Auch der großen Seuche von 1348 ging ähnliches voraus (Schauungen & Prophezeiungen)

Georg @, Donnerstag, 07.01.2010, 12:20 (vor 4654 Tagen) @ Taurec (7489 Aufrufe)

Hallo beisammen,


Auch der großen Seuche von 1348 ging ähnliches voraus.

Unter anderem auch viel atmosphärisches Wasser.


-------------------------------------------

Die Sage vom Dobratschabsturz
Bevor das furchtbare Erdbeben des Jahres 1348 den Dobratsch wanken machte, so dass er zur Hälfte abstürzte und viele Ortschaften verschüttete, soll sich Folgendes zugetragen haben:
Am Tage Pauli Bekehrung hörte man bei Roggau an der Gail eine starke Stimme:
"Peter, schleif dein Schwert.
Schneid weg den halben Berg!
Maria Magdalen lass stehn.
Das andere lass gehn!"
Petrus antwortete: "Ich kann nicht, es stehen noch drei Säulen." Gott sprach: "So lass halt die Säulen stehen!" Darauf folgte der Krach, der Berg spaltete sich in der Mitte, seine südliche Hälfte stürzte ins Gailtal hinab und verschüttete den Fluss und die Dörfer.
Als die drei Säulen werden genannt: Zuerst eine Kapelle bei Neuhaus; dann ein Bauernhaus auf der Schutt. Hier war, so erzählt man, die fromme Bäuerin mit einem Mädchen allein zu Hause und gerade mit Brotbacken beschäftigt. Sie nahm das Brot vom Ofen und schickte das Mädchen in den Hof, um Schaten (Holzspäne) für das Feuer zu holen. Das Mädchen kam ohne Holz zurück und sagte: "Ich kann keine Schaten klauben, es ist alles voll weißer Tauben." Die Bäuerin und das Mädchen knieten sogleich zum Gebete nieder. Bald darauf hörten sie den furchtbaren Krach des Bergsturzes, ihnen aber geschah nichts. Das dritte, das vom Erdbeben verschont blieb, war die Kirche zu Siebenbrünn. In diese hatten sich die Schafe von der Weide geflüchtet. Die Spuren ihrer Füße sind noch heute in der Kirche zu sehen. Siebenbrünn aber heißt diese, weil alles ringsherum verschüttet wurde. Nur unterhalb der Kirche kommt von sieben Quellen Wasser hervor.
Weiter erzählen die Leute, dass die Pfarrkirche von Villach während des Gottesdienstes eingestürzt sei. Auf dem Kirchturm war ein Engel angebracht. Dieser fiel in der Italienerstraße an der Stelle nieder, wo heute noch ein Gasthaus zum „Engelwirt" heißt. Auch wird erzählt, dass man noch drei Tage nach dem Erdbeben aus der Tiefe des Bodens herauf einen Hahn habe krähen hören.
© Karin Priller

Dobratschabsturz - wie es wirklich war
Aus Urkunden geht hervor:
1.) dass das Kloster Arnoldstein an den Folgen des Erdbebens, durch welches 17 Weiler und neun Kirchen vernichtet wurden, noch im Jahre 1391 schwer litt und der Schaden dem Patriarchen von Aquileja so gewaltig schien, dass er dem Kloster das große Gebiet von Hermagor zur Nutznießung überließ,
2.) dass die Pfarre St. Johann unterhalb des Schlosses Leonburg gelegen, gänzlich zerstört wurde, wobei auch die Bewohner ihren Untergang fanden.

Das Merkwürdige dabei ist, dass in diesen ältesten, noch erhaltenen Quellenmaterial von einem Bergsturze nicht die Rede ist. Es erhellt daraus die Wahrscheinlichkeit, dass an der dokumentarisch beglaubigten Vernichtung der 17 Orte (laut Urkunde vom Jahre 1391), in erster Linie das Erdbeben die Ursache war, was dieselbe Urkunde ja übrigens wörtlich sagt. Dessen ungeachtet mag sein, dass der Bergsturz selbst den einen oder anderen Ort zerstört hat. Vom Kloster Arnoldstein aus betrachtet, muss es ja ein überaus großartiges Schauspiel gewesen sein; keinesfalls hat der Dobratschabsturz wirklich alle 17 Dörfer verschüttet.

Es ist eine allgemein menschliche Annahme, dass große Ereignisse ihre Schatten vorauszuwerfen pflegen. Auch für das gewaltige Naturschauspiel vom Jahre 1348 fand man, nachdem es geschehen war, allerlei himmlische Warnungen und Vorzeichen. So berichtet hievon Marian:

„Es waren aber auch diesem schreckvollen und außerordentlichen Beben verschiedene Bedeutungszeichen vorhergegangen, als da zum Beweis: Der ungemein geschwänzte Kometenstern vom Jahre 1340, dann auch die alles verzehrenden Heuschrecken und endlich das fürchterliche Blitzen und Donnern am heiligen Dreikönigstage.“

Wichtiger aber als diese vermeintlichen Vorzeichen können vielleicht die außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse auf die Bergstürze gewesen sein. Dem Nachwinter von 1342 sind ungeheure Regengüsse und Überschwemmungen gefolgt, „ita ut katarakte celi viderentur aperte“ (so, dass die Schleusen des Himmels geöffnet schienen), wie Heinrich Rebdorf erzählt. Über den Sommer und Herbst von 1347 melden viele Quellen, dass er so nass und kalt war, so dass die Früchte nicht ausreifen konnten. Ende September schon fiel heftiger Schnee, der durch 10 Tage anhielt.

Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass durch die ungeheuren Regengüsse die Klüfte des Dobratsch stark ausgewaschen wurden; so hatten dann die zahlreichen und sich früh einstellenden Fröste viele Angriffspunkte und leichte Sprengarbeit. Durch das Erdbeben sind schließlich die Blöcke und Felsenwände abgestürzt, die entweder lose oder locker gesprengt waren.

Die allerdings nicht verbürgte Angabe neuerer Quellen, dass 1348 ein gewaltiger Windstoß die Fenster des Klosters Arnoldstein zertrümmert und den Abt ins Zimmer zurückgeschleudert habe, ist sehr glaubwürdig, da auch bei vielen jüngeren Bergstürzen ähnliche Windwirkungen mitgeteilt wurden. Diese Erscheinung ist aus der gewaltigen Kompression (Zusammenpressung) der Luft vor den anstürmenden Massen und der Verdünnung der Luft hinter ihnen wohl erklärlich.

Die Mitteilung Marians, dass nach dem Dobratschabsturz im Kloster zwei Spannen hoch Staub gelegen sei, ist den natürlichen Verhältnissen ganz entsprechend, da gerade bei Felsstürzen infolge der relativ geringen Durchnässung die Steinstaubwolken am dichtesten sind.

Die plötzliche Verfinsterung, die während des Naturschauspieles eintrat, und von der Marian und andere berichten, wurde jedoch nicht durch die dunkle Steinstaubwolke bewirkt, sondern war eine vorübergehende Begleiterscheinung des Erdbebens. Selbst ist Bozener Chronik erzählt davon:“dyweil des erpydems was es finster pey scheinender sunen.“ („Während des Erdbebens war es bei scheinender Sonne finster.“) Dies beweist, dass sich die Verfinsterung nicht nur auf das Bergsturzgebiet beschränkte, sondern über dasselbe hinaus bemerkt wurde.
So brachen für Arnoldstein in seinem Unglücksjahre 1348 durch das verheerende Naturereignis, das vielfach als das größte in historischer Zeit bezeichnet wird, schwere Schicksalsschläge herein. Die gewaltigen schroffen Kalkfelsen der Villacher Alpe sind Spuren dieser schrecklichen Tage. Während aber heute Gämsen über die zerklüfteten Felswände klettern und vereinzelte Legföhren auf den steinigen Halden ihre spärlichen Lebensbedingungen finden, sprosst auf dem Schuttablagerungsgebiet am Fuße des Dobratsch in der sog. „Schütt“ die herrlichste Flora unseres Kärntner Landes.

Nun gab es für die Bewohner von Arnoldstein und Umgebung genug zu schaffen. Der Lauf der Gail musste reguliert werden und man musste trachten, das ganze Gebiet wieder urbar zu machen. Der größte Teil der klösterlichen Besitzungen war vernichtet, das früher so fruchtbare Tal in ein grauenhaftes Trümmerfeld umgewandelt und alle Bewohner in das größte Elend gestürzt. Leicht verständlich ist es aber auch, dass ein solch gewaltiges Ereignis dem Volke Anlass zur Bildung von Sagen gibt. So erzählt man sich, dass noch drei Tage nach jenem Bergsturze unter den Trümmern ein Hahn gekräht haben soll. (siehe Sage v. Absturz)


-------------------------------------------


Pestepidemie um 1348 nach einem Berliner Medizinprofessors von 1832

Deshalb seien nachstehend mit dem Kapitelchen „Ursachen. Verbreitung“ aus J. F. C. HECKER Der schwarze Tod im vierzehnten Jahrhundert (Berlin 1832) die der Pest vorausgegangenen und sie zum Teil noch begleitenden weltweit beobachteten – und daher extraterrestrisch verursachten! – KatAstrophen zusammengefasst. Um das Vorstellungsvermögen anzuregen sind einzelne Stellen unterstrichen, damit nur ausnahmsweise zu ja sich meist selbstverständlich ergebenden Kommentaren gegriffen werden muss. Die genannte Schrift eines Berliner Medizinprofessors befasst sich mit dem Schwarzen Tod aus ärztlicher Sicht und darf gerade deshalb als gewissermassen unabhängig von aktualistisch-historiographischen Interessen gesehen werden. —

Ursachen. Verbreitung.
Die Untersuchung der Ursachen des schwarzen Todes bleibt für die Lehre von den Weltseuchen nicht ohne wichtige Ergebnisse, wenngleich sie nicht über das Allgemeine hinausgehen kann, ohne in ein durchaus unbekanntes und bis auf diese Stunde unbearbeitetes Gebiet zu gerathen. Mächtige Umwälzungen in dem Erdorganismus waren vorausgegangen, wir haben von ihnen noch sichere Kunde: Von China bis an den atlantischen Ocean bebte der Erdboden, in ganz Asien und Europa gerieth der Luftkreis in Aufruhr, und gefährdete durch schädliche Einflüsse das Pflanzen- und Thierleben.
Die Reihe dieser grossartigen Ereignisse begann schon im Jahre 1333, funfzehn Jahre vor dem Ausbruch der Pest in Europa; ihr erster Schauplatz war China. Hier entstand zuerst in den von den Flüssen Kiang und Hoai [16] durchströmten Länderstrichen eine versengende Dürre, begleitet von einer Hungersnoth. Hierauf folgten in und um King-sai, der damaligen Hauptstadt des Reiches, so gewaltige Regengüsse, dass der Sage nach über 400'000 Menschen in den überfluthenden Wassern umkamen. Endlich stürzte der Berg Tsincheou ein, und es entstanden grosse Erdrisse. Im folgenden Jahre (1334) wurde, mit Uebergehung fabelhafter Ueberlieferungen, die Umgegend von Canton von Ueberschwemmungen heimgesucht, während in Tche nach einer beispiellosen Dürre eine Pest entstand, die an fünf Millionen Menschen weggerafft haben soll. Wenige Monate darauf erfolgte in und um King-sai ein Erdbeben, und nach dem Einsturz des Gebirges Ki-ming-chan bildete sich ein See von mehr als hundert Stunden im Umfange, wobei wiederum Tausende ihr Grab fanden. In Hou-kouang und Honan währte eine Dürre fünf Monate lang, unabsehbare Heuschreckenschwärme verheerten die Felder, und Noth und Seuchen blieben nicht aus. Zusammenhängende Nachrichten über den Zustand Europa’s vor der grossen Katastrophe kann man vom vierzehnten Jahrhundert nicht erwarten, auffallend ist es aber, dass gleichzeitig mit einer Dürre und neuen Ueberschwemmungen in China im Jahre 1336 viele ungewöhnliche Lufterscheinungen und im Winter häufige Gewitter im nördlichen Frankreich beobachtet wurden, und dass schon in dem verhängnissvollen Jahre 1333 der Aetna einen Ausbruch machte [16] ). Nach chinesischen Jahrbüchern sollen 1337 in der Gegend von Kiang vier Millionen Menschen durch eine Hungersnoth umgekommen sein, und Ueberschwemmungen, Heuschreckenschwärme und ein sechstägiges Erdbeben [17] unglaubliche Verwüstungen bewirkt haben. In demselben Jahre erschienen in Franken die ersten Heuschreckenschwärme, denen in den nächsten Jahren unzählige folgten. 1338 wurde King-sai von einem zehntägigen Erdbeben heimgesucht — zu gleicher Zeit litt Frankreich durch eine Missernte — und von jetzt an bis 1342 wechselten in China Ueberschwemmungen, Erdbeben und Hungersnoth mit einander ab. Dasselbe Jahr zeichnete sich auch in den Rheingegenden und Frankreich durch grosse Ueberschwemmungen aus, die man nicht bloss dem Regen zuschreiben konnte; denn aller Orten, selbst auf den Gipfeln der Berge, sah man Quellen hervorrieseln, und trockene Gegenden wurden auf unerklärliche Weise unter Wasser gesetzt. Im folgenden Jahre stürzte in China der Berg Hong-tchang zusammen, und es entstand danach eine zerstörende Wasserfluth; auch folgten auf einen dreimonatlichen Regen in Pien-tcheou und Leang-tcheou unerhörte Ueberschwemmungen, die sieben Städte verwüsteten. In Aegypten und Syrien entstanden gewaltige Erdbeben, und in China wurden diese von jetzt an immer häufiger, denn sie wiederholten sich 1344 in Ven-tcheou, wo in Folge davon das Meer übertrat, 1345 in Ki-tcheou, und in den beiden folgenden Jahren in Canton mit unterirdischem Donner. Dazwischen kamen wieder Ueberschwemmungen und Hungersnoth hier und da vor, nach 1347 aber beruhigte sich in China das Toben der Elemente [17] ).
Erst 1348 traten in Europa die Zeichen des tellurischen Aufruhrs ein, nachdem die zwischenliegenden Länderstriche Asiens wahrscheinlich auf gleiche Weise heimgesucht worden waren. Auf der Insel Cypern war die Pest von Osten her schon hereingebrochen, als ein Erdbeben die Grundfesten der Insel erschütterte, begleitet von einem so furchtbaren Orkan, dass die Einwohner, die ihre muhamedanischen Sklaven getödtet hatten, um [18] nicht von ihnen selbst unterjocht zu werden, in sinnlosem Schrecken hierhin und dorthin flohen. Das Meer fluthete über, die Schiffe zerschellten an den Felsen, und wenige überlebten das wunderbare Ereigniss, wodurch dies blühende Eiland einer Wüste gleich verödet wurde. Vor dem Erdbeben hatte ein verpesteter Wind einen so giftigen Geruch verbreitet, dass viele Einwohner, davon überwältigt, zu Boden stürzten und in grausem Todeskampfe ihre Seele aushauchten [18] ).
Diese Erscheinung ist eine der seltensten, die je wahrgenommen worden, denn nichts ist beständiger, als die Mischung des Luftmeers, — von keiner Seite hat die Natur das organische Leben sorgsamer gesichert; nie haben Naturforscher fremdartige Stoffe in der Atmosphäre aufgefunden, die, mit sinnlichen Merkmalen begabt und von Winden getragen, Krankheit erregend über ganze Welttheile, von Land zu Land sich verbreitet hätten, [19] ] wie vom Jahr 1348 erzählt wird. Um so mehr haben wir zu bedauern, dass in dieser ausserordentlichen Zeit, die bei tiefem Stande der Wissenschaften überaus arm an guten Beobachtern war, so wenig Zuverlässiges über jene ungewöhnlichen Vorgänge im Luftmeer aufgezeichnet worden ist. Doch sagen deutsche Nachrichten ausdrücklich, ein dicker, riechender Nebel sei von Osten herangezogen und habe sich über Italien verbreitet [20] ); auch konnte man [19] sich wohl über eine so handgreifliche Erscheinung nicht täuschen, — die Glaubwürdigkeit schlichter Ueberlieferungen, mögen sie auch physikalischer Forschung wenig genügen, kann bei Erwägung des Zusammenhanges der Ereignisse schwerlich in Zweifel gezogen werden. Denn gerade jetzt war das Erdbeben allgemeiner, als je in historischen Zeiten; an tausend Stellen öffneten sich Abgründe, aus denen schädliche Dünste emporstiegen, und wie denn natürliche Vorgänge ins Wunderbare verkehrt werden, so ging die Sage von einer feurigen Dunstkugel, die im fernen Osten sich zur Erde herabgesenkt, in einem Umkreis von mehr als hundert Stunden alles Lebende vernichtet und die Luft weit und breit verpestet habe [21] ). Hierzu kamen die Folgen unzählbarer Ueberschwemmungen; grosse Flussgebiete waren in Sümpfe verwandelt worden, aller Orten erhoben sich faule Dünste, verstärkt durch den Geruch verwesender Heuschrecken, die vielleicht nie in dichteren Schwärmen die Sonne verfinstert hatten [22] ), so wie zahlloser Leichen, die man selbst nicht in den wohlgeordneten Städten Europa’s dem Anblick der Lebenden rasch genug zu entziehen wusste. Es ist also wahrscheinlich, dass die Atmosphäre in grosser Ausdehnung fremdartige, sinnlich erkennbare Beimischungen erhielt, die wenigstens in den niederen Regionen nicht zersetzt [20] oder bis zur Unwirksamkeit zertheilt werden konnten. Wenden wir uns aber zurück zu den Zufällen der Krankheit, so beweist die brandige Lungenentzündung, dass die Werkzeuge des Athmens dem Angriffe eines atmosphärischen Giftes erlagen, eines Giftes, das — geben wir die selbständige Entwicklung der schwarzen Pest an irgend einer Stelle des Erdkreises zu, an welcher unter so ausserordentlichen Umständen schwerlich zu zweifeln sein möchte — die Wege des Kreislaufes so feindlich ergriff, wie nur irgend das Milzbrandgift und andere thierische Contagien, welche die Lympfdrüsen zur Anschwellung und Entzündung bringen.
Verfolgen wir nun den Gang der grossartigen Umwälzungen weiter, so erhalten wir Kunde von einem Erdbeben ohne Beispiel, das am 25. Januar 1348 Griechenland, Italien und die angränzenden Länder erschütterte. Neapel, Rom, Pisa, Bologna, Padua, Venedig und viele andere Städte litten bedeutend, ganze Ortschaften versanken, Burgen, Häuser und Kirchen stürzten zusammen, und Hunderte von Menschen wurden unter Trümmern begraben [23] ). In Kärnthen fielen dreissig Ortschaften und alle Kirchen zusammen, mehr als tausend Leichen wurden unter dem Schutt hervorgezogen, die Stadt Villach wurde so von Grund aus zerstört, dass nur wenige Einwohner sich retteten, und als der Boden aufhörte zu schwanken, sah man Berge von ihrer Stelle gerückt und viele Dörfer verschüttet [24] ) [25] ]. Bei diesem Erdbeben soll der Wein in den Fässern trübe geworden sein, eine Angabe, die den Beweis stattgefundener entmischender Luftveränderungen darbietet; hätten wir aber auch keine andere Nachricht, aus der die Anregung widerstreitender Naturkräfte während [21] dieser Erschütterungen hervorgehen könnte, so ist in neuerer Zeit durch wissenschaftliche Beobachtungen dargethan worden, dass das Verhältniss der Atmosphäre zum Erdkörper durch vulkanischen Einfluss sich ändert: wie sollte hieraus nicht auf jene ausserordentlichen Ereignisse zurückgeschlossen werden können? Wir wissen aber noch ausserdem, dass während dieses Erdbebens, dessen Dauer von einigen auf acht, von anderen selbst auf vierzehn Tage angegeben wird, die Menschen eine ungewöhnliche Betäubung und Kopfschmerz empfanden, viele sogar ohnmächtig wurden [26] ). Bis in die Gegend von Basel erstreckten sich die zerstörenden Erderschütterungen [27] ), und sie wiederholten sich bis gegen 1360 in ganz Deutschland, Frankreich, Schlesien, Polen, England und Dänemark, und weiter hinauf im hohen Norden [28] ). Grosse und seltene Meteore erschienen an vielen Orten, und wurden mit dem Grausen des Aberglaubens angestaunt; eine Feuersäule, die am 20. December 1348 bei Sonnenaufgang eine Stunde lang über dem Pallaste des Papstes in Avignon stand [29] ), und eine Feuerkugel, die im August desselben Jahres bei Sonnenuntergang über Paris gesehen wurde, und sich vor ähnlichen Erscheinungen durch längere Dauer auszeichnete [30] ), anderes nicht zu erwähnen, was die Chroniken [22] dieses Jahrhunderts, vermischt mit wundersamen Sagen und Deutungen, darbieten.
Schon 1345 und früher begannen in Europa die Vorzeichen dieser Erschütterungen: die Ordnung der Jahreszeiten schien verändert, [31] ] Regen, Ueberschwemmungen, Misswachs waren so allgemein, dass nur wenige Gegenden verschont blieben, und wenn ein Geschichtsschreiber dieses Jahrhunderts versichert, es wäre Ueberfluss in den Scheunen und Vorrathskammern gewesen [32] ), so widerstreiten ihm einstimmig alle Zeitgenossen. Bald wurden die Folgen des Misswachses fühlbar, besonders in Italien und den angränzenden Ländern, wo in dem genannten Jahre ein vier Monate anhaltender Regen die Saaten verdorben hatte. In den grösseren Städten musste man schon im Frühjahr 1347 zu Brotvertheilungen unter die Armen schreiten, namentlich in Florenz, wo man grosse Bäckereien einrichtete, aus denen im April täglich 94'000 Portionen Brot zu zwölf Unzen verabreicht wurden [33] ); aber es liegt am Tage, dass die Menschenliebe die allgemeine Noth nur hier und da zu lindern, ihr aber nicht ganz zu steuern vermochte. Krankheiten, die unabwendbaren Folgen der Hungersnoth, brachen auf dem Lande wie in den Städten aus, Kinder starben vor Hunger in den Armen ihrer Mütter, Mangel, Elend, Verzweiflung waren allgemein in der ganzen Christenheit [34] ).
Dies sind die Ereignisse vor dem Ausbruche der schwarzen Pest in Europa. Die Zeitgenossen haben sie nach ihrer Art gedeutet, und haben damit, wie unter ähnlichen Umständen ihre späten Nachkommen, den Beweis gegeben, dass den Sterblichen weder die Sinne noch hinreichende [23] Geistesschärfe zu Gebote stehen, die Regungen des Erdorganismus in ihren Erscheinungen, geschweige denn in ihren Wirkungen wissenschaftlich zu erkennen. Der Aberglaube, die Selbstsucht in tausend Gestalten, der Dünkel der Schulen bemächtigten sich einzelner Wahrnehmungen; sie wähnen in dem Einzelnen das Ganze zu erfassen, und ahnen nicht den Weltgeist, der die Triebfedern alles Seins in innigem Verein mächtiger Naturkräfte belebt, und keine Erscheinung aus vereinzelten Ursachen entstehen lässt. Fünf Jahrhunderte nach jenem Zeitalter der Zerstörung die Ursachen eines kosmischen Aufruhrs, der in gleicher Ausdehnung nie wiedergekehrt ist, zu deuten, die Einflüsse wissenschaftlich zu bezeichnen, die in den Leibern der Menschen und Thiere ein so furchtbares Gift hervorriefe, geht über menschliche Einsicht. Vermögen wir selbst jetzt nicht, mit allen Hülfsmitteln einer vielseitigen Naturlehre, die Zustände der Atmosphäre anzugeben, durch welche Seuchen hervorgebracht werden, so dürfen wir um so weniger Rückschlüsse von dem neunzehnten auf das vierzehnte Jahrhundert versuchen; betrachten wir aber die Vorgänge in ihrer Allgemeinheit, so giebt uns dieses Jahrhundert gehaltvolle, für alle Zeiten hochwichtige Lehren. Deutlich offenbart sich in dem Fortschreiten zusammenhängender Naturwirkungen von Osten nach Westen jenes grosse Naturgesetz, das in dem Leben des Erdorganismus, wie in dem davon abhängigen Leben der Völker, schon oft und augenfällig hervorgetreten ist. Im innersten Schoosse der Erde war im Jahre 1333 die Anregung gegeben, die in unablässiger Aufeinanderfolge sechsundzwanzig Jahre hindurch bis an die westlichen Meeresufer Europa’s die Erdoberfläche erschütterte. Gleich anfangs nahm der Luftkreis Theil an den tellurischen Erschütterungen: Atmosphärische Wasser überflutheten die Länder, oder versengender Brand liess Pflanzen und Thiere verschmachten. Die Insectenwelt wurde wunderbar belebt, es schien, als sollte das Lebende die Zerstörung vollenden, welche die [24] astralischen und tellurischen Kräfte begonnen hatten. So gewann dies grause Werk der Natur von Jahr zu Jahr grössere Ausdehnung, es war eine fortschreitende Ansteckung der Zonen, die über und unter der Erde ihre mächtigen Schwingen regte, und schon in den ersten Jahren des tellurischen Aufruhrs in China, erkennbar an leichteren Vorbedeutungen, den ganzen Erdball durchzuckte.
Die Natur der ersten Seuchen in China ist unbekannt; wir haben erst sichere Kunde von der Krankheit, nachdem sie schon in die westlichen Länderstriche Asiens eingedrungen war. Hier zeigte sie sich als die morgenländische Pest mit Lungenbrand, als welche sie vielleicht auch in China begonnen haben mochte, d. h. als ein Uebel, welches sich mehr als irgend ein anderes durch Ansteckung verbreitet, eine Ansteckung, die in gewöhnlichen Pestseuchen die unmittelbare Berührung, und nur unter seltenen ungünstigen Umständen die blosse Nähe des Kranken erfordert. Gewiss war der Antheil dieser Ursache an der Verbreitung der Pest über den ganzen Erdkreis ein überaus wichtiger, und die Vermuthung, der schwarze Tod hätte vom westlichen Europa durch gute Massregeln, ähnlich den jetzt erprobten, abgehalten werden können, würde alle Gründe der neuern Erfahrung für sich haben, wenn irgend zu beweisen wäre, dass diese Seuche wirklich aus dem Orient hereingebracht worden sei, oder dass die morgenländische Pest überhaupt, so oft sie in Europa sich gezeigt, jedesmal in Asien oder Aegypten ihren Ursprung genommen habe. Ein solcher Beweis kann aber auf keine Weise überzeugend geführt werden, denn er würde durch die unmögliche Voraussetzung bedingt werden, dass entweder in den Kulturverhältnissen der europäischen Völker in den ältesten und in den neueren Zeiten kein wesentlicher Unterschied statt finde, oder dass Schädlichkeiten, die nur erst der Entwilderung der menschlichen Gesellschaft und dem regelmässigen Anbau der Länder gewichen sind, ehedem die Bubonenpest nicht unterhalten konnten. Die Pest war vielmehr in Europa, [25] bevor noch Handel und gesellschaftlicher Verkehr die Völker vereinte [35] ); es ist daher mit Grund zu vermuthen, dass sie sich durch rohe Lebensweise und die Unkultur des Bodens selbständig entwickelt hat, Einflüsse, welche die Entstehung schwerer Krankheiten recht eigentlich begünstigen. Nun brauchen wir nicht einmal in die früheren Jahrhunderte zurückzugehen, denn das vierzehnte selbst zählte vor seiner Mitte bereits fünf oder sechs Pestseuchen [36] ). Erwägen wir daher die Eigenthümlichkeit der Pest, dass sie in den Ländern, die sie einmal heimgesucht hat, noch eine längere Zeit in milderen Formen fortdauert, und dass die epidemischen Einflüsse von 1342, wo sie sich zum letztenmale gezeigt hatte, bis 1348 ihrem stillen Fortwuchern überaus günstig waren, so ergiebt sich die Annahme, dass auch in diesem verhängnisvollen Jahre Keime der Pest im südlichen Europa vorhanden waren, welche durch atmosphärische Schädlichkeiten geweckt werden konnten, dass also der schwarze Tod, wenigstens zum Theil, in Europa selbst entstanden sei. Die Verderbnis des Luftmeers kam von Osten, aber die Krankheit selbst kam nicht auf den Flügeln des Windes, sondern sie wurde von der Atmosphäre nur angeregt und vergrössert, wo sie schon vorhanden war.
Dieser Ursprung der schwarzen Pest war jedoch nicht der alleinige. Denn noch viel mächtiger als die Anregung schon vorhandener Pest durch atmosphärischen Einfluss wirkte die Ansteckung der Völker unter einander [26] auf den grossen Heerstrassen und in den Häfen des mittelländischen Meeres. Von China ging der Zug der Karavanen durch Mittelasien im Norden des kaspischen Meeres bis nach Taurien; hier harreten Schiffe, um die Erzeugnisse des Orients nach Konstantinopel zu bringen, der Hauptstadt des Handels und dem Mittelpunkt der Verbindung von Asien, Europa und Afrika [37] ). Andere Züge gingen aus Indien nach Kleinasien, und berührten die Städte im Süden des kaspischen Meeres, und endlich von Bagdad aus über Arabien nach Aegypten; auch war die Schifffahrt auf dem rothen Meere von Indien nach Arabien und Aegypten nicht unerheblich. In allen diesen Richtungen bahnte sich die Ansteckung ihre Wege, und ohne Zweifel sind Konstantinopel und die kleinasiatischen Häfen als die Heerde der Verpestung anzusehen, von denen diese nach entfernten Hafenstädten und Inseln ausstrahlte. Nach Constantinopel war die Pest von den Nordküsten des schwarzen Meeres gebracht worden [38] ), nachdem sie bereits die Länder zwischen jenen Handelsstrassen entvölkert hatte, und schon 1347 zeigte sie sich in Cypern, Sicilien, Marseille und einigen Hafenstädten Italiens; die übrigen Inseln des mittelländischen Meeres, besonders Sardinien, Corsica und Majorca, wurden eine nach der andern heimgesucht. An der ganzen Südküste Europa’s waren also Heerde der Ansteckung bereits in voller Wirksamkeit, als die Seuche im Januar 1348 in Avignon [39] ) und in anderen südfranzösischen und norditalienischen Städten, so wie in Spanien erschien. Die Tage ihres Ausbruchs in den einzelnen Ortschaften sind nicht mehr auszumitteln; aber gleichzeitig war dieser nicht, denn in Florenz erschien die Krankheit zu Anfang April [40] ), [27] in Cesena den 1. Juni [41] ), und das ganze Jahr über wurde ein Ort nach dem andern ergriffen, so dass die Seuche, nachdem sie ganz Frankreich und Deutschland, wo sie jedoch erst im folgenden Jahre ihre grössten Verheerungen machte, durchwandert hatte, erst im August in England ausbrach, wo sie denn auch nur so allmählig fortschritt, dass sie erst drei Monate später London erreichte [42] ). Die nordischen Reiche wurden von ihr 1349, und zwar Schweden erst im November dieses Jahres, befallen, also fast zwei Jahre nach ihrem Ausbruch in Avignon [43] ). Polen erhielt die Seuche im Jahre 1349 wahrscheinlich aus Deutschland [44] ), wo nicht aus den nordischen Ländern, in Russland aber zeigte sie sich erst 1351, länger als drei Jahre nach ihrem Ausbruch in Konstantinopel. Anstatt von Taurien und vom kaspischen Meere nordwestlich vorzudringen, hatte sie also den grossen Umweg vom schwarzen Meere über Konstantinopel, das südliche und mittlere Europa, England, die nordischen Reiche und Polen gemacht, bevor sie die moskowitischen Gauen erreichte, eine Erscheinung, die bei späteren, aus Asien stammenden Weltseuchen nicht wieder vorgekommen ist.
Ob zwischen der vorhandenen, durch atmosphärische Einwirkung angeregten, und der durch Ansteckung hereingebrachten Pest Unterschied statt gefunden haben, ist aus den Thatsachen nicht mehr zu ergründen; denn die Zeitgenossen, die überhaupt genaueren Untersuchungen dieser Art nicht gewachsen waren, haben darüber keine Angaben hinterlassen. Eine mildere und eine bösartigere Form war allerdings vorhanden, und jene hatte sich wohl [28] nicht immer aus dieser herausgebildet, wie daraus zu vermuthen ist, dass das Blutspeien, das untrügliche Merkmal der letzten, bei dem ersten Ausbruche der Seuche nicht gleichmässig in allen Berichten erwähnt wird, und nun ist es wahrscheinlich, dass die mildere der einheimischen, die bösartige der durch Ansteckung hereingebrachten Pest angehöre. Die Ansteckung aber war an sich nur eine von den vielen Ursachen, welche die schwarze Pest hervorriefen; diese Krankheit war, wenn irgend eine, kosmischen Ursprungs, eine Folge mächtiger Regungen des Erdorganismus. Eine Triebfeder setzte zur Vernichtung lebender Wesen tausend andere in Bewegung, vergängliche oder nachhaltige, nah- oder fernwirkende; — die mächtigste von allen war die Ansteckung, denn in den fernsten Ländern, die kaum noch den Nachhall der ersten Erschütterung vernommen hatten, erlagen die Völker der organischen Vergiftung, der Ausgeburt in Aufruhr gerathener Lebenskräfte.

---------------------------------------


mfG Georg


Gesamter Strang: