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Wiederholt umgewälzter Weissagungsstoff (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 28. August 2018, 21:32 (vor 872 Tagen) @ Pferdchen1899 mal gelesen

Hallo!

Wenn beim Prophezeiungsschrott einer vom anderen abgeschrieben hat, wer oder was ist dann der Ursprung von all dem?

Die Sache ist an die 2000 Jahre alt und hat sich wie ein rotierender Zementmischer über Jahrhunderte in den Volksmündern herumgewendet, um nicht auszutrocknen und durch neue, zeitaktuelle Beigaben stets frisch zu bleiben.

Ausgangspunkt war die frühchristlich-nahöstliche Propheziung der Wiederkunft Christi und des nahen Weltendes. Um diesen Punkt herum wurden nach und nach neue und stets abgewandelte Motive konstruiert, um die Apokalypse sich möglichst schröcklich gestalten und durch allerhand Vorzeichen möglichchst in der jeweiligen Gegenwart schon ankündigen zu lassen. Es entstanden unsere noch heute beliebten und gerne zum Besten gegebenen Schlager und Schwänke, die auf keiner Party fehlen dürfen:

  • der Antichrist
  • die Verfolgung der Kirche in der Endzeit
  • der Engelspapst
  • Der große Monarch, wahlweise auch als bescheidener Bauernkaiser, um wie der heilige Franz von Assisi mit Armutsgelübde noch päpstlicher als der Papst zu sein ⇒ ein wahrer christlicher Weltherrscher!
  • die Völker Gog und Magog aus Asien, vulgo die Türken, vulgo die Russen, ...
  • Die Endschlacht, die ursprünglich im heiligen Land stattfinden sollte, dann aber der bequemeren Anreise wegen nach Westfalen verlegt wurde.
  • die dreitägige Finsternis und Reinigung der Erde von den Bösen
  • Kaiserkrönung
  • das "goldene Zeitalter" mit Restauration der Kirche usw.

Viele damit verbundene Elemente wie der "Überrschungsangriff", die Wirtschaftskrise vor dem Krieg ("Teuerung" in der Offenbarung), Bürgerkriege ("Bruder gegen Bruder"), diverse Vorzeichen in der Natur (Irlmaiers Erdbeben vorher, womöglich gar der "Kältesommer"), die Dämonen während der Finsternis, davon ausgehend als Verweltlichung der "giftige Odem" und "Staubtod" haben sich, immer weitere Arabesken treibend, in der Volksphantasie herausgebildet, wobei gar nicht auszuschließen ist, daß in einzelnen Fällen jemand eine echte Visionen hatte. Nachdem die Leute den Prophezeiungen stets unbesehen glaubten, wurden solche mutmaßlichen Schauungen mit den prophetischen Motiven ausgedrückt und damit wohl in den meisten Fällen unkenntlich gemacht.

Der Ursprung ist die von mir immer angeprangerte Naherwartung. Der ganze Weissagungsstoff ist als Kulturgut unseren Märchen zu vergleichen mit einem (neben vielen anderen) wesentlichen Unterschied: Während die Märchen in einer unbestimmten, fiktiven Vergangenheit Allgemeingültiges erzählen, liegen die Prophezeiungen in einer näheren, aber unbestimmten Zukunft, sind als reale Ereignisse aber genauso unwahr.
Die Frage ist, ob man den Prophezeiungen darüber hinaus etwas Allgemeingültiges abgewinnen kann, was mir durchaus zweifelhaft erscheint. Was wäre die Moral der Geschichte?

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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