zu "Marcus Varena" und die Feldpostbriefe (Schauungen & Prophezeiungen)

Ulrich ⌂ @, Germering, Mittwoch, 04.11.2020, 19:05 (vor 190 Tagen) @ Taurec (1003 Aufrufe)
bearbeitet von Ulrich, Mittwoch, 04.11.2020, 19:10

Hallo Taurec,

Bislang als der weitgehende Abzug der Besatzungstruppen nach dem Ende der UdSSR und richtige Vorausschau interpretiert ist die Stelle: "Die Besatzungen lösen sich voneinander und ziehen ab mit der Beute des Geraubten, was ihnen auch sehr viel Unheil bringt, [...]" Diesbezüglich wäre zu diskutieren, ob es sich hierbei überhaupt um eine korrekte Vorausschau auf 1989–1991ff. handelt, oder nicht vielmehr um eine falsche Projektion in die nahe Zukunft um 1950 (baldiger Abzug der Besatzungstruppen und "drittes Weltgeschehen"), die nicht eingetroffen ist und nur zufällig 40 Jahre später durch dazu passendes Ereignisse eine scheinbare Erfüllung erfuhr.

ich meine, weder noch.
Jeder Leser nach dem Oktober 1946 wusste, worauf diese Phrase verweist, weil es durch die Tagespresse ging und ein Politikum war:

1945/46 fand seitens der USA die "Operation Overcast"/"Operation Paperclip" statt.
Die Russische Version, "Aktion Ossawakim" wurde am 21. /22. Oktober 1946 durchgeführt.
https://schauungen.de/forum/index.php?id=51987

Nur wir "Schauungsgläubigen" deuten das um, um dann doch wenigstens einen visionären "Treffer" für den zweiten Brief verbuchen zu können, und damit das Festhalten an den restlichen Zukunfts-Phantasien zu rechtfertigen.

Ebenso wie bezüglich der Passage, "kommt die ganze Lumperei auf", die sogar Renner selbst nicht in seine morbiden "heils"-geschichtlichen Untergangserwartungen einbezog, sondern - spätestens 1990 - ganz unmissverständlich der Vergangenheit zuordnete, den 30er/40er Jahren: "gemeint war unverkennbar die Hitlerzeit"
https://schauungen.de/forum/index.php?id=53722

Falls man den Faden eines "gefertigten" zweiten FPB verfolgen will, hätte ich Gründe, in Richtung des Dunstkreises um Prof. Max Lebsche (nicht Lepsche) zu suchen, ultrakonservativ katholisch, als Monarchist politisch aktiv, in Vertrauenspositionen (ja, Plural) seitens der Alliierten. Auf diesem Mist sind auch zahlreiche andere Fälschungen und Erfindungen gediehen, wie man nach einem Blick in die Tonne weiß.

Nebenbei: "Marcus Varena", meines Wissens ein Pseudonym, möglicherweise Pino Buchner, den aber auch kein Schwein kennt, schreibt in seinem Traktat konsequent "diplomatisch" dreimal "Feind", nicht wie Rill "Russland", obwohl er aus beiden Briefen ansonsten weitgehend wörtlich zitiert.
Das liest sich dann gestelzt so:
"Am Schluß kommt ein Feind...", "...wenn der Feind im Chiemgau einfällt...", "...In Süddeutschland bricht der Feind herein".
Das ist, in meinen Ohren, der typische Jargon politischer Propaganda.

Gruß
Ulrich


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