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Halbmond am Rhein (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 28. August 2018, 21:00 (vor 872 Tagen) @ Pferdchen2074 mal gelesen

Hallo!

Echte Fragmente bei Irlmaier (teils schon, z. B. bezüglich „Halbmond“ widerlegt)


Wo finde ich diese teilweisen Widerlegungen?

Irlmaiers "Halbmond am Rhein" (Halbmond = Islam = Türken), der mysteriös klingt und keine wörtliche Vorlage hat, geht höchstwahrscheinlich auf ältere Prophezeiungen zurück, als welche da zu nennen wären:

Die "Sybille von Kemel" bzw. die "Mainzer Prophezeiung von 1670" (wohl eher 1915):
"Zur Zeit der Kornblüte werden Teutschlands Feinde über dasselbe herfallen, aber in schwerem Ringen wird Teutschland sich der Gegner erwehren. Und Mongoley und Polackenland wird großes Blutvergießen sehen. Der Türck wird Teutschlands Helfer seyn und seyne Pferde im Rhein bei Cöln tränken."

Weissagung aus dem "Prognosticatio" von Johannes Lichtenberger (1488, allerdings nicht validiert):
"Darum sagt Methodius: Es wird die Zeit kommen, daß die Agareni [Söhne der Hagar, Wüstensöhne] noch ein mal in deutschen Landen versammelt aus der Wüstenei gehen werden, und werden der Welt Kreis einnehmen, im Lande des Mondes, acht Jahr lang, und ihre Reise wird die Agarener Reise genannt werden. Denn sie werden Städte und Reiche umkehren und die Priester werden sie in den geweihten Stätten erwürgen. Daselbst werden sie bei den Weibern schlafen, und aus den heiligen Gefäßen werden sie trinken, und ihre Tiere werden sie an der Heiligen Gräber binden, um der Bosheit willen der Christen, so zu der Zeit sein werden. Aber bei dem golden Apfel zu Cöln werden sie umkommen und vertilget werden."

Die Birkenbaumsage bei Fritz Rohr (1917), wohl schon 1964 bei Armand Baumgarten veröffentlicht:
"Zuletzt bricht ein großer Türkenkrieg aus, der Türk kommt bis auf die Westerheide, da aber tun ihn die alten Weiber mit’n ‚Filzhüt’n’ erschlagen."

Volkssage über Köln und Koblenz bei Theodor Beykirch (1849):
"Wehe! Wo Rhein und Mosel zusammenfließen, wird gegen Türken und Baschkiren (Russen) eine Schlacht geschlagen werden, so blutig, daß der Rhein bis auf fünf und zwanzig Stunden Wegs rot gefärbt sein wird."

Die Sibylle auf Teck bei DeGard, der aus einem Buch "Sagen und Schwänke von der Schwäbischen Alb" zitiert:
"Endlich wird der Deutsche dennoch siegen; denn Sybille hat geweissagt: ‚Zu Köln am Rhein soll des Türken Untergang sein.’"

Über das uralte Motiv der Türkenschlacht bei Köln schreibt auch Arthur Hübscher in seiner Darstellung der europäischen Weissagungstradition "Die große Weissagung" (weil der ganze Aufwasch im Grunde nur eine einzige Prophezeiung ist, die über Jahrhunderte von unzähligen Leuten erzählt wurde):
"Neben der Türkenschlacht bei Köln erscheint seit dem frühen 16. Jahrhundert eine Endschlacht bei Straßburg. Melanchthon erwähnt sie in einem Tischgespräche mit Luther am 15. Januar 1538, – ‚es sei eine sehr alte Prophezeiung’. Sie begegnet uns immer wieder, es soll eine große Schlacht gegen die Türken sein, nach welcher der Untergang der Welt eintritt."

Und aus diesem Überlieferungsstrom haben Adl-/Irlmaier geschöpft, dabei aber recht ahnungslos tuend, um die Quellen nicht zu verraten und beim Leser den Anschein zu erwecken, die Ähnlichkeiten wären nur zufällig oder würden auf Echtheit all dieser Aussagen hinweisen:
"Am Rhein sehe ich einen Halbmond, der alles verschlingen will. Die Hörner der Sichel wollen sich schließen. Was das bedeutet, weiß ich nicht."

⇒ Adl-/Irlmaier plagiieren nicht nur wörtlich, sondern greifen auch die mannigfaltigen Motive auf, die sich im Laufe der deutschen Geschichte im Weissagungsstoff herausgebildet haben. Der unbedarfte Leser, der noch leichtgläubig an das für ihn neue Thema herangeht, vermeint, all diese Ähnlichkeiten wären ja Beweise, weil es sich um kongruente Schauungen jahrhundertealter Seher handele und nicht zuletzt der nachweislich größte Seher des 20. Jahrhunderts davon berichte. Aber weit gefehlt!

Nun komme aber niemand und behaupte, damit wären die seit Jahrzehnten hier lebenden Türken gemeint. Nein! In der älteren Weissagung nahmen die Türken die Rolle der Bösewichter "Gog und Magog" ein, die später auf die Russen überging.
Nachdem sich Adl-/Irlmaier in einem wild verrührten Prophezeiungstopf bedient haben, kommen bei ihnen beide Varianten vor.

Was bleibt dann noch an echten Irlmaier-Schauungen?

Spontan fallen mir nicht viele potentiell echte Fragmente ein. Möglicherweis echt:

  • Flut bis Berlin (Oder hatten wir hierzu schon eine Vorlage gefunden?)
  • Feuerzungen von Osten nach Westen
  • Brand Landaus an der Isar
  • Diverse Vorausblicke in Bildern, die Irlmaier zu einzelnen seiner Besucher sah und die (Stichwort "Zubanschachtel") bis in unsere Zeit reichen. Diese nachweislichen Irlmaierbilder stehen in scharfen Kontrast zu seinen Endzeit-/Weltkriegsprophezeiungen für die Fünfziger Jaher. Dieser Widerspruch hat ihn aber offenbar nicht davon abgehalten, diesen von Adlmaier ihm eingetrichterten Unsinn zu erzählen.

Wie heißt nun Randomizers Buch, das er damals herausgeben wollte?

Ich wüßte nicht, daß er schon etwas veröffentlich hat.
Meines Wissens war er hinter seltenen Irlmaierquellen her, die er noch benötigte. Möglicherweise ist ihm das nicht geglückt, weil die Leute die Schriften lieber unter Verschluss halten, statt Material weiterzugeben, das Säulenheilige zum Wanken bringen könnte...?

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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