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Böse Gogs und Magogs (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 19. Juli 2019, 22:50 (vor 62 Tagen) @ BBouvier326 mal gelesen

Hallo!

Bedauerlich ist festzustellen, daß sich Claesson bei der Charakterisierung der Angreifer schön im Kanon der Endzeitprophetie bewegt, deren antichristliche Völker Gog und Magog im Laufe der Überlieferung schließlich als "Russen" identifiziert wurden, weil der atheistische Kommunismuis sehr schön als Bösewicht paßte.
Mit der Übertragung übernommen wurden Elemente wie dieses:

"Ich sah, wie die feindlichen Soldaten in die Häuser gingen
und unsere Frauen herauszerrten, während die Frauen
hysterisch schrien und um Hilfe riefen ...
Die Soldaten lachten sie aus und sagten in gebrochenem Schwedisch:
‚Niemand hilft Euch. Nicht einmal Gott im Himmel.‘"

Die ideengeschichtliche Vorlage liegt lange Zeit zurück. Eine wesentliche Wegmarke ist die Prophetie des Pseudo-Methodius, der in griechischer und lateinischer Übersetzung aus dem Syrien des 7. Jahrhunderts ins Abendland gelangte und dort für Jahrhunderte zur Standardliteratur aller Prophezeiungsgläubigen wurde. Die Vorlage für obiges darin:

"In jenem Frieden werden die Tore des Nordens geöffnet werden und die Heere dieser Völker, die dort eingeschlossen waren, ausziehen; und es wird die ganze Erde vor ihnen beben. Und es werden die Menschen von Panik ergriffen werden und fliehen und sich in den Bergen und in Höhlen und in Gräbern verbergen. Und sie werden sterben vor Furcht und vor Hunger, und es gibt keinen, der sie begraben wird."

Der "Norden" ist aus Sicht des Ursprungslandes der Prophetie, Syriens nämlich, die Gegend hinter dem Kaukasus, wo heute Rußland liegt. Dahinter hat laut Überlieferung vor Urzeiten Alexander der Große die Völker Gog und Magog eingesperrt. Wir haben hier den Urkeim des "russischen Feldzuges" vor uns. Mit der geographischen Wanderung der Prophetie nach Westen wurde aus dem Norden der Osten.

"Und diese (Völker) werden Kinder vor den Augen ihrer Eltern essen, weil diese Völker, die vom Norden ausziehen werden das Fleisch der Menschen essen und das Blut der Tiere wie Wasser trinken und das Gewürm der Erde und Mäuse und Schlangen und Skorpione und alle unreinen Reptilien, die auf der Erde kriechen, und die toten Körper von unreinen Tieren und die Fehlgeburten des Viehs essen. Und sie werden Kinder schlachten und (sie) ihren Müttern geben und sie dazu zwingen, die Körper ihrer Kinder zu essen. Und sie essen tote Hunde und Katzen und jede Unreinheit. Und sie werden die Erde verheeren, und keiner wird ihnen widerstehen können."

Als besonderen zeitgenössischen Bösewicht kannte der christliche Autor des Pseudo-Methodius noch die Söhne Ismaels, den in seiner Gegend gerade aufsteigenden Islam, dem ein paar Elemente des Endzeitbösewichts angedichtet wurden, insbesondere dieses Claesson ähnelnde: "Und die Priester und Diener werden sie im Heiligtum abschlachten und auch werden sie mit ihren Frauen und mit den gefangenen Frauen im Heiligtum schlafen."

Dergleichen Bösartigkeiten finden sich erheblich abgeschwächt noch bei Claesson wieder, wo die bösen Russen entsprechend charakterisiert werden müssen, um der alten Endzeiterwartung zu entsprechen. Statt den Frauen ihre eigenen Kinder zum Fraße vorzuwerfen, nehmen die Russen nur noch die Frauen. Der "böse Russe" auch in anderen Prophezeiungen geht im Wesentlichen auf diesen Ursprung zurück. Man müßte mal möglichst lückenlos verfolgen, wie es sich im Laufe der letzten 1300 Jahre stetig abgewandelt hat, um irgendwann die heutige Gestalt der Aggressoren aus dem Osten anzunehmen. Zwischenzeitlich waren es mal die Türken, im 19. Jahrhundert bereits "die Völker des Siebengestirns".

Das entsprechende Kapitel der Prophetie endet übrigens mit diesem Absatz, der die Urvorlage für die "Schlacht am Birkenbaum" in Westfalen und das Erscheinen des "Großen Monarchen" ist, damals allerdings noch auf Palästina übertragen:

"Und nach einer (Jahr)woche der Bedrängnis werden sie alle vernichtet werden in der Ebene von Joppe, weil sie sich alle dort versammeln werden, sie und ihre Frauen und ihre Kinder, und Gott dorthin einen Befehlshaber der Engel senden wird, der herabsteigen und sie in einer Stunde vernichten wird. Und darauf wird der König der Griechen herabsteigen und sich niederlassen in Jerusalem anderthalb (Jahr)wochen lang. Und wenn zehneinhalb Jahre vorüber sind, wird der Sohn des Verderbens offenbart werden."

Auch diese Elemente haben wir mit dem Christentum und seiner Endzeitprophetie aus dem Nahen Osten ererbt. Sie werden heute noch als zukünftige Tatsachen von Prophezeiungsgläubigen geglaubt, wobei es sich eigentlich nur um die Übertragung des Endzeitdramas in mehreren Akten in unsere geographischen Gefilde handelt.

(deutsche Übersetzung der syrischen Urfassung des Pseudo-Methodius und einer lateinischen Übersetzung aus dem 16. Jahrhundert)

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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