrift für Parapsychologie, Jahrgang 5, Heft 11/12 (November/Dezember 1955). S. 365-371 + Jahrgang 6, Heft 1 (Januar 1956), S. 19-24
3) Adlmaier, Conrad: Blick in die Zukunft : Die Geschichte des Mühlhiasl. Die Voraussagungen des Alois Irlmaier. Traunstein 1955, S. 32 ff.
4) Adlmaier, Conrad: Blick in die Zukunft : Was bayerische Hellseher voraussahen; Geschichte des Mühlhiasl; Geschichte des Sehers von der Saalach. Traunstein 1961, S. 44 ff.
5) Bender, Hans: Kriegsprophezeiungen, Teil I: Der prophetische Franzose. in: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 22. Jahrgang, Nr. 1/2, Freiburg 1980, Seite 1-22


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Der Wortlaut der Feldpostbriefe war privat gewiß schon vor Renners Artikel im Umlauf, vielleicht maschinenschriftlich oder als Fotokopie. Nun ist sogar eine frühe gedruckte Quelle der Prophetie aufgetaucht, die bereits von Ende 1951 datiert. In der Literatur blieb diese Erstquelle bisher unberücksichtigt, hier im Forum hatte ich deren Existenz aber vor ein paar Jahren schon angedeutet. Es handelt sich um eine frühe Prophezeiungssammlung aus der Feder von Marcus Varena:

Varena, Marcus: Die kommenden Schicksalsstunden der Menschheit, II. Die Propheten und Prognostiker der Gegenwart. in: Futurum : Wir rufen die Zukunft : Unanhängige und überparteiliche Zeitschrift für Fortschritt, Wissen und Unterhaltung, 1. Jahrgang, Nr. 2, Scheibbs o.J. (1951), S. 5-6


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Der vollständige Wortlaut dort:


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"33. Der dritte Weltkrieg wird nur 28 Tage dauern?
Die Teufelszeit naht!

Eine Vorausschau aus dem Jahre 1914 von einem gewissen Rüll in Untermühlhausen bei Geretshausen in Frankreich greift weit über unsere Zeit in die Zukunft. Sie besagt, daß der 1. Weltkrieg "unter der Fuchtel" weitergehe. "In dieser Zeit wird der Antichrist geboren, im äußersten Rußland von einer Jüdin. Er tritt aber erst in den 50er Jahren auf - dann, wenn der Markustag auf Ostern fällt". Das müßte der 25. April zwischen 1950 und 1960 sein. Vor ihm aber komme ein Mann aus niedriger Stufe und mache in Deutschland alles gleich, er regiere mit Strenge, nehme den Leuten alles durch Steuern und für Kriegsrüstungen weg und strafe sie entsetzlich; es gibt kein Recht mehr, dafür viele Maulhelden und Betrüger und Mörder. Wer zweifelt daran, daß Hitler damit gemeint sein muß? Er ist aber noch nicht der Antichrist, 1932 beginnt es, neun Jahre dauert es (13 Jahre waren es aber, da Hitler diktierte), 1938 beginne der Krieg, der nicht ganz drei Jahre dauere, sobald Volk und Soldaten aufstünden gegen diese Schwindler und die Lumpereien (Witzleben gegen NSDAP). "Wenn sich die Schweiz an Deutschland anschließt, ist der Krieg bald aus." Wir wissen, daß alles zum Einmarsch bereit war. Es wurde im letzten Augenblick abgewendet. Meint der Seher nur dieses oder bezieht es sich auf den 3. Weltkrieg? Denn er sagt weiter. "Deutschland ist zerrissen und ein neuer Mann tritt zutage, der das neue Deutschland aufrichtet. Wer das fleißigste Volk besitzt, erhält die Weltherrschaft. England wird der ärmste Staat Europas sein, denn Deutschland ist das fleißigste Volk. Am Schluß kommt ein Feind und fällt über den Süden Deutschlands her. Er wird aber zurückgeschlagen, da die Narur eingreift. In Süddeutschland wird das große Naturereignis eintreten und alle Welt wird schaulustig dort hinwandern. Da werden die Sieger um Rat zu den Besiegten kommen, denn auch ihnen wird es sehr schlecht gehen. Beim dritten Weltgeschehen, wenn der Feind im Chiemgau einfällt, werden aber die Berge von dort Feuer speien. Bis zur Donau und Inn wird alles dem Erdboden gleichgemacht und vernichtet. Die Flüsse versickern und werden durch die Naturkatastrophe so seicht, daß keine Brücke mehr nötig ist. Von der Isar an werden die Leute nur Not und Hunger haben. Die schlechten Menschen gehen wirklich zugrunde, und zwar geschieht alles im Winter, wenn es schneit. Das Schicksal der Kirche sieht es wie viele Propheten als schlimmen und verdienten Untergang, wenn er unter anderem dazu sagt: "Die Religion wird gründlich ausgeputzt und gereinigt." Der Papst muß als Verräter fliehen, kommt nach Köln und findet nur Trümmer. Und eine neue Kirche erhält den Siegestriumpf.

Wie schon bei 2 Fällen die Jahreszahl nicht gestimmt hat, so auch bei seiner Prophetie, daß 1949 der Aufstieg und Friede beginnen werde. Es ist interessant festzuhalten, daß schon ein anderer der neuen Hellseher, Johannes Friede, das Jahr 1949 als Ende aller Kriegsgefahren usw. zu | Unrecht voraussagte. Ich gehöre bei aller Kritik, die ich immer wieder bei Angaben fester Daten üben muß, nicht zu denen, die ein fehlgegangenes Datum allzu tragisch nehmen. Es ist gewiß unverantwortlich, einen fixen Zeitpunkt für besonders wichtige Weltereignisse anzugebenm gewiß blamabel und voreilig, aber wir hatten schon einmal festgestellt, daß die Seher deshalb nicht auch inhaltlich Unrecht haben müssen. Datum und Inhalt sind zwei grundverschiedene Begriffe. Es muß bei Angabe von 1949 als Wendepunkt etwas uns Unbekanntes
dazwischengefunkt haben, woraus sich das falsche Datum ergab. Am vorausgesehenen Inhalt ändert dies gar nichts. Es bleibt abzuwarten, was Wahres daran ist. Die heutige Weltsituation läßt jedoch rein prognostisch aus das durchaus mögliche Eintreffen vorgesagter Prognosen schließen. Denn hören wir weiter: "Die Leute sinken immer tiefer in der Moral, Haß und Neid wachsen wie das Gras. Der gute Mensch kann fast nicht mehr bestehen (nur die Gauner, oben wie unten, sind Besitzer, die anderen sind elend und beladen). Regierungen können ihr Ziel nicht erreichen, denn sie lösen einander ab. Die Leute bedienen sich aller möglichen Ausreden und Religionen (hunderte Sekten stehen auf und "verkünden"). Das dritte Unheil bricht herein, furchtbar wird es zugehen. In Süddeutschland bricht der Feind herein (1914 vorausgesagt, wer hätte das damals ernst genommen?) Angst und Schrecken herrschen. Die Leute können jetzt gute Lehren ziehen. Aber es ist zu spät. Dann geschieht das oben Erwähnte. Die Engländer, Amerikaner und Franzosen* werden mit sich selbst genug zu tun haben. Der 3. Weltkrieg wird nur 28 oder 58 Tage dauern. Wann das sein wird? Wir werden nicht allzu lange Zeit darauf warten müssen, wenn die Weltverantwortlichen so weiterregieren."

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Auffälligerweise ist in dieser Quelle weder von Briefen noch dem prophetischen Franzosen selbst die Rede, es wird lediglich auf Rühl (statt Rill) aus Untermühlhausen verwiesen. Der epitomisierte Text konzentriert sich auf die vermeintlich noch ausstehenden Prophetien Rills. Die Relevanz der mündlichen Ergänzungen für die (zu korrigierende) Interpunktion bei Adlmaier hatte ich bereits 2014 betont. Es muß dort korrigiert lauten: "Die kriegführenden Staaten seien Rußland gegen Türkei, Deutschland, Polen[.] < < < Frankreich, England und Amerika seien mit sich selbst beschäftigt."

@Ulrich: Deine originelle Idee, die Echtheit des 2. Briefe zu bezweifeln bzw. dessen Authentizität getrennt/unabhängig vom 1. Brief zu prüfen, hat mich beeindruckt, verblüfft und sprachlos gelassen. Die These, der erste Brief sei authentisch (1914), der zweite jedoch nachträglich (~1946) verfasst, ist dermaßen kühn, daß ich mich dazu bisher nicht äußern mochte. Deine vorgetragenen Argumente sind legitim und prüfenswert, ich mag Deiner Schlußfolgerung aber noch nicht ganz folgen. Immerhin wiegt die implizite Unterstellung der Unaufrichtigkeit Rills schwer, solch ein Vorwurf muß besonders gut begründet sein. Vielleicht finde ich nochmal Muße und Zeit, Deine These gründlicher abzuklopfen, auf jeden Fall behalte ich sie künftig stets im Hinterkopf.

Viele Grüße!
randomizer


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