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Eine Ecke weiter gedacht (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 12.03.2017, 12:18 (vor 1731 Tagen) @ Taurec (4401 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Sonntag, 12.03.2017, 12:42

Hallo!

Möglichkeit: Rills Formulierung ist völlig daneben, weil er nicht kapiert hat, was gemeint war.

"...und da wird in Süddeutschland ein Platz sein, wo das Ereignis sein sollte, wo die Leute von der ganzen Welt hinreisen, zu schauen."

Gemeint war aber:
"...und dann wird in Süddeutschland ein Platz sein, wo das Ereignis sein wird, das man auf der ganzen Welt sehen/bemerken wird."
=> Einschlag eines Himmelskörpers, Weltbeben, Finsternis.

Eher ungünstig wäre es, wenn der Franzose das alte Prophezeiungsmotiv des für alle sichtbaren Zeichens der Wiederkunft Christi im Sinn hatte – die selbe Vorlage, die auch Irl-/Adlmaier inspirierte:
"Am Himmel kommt ein Zeichen, der Gekreuzigte mit den Wundmalen, und alle werden es sehen."

"Bei diesem Geschehen sehe ich ein großes Kreuz am Himmel stehen und ein Erdbeben wird unter Blitz und Donner sein, daß alles erschrickt und die ganze Welt aufschreit: ‚Es gibt einen Gott!‘"

Vorlage ist Matthäus 24,30. Die Stelle dürfte eine der Urquellen für die Vorstellung der "dreitägigen Finsternis" sein:
"29Bald aber nach der Trübsal derselben Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen. 30Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. 31Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels zu dem anderen."

In diesem Falle würde man natürlich lange auf ein Ereignis in Süddeutschland warten.

Nochmal die mutmaßlichen Schritte der Interpretation/Verfälschung zusammengefaßt:
1. Bibel: "Zeichen des Menschensohnes am Himmel [...] alle Geschlechter auf Erden ... werden sehen kommen des Menschen Sohn [...]"
2. Feldpostfranzose im Gespräch (die Bibel und andere Prophezeiungen interpretierend): "Rußland überfällt den Süden Deutschlands, doch da greift Gott durch Zeichen und Naturereignisse ein. Die ganze Welt wird es sehen. Dann speien die Berge Feuer."
3. Rill in den Briefen (die Aussage mißverstehend): "Am Schluß kommt noch Rußland und fällt über Deutschland her, wird aber zurückgeschlagen, weil die Natur eingreift, und da wird in Süddeutschland ein Platz sein, wo das Ereignis sein sollte, wo die Leute von der ganzen Welt hinreisen, zuschauen."

In diesen Komplex gehören natürlich auch die anderen Aussagen in den Feldpostbriefen, die denselben Gedanken zum Ausdruck bringen, aber nicht den Fehlschluß des vorigen Zitats enthalten:
"Rußland überfällt den Süden Deutschlands, aber kurze Zeit, und den verfluchten Menschen wird gezeigt werden, daß ein Gott bestehe, der diesem Geschehen ein Ende macht."

"Beim dritten Geschehen soll Rußland in Deutschland einfallen und zwar im Süden bis Chiemgau, und die Berge sollen von da Feuer speien [...]"

Der Franzose hat wohl von einem göttlichen Eingreifen und allgemein sichtbarem Zeichen für das nahe Ende der Trübsal, bzw. Beginn der Reinigung der Erde gesprochen, alles in Anlehnung an christliche Endzeitprophetie.

Und wir rätseln nun, welches geheimnisvolle Ereignis in Süddeutschland sein könnte, das so gar nicht in den Ablauf passen will.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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