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Für die Klärung "Pollyons" aber unerheblich (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Samstag, 28. November 2015, 16:17 (vor 1688 Tagen) @ Sphynx3944 mal gelesen

Hallo!

"Abgrund" bedeutet in der Mythologie "Leere" oder "leerer Raum" und beschreibt das Unmanifeste, das Formlose. Das wiederrum ist zu verstehen als reines Potential, daraus kann alles werden, aber noch nichts ist da.
Der Abgrund ist der Raum des Chaos, hier wird in der Neuzeit etwas negativ interpretiert, aber in der Mythologie ist Chaos die "Ursuppe" aus der Gott sich letztenendes als Blaupause allen Bewusstseins "herrauskristalisiert" hat.

Das wirkt wie eine zum ursprünglichen Thema zusammenhanglose Erwiederung.

In der Offenbarung kann (muß aber nicht) kompletter Unsinn stehen, aber als Teil der Bibel ist sie Kulturgut, das Motive und Symbole zum Ausdruck anderer Inhalte zur Verfügung stellt. Die bloße Bedeutung des griechischen Wortes und der damit benannten Figur ist wichtig und davon ausgehend das positive Gegenstück, um die Bedeutung von "Pollyon" zu erklären.
Ob "Apollyon" metapysisch Unsinn ist oder nicht, tut tatsächlich nichts zur Sache.
Ich schreibe dennoch etwas zum Rest.

Leider war das Christentum als Endzeitsekte nicht besonders bewandert in Metaphysik und sah in Allem etwas Böses was nicht ihr Gott ist. Zu dieser Anschauung muss eine Endzeitsekte zwangsläufig kommen, schliesslich läuft ja alles auf ein schreckliches Ende hinaus, mit viel Krachbumm.

Ich schrieb es bereits gelegentlich: Das ursprüngliche Christentum als nahöstliche, "magische" Religion lebte in der ständigen Naherwartung des Weltendes. Die Schöpfung war in deren Auffassung eine begrenzte Geschichte weniger Jahrtausende zwischen Schöpfung und Weltende, in der sich ein polarer Kampf zwischen Gut und Böse abspielt, der letztlich von der guten, göttlichen Seite gewonnen wird. Die Offenbarung ist Ausdruck dieses Weltempfindens und war den frühen Christen gemäß.
Für den Abendländer ist die Zeit hingegen ein sich in beide Richtungen unendlich erstreckender Strahl, auf den eine abgeschlossene Geschichte nicht recht passen will. Die Offenbarung ist daher für uns mehr eine geistige Krücke, die freie Geistesentfaltung erschwert. Wenn wir in der Endzeit leben, in der das Böse endgültig besiegt wird und nach der das Reich Gottes oder ein goldenes Zeitalter anbricht: Was passiert dann in den restlichen unzähligen Milliarden Jahren des Universums in den unzähligen Billiarden Sternensystemen, die an diesem Höhepunkt der Geschichte vorbeiexistieren?
Was wir erleben, ist allenfalls für die Menschheit dieses Planeten wichtig in ihrer Entwicklung zu ferneren Zielen. Ein Durchgangsstadium.

Gerade in den Schauungen sehe ich den Stempel des Fatalismus und des Nihilismus, den das Christentum der Welt aufgedrückt hat.

Wohl nur für denjenigen, der glaubt, durch Schauungen würde Schicksal determiniert werden. Tatsächlich wird durch Schauungen der freie Wille nicht angetastet.
Auch von Schauungen die eigenen Lebensentscheidungen bestimmen zu lassen, ist die eigene Entscheidung.
"Freier Wille", ein bestimmendes unabhängiges Ich ist übrigens eine Schöpfung des abendländischen Menschen. So fremd und unverständlich es klingen mag: Menschen anderer Kulturen empfinden sich im Verhältnis zu Gott und der Welt wohl anders. Der faustische Mensch empfindent sich im Gegensatz zu Gott und der Natur, letztlich wie Faust in Auflehnung. Freiheit ist ihm das Höchste. Für den Menschen der nahöstlichen Kultur wäre Freiheit von Gott wohl eine Qual und Ausdruck der Gotteslästerung. Für ihn ist es das Höchste, zur Gemeinschaft der Rechtgläubigen zu gehören, in die sich das göttliche Pneuma hinabsenkt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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