"bald" (Schauungen & Prophezeiungen)

Gwendolin @, Montag, 30. November 2015, 19:45 (vor 1680 Tagen) @ Taurec4237 mal gelesen

[Das Kind daraufhin:] ‚Bei uns wird auch bald alles gesperrt sein wegen (und jetzt kommt’s!!!) wegen die obamischen Waffen‘ (!!!)


dass er "bald" gesagt hat, finde ich auch sehr interessant.
Wenn man bedenkt, was ein Vierjähriger mit "bald" etwa meinen könnte.

"Bald" ist ein ziemlich dehnbarer Begriff, wie wir alle wissen.
Für eingefleischte Hartgeld-Leser beispielsweise, bedeutet "bald"
so viel wie "am Sankt-Nimmerleins-Tag."
Für die Filmtheaterbesucher, die vor dem Film einen Werbe-Trailer "bald hier in Ihrem Kino" ansehen, bedeutet "bald" in diesem Zusammenhang "in wenigen Wochen". Für den Menschen mittleren Alters bedeutet "bald" nicht morgen, auch noch nicht übermorgen, vielleicht übernächsten Monat, aber so innerhalb eines Jahres. Es hängt im Alltag selbstverständlich auch noch davon ab, um was es im einzelnen gerade geht.
Für eine alte Oma oder einen alten Opa kann "bald" mitunter erst "in sieben oder zehn Jahren" oder "kurz nach meinem Ableben" bedeuten. Und für ein Kind, das erst seit sehr kurzer Zeit auf der Erde weilt?
Ein einziger kurzer Monat ist für die Empfindung eines Kleinkindes schon eine beachtliche Zeitspanne; ein halbes Jahr oder ein Jahr fast eine Ewigkeit.
Was also empfand der Kleine, als er "bald" sagte. Sprach er in diesem Moment aus seiner (sehr eingeschränkten) Zeitempfindungs-Perspektive als Vierjähriger, oder aus einer Art übergeordneter Zeitperspektive (also völlig unabhängig von seinem sehr jungen Alter dieses gegenwärtigen Lebens), aus welcher "bald" eben auch erst "in einigen Monaten" oder "in ein paar Jahren" bzw. "in irgendwie noch absehbarer Zeit" bedeuten kann?


Und zu "obamisch": Ich erinnere mich selbst noch sehr gut an die Zeit, als ich drei bis fünf Jahre alt war. Ich bin/war als Kind hochsensibel (wenn mir auch nichts darüber bekannt ist, dass/ob ich damals auch hellsichtig gewesen sein könnte). Ich war oft in meiner Gedankenwelt versunken, dazu bin ich stark synästhetisch veranlagt. Abgesehen davon, hatte ich eine "Marotte" (ich weiß nicht, inwiefern es eine Marotte war, oder ob dies viele Kinder so machen?). Ich habe Personen und Dingen "insgeheime" Namen gegeben. Zum Beispiel gab es in unserer Nachbarschaft eine ältere Dame, "die Frau Hundertweg" :-) (Name geändert, doch ich kann es mit abgeändertem Namen genausogut erklären). Im Kindergarten gab es ein Mädchen in meiner Gruppe, die mich irgendwie, vom Aussehen und der Art her, an Frau Hundertweg erinnerte. Sie hatte jedoch mit Frau Hundertweg überhaupt nichts zu tun. Weder war sie mit ihr bekannt oder verwandt, jedenfalls nicht, dass ich wüsste, noch
wohnte das Mädchen in ihrer /unserer Nähe. Ich nannte das Mädchen aber insgeheim "die Hundertwegsche" (wirklich: mit "sche" an den Namen angehängt). Ich habe das Mädchen aber nie mit "Hunderwegsche" angesprochen. Aber innerlich nannte ich sie so. Das Mädchen hatte eine "Clique", eine Gruppe von anderen Mädchen, mit denen sie ständig zusammen spielte. Die hießen für mich "die Hundertwegschen".
Und diese Gruppe sangen immer ein bestimmtes Lied (es hatte mit unseren gängigen Kindergartenliedern nichts zu tun), das war für mich "das Hundertwegsche Lied". Einmal habe ich zuhause dieses Lied vor mich hin gesungen. Meine Mutter hat mich gefragt, 'Oh, woher kannst du dieses Lied? Aus dem Kindergarten?' - Ich entgegnete: 'Das ist das Hundertwegsche Lied.' Meine Mutter schaute irritiert, da sie dachte, ich meinte (natürlich) Frau Hundertweg. Ich erklärte ihr damals, dass es doch "von den Hundertwegschen" käme. Das verstand meine Mutter natürlich dann wiederum nicht. Sie hat sicherlich etwas gerätselt, wie denn diese Bezeichnung zustande gekommen sein mag (ich erinnere mich nicht mehr, inwiefern ich ihr da noch weiteres erzählt habe).
Jedenfalls vermute ich, dass es bei dem vierjährigen Kind hier in dem Thread evtl. ähnlich gelagert sein könnte.
Obama ist dunkelhäutig, nicht weiß, aber auch nicht maximal schwarz. Die meisten Terroristen, die man so aus dem Fernsehen kennt, sind ebenso dunkelhäutig (wenn auch eher Araber). Vielleicht kam der Begriff "obamisch" bei dem Kleinen auf ähnliche Weise zustande. Obama dürfte er vom Sehen her aus dem Fernsehen kennen, selbst wenn er kaum fernsieht und noch zu klein für Erwachsenensendungen ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich, wäre ich heute vier, dunkelhäutige Leute, oder eine Gruppe von dunkelhäutigen, die ich irgendwo bewusst in meiner Umgebung, ob daheim oder im Fernsehen, wahrnehme, dann mit "obamisch" bezeichnen würde.
Da fällt mir noch ein anderes Beispiel ein. Aus dem Fernsehen kannte ich, obwohl ich als Schulkind (zu dem Zeitpunkt also schon etwas älter als der Junge hier im Thread, doch immer noch recht "klein") kaum fernsah, H. J. Kulenkampff. In der Nachbarschaft gab es einen Jungen, den ich nicht näher kannte, aber den ich "den Kulenkampffschen" nannte, und sein Fahrrad, das ein wenig speziell aussah und lustig dekoriert war mit "das kulenkampffsche Fahrrad",
einfach, weil es das Fahrrad des Kulenkampffschen war-- Hätte ich das einem Erwachsenen damals irgendwie erklärt, hätte der das wohl nicht auf Anhieb verstanden. Was hat ein Fahrrad mit vielen Wäscheklammern und Wimpeln mit dem beredten Herrn von der großen Showbühne zu tun :-)
Dennoch habe ich damals sicherlich vorausgesetzt, dass ein Erwachsener relativ problemlos verstehen dürfte, was ich meinte, würde er mich denn darauf ansprechen.
So das war lang, nur das sind meine Gedanken dazu. Mir war das neulich schon durch den Kopf gegangen... Viele Grüße!
Gwendolin


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