zu: Hans Bender und die Feldpostbriefe (Schauungen & Prophezeiungen)

Ulrich ⌂ @, Germering, Dienstag, 19. März 2019, 12:48 (vor 675 Tagen) @ Küfferle948 mal gelesen

Hallo Küfferle,

Die Bezeichnung 1.Weltkrieg 2.Weltkrieg gab es 1914 ja noch nicht.

wenn man nach Ende des Zweiten Weltkrieges über die Ankündigung eines Dritten Weltkrieges berichtet und zu diesem Zweck einen FPB rückdatiert, tut man gut daran, diesen nicht als "dritten Weltkrieg", sondern umschreibend z.B. als "drittes Weltgeschehen" zu bezeichnen.

Im 1. FPB steht nur: "Am Schluss kommt noch Russland und fällt über Deutschland her..."
"Am Schluss...": Das halte ich nicht für die Bezeichnung eines zeitlich getrennten, "eigenständigen" Ereignisses.

Hans Bender verwendet Singular in wörtlichen Zitaten, trotz des Plural in seiner vorausgehenden Frage:
Er zitiert in "Zukunftsvisionen..." den Sohn, Siegmund Rill, in wörtlicher Rede:
Auf die wiederholte Frage, ob er wüsste, dass Briefe [Plural] über die Prophezeiungen existierten: "1918 hat der Vater gesagt: >Ich hab' das heim geschrieben, der [Singular] Brief muss heute noch da sein.< Und die Mutter hat darauf gesagt: > Geh' hinauf und such' ihn [Singular] im Kasten drin.<"
S. 71

Über die Befragung des jüngsten Sohnes, Andreas, berichtet Bender: "...gab von dem Vorfall, der zu dem Gespräch mit dem Visionär führte, die Darstellung , die Pater Renner nach den Angaben von Dr. Arnold übernommen hat." Dann spekuliert Bender: "Vermutlich hat sich auch der Briefschreiber in ähnlicher Weise geäußert."
Auf S. 74/75 hält Bender jedoch fest, dass die Darstellung des anderen Sohnes, Siegmund Rill, von der "Darstellung , die Pater Renner nach den Angaben von Dr. Arnold übernommen hat" abweicht, somit auch von der Version des jüngsten Sohnes Andreas.
Dann folgt der Schwenk zum christlich-apokalyptischen Prophezeiungs-Kanon: "Der Papst müsse fliehen, um sein Leben zu retten. der Osten verliere, und der Papst werde zurückgebracht."
S. 71/72

Bender berichtet, dass beide Briefe "dem Münchner Internisten Prof. Lepsche (Maria-Theresia-Klinik) übergeben wurden", der "nach Angaben von P. Renner Schreibmaschinen herstellen" ließ, wobei der Kommentar, der der Abschrift des zweiten Briefes hinzugefügt wurde, mit dem Satz schließt: "Beide Originale sind noch vorhanden."

Bereits im übernächsten Satz stellt Bender jedoch fest: "Das Original des zweiten Briefes ist z.Zt. verschollen."

Dann folgt das Kapitel: "3. Kriminaltechnische Untersuchung des 1. [!] Briefes"
S. 73

Über den von mir für authentisch gehaltenen 1. FPB wird festgestellt, "dass das als Schriftträger verwendete Papierblatt keine Merkmale aufweist, die darauf hinweisen, dass es künstlich gealtert wurde.", also ein Ausschluss-Befund.

"Die Frage zu klären, heißt es in dem Gutachten weiter, ob das Schriftstück in der genannten Zeit oder später angefertigt wurde, sei bei der Art des Materials nicht möglich. Es seien aber auch keine Anhaltspunkte für eine Fälschung festzustellen." Somit das Eingeständnis, daß ein Echtheits-Beweis bzgl. des Alters nicht möglich sei und ein weiterer Ausschluss-Befund.

Ich traue Hans Bender keine unvoreingenommene sachliche Beurteilung zu, da er hinsichtlich der Brief-Inhalte von existentiellen Ängsten geplagt wurde, wie sein damaliger Assistent berichtete:
"In dieser Periode trieb Bender die Auslagerung der Bibliothek voran, dachte über einen Atombunker für das wissenschaftliche Material der »Eichhalde« nach und entwickelte Pläne, sich im Ausland ein Pied-à-Terre zu verschaffen, wo er in Sicherheit weiterforschen könne. ... Ungeachtet aller theoretischen Durchdringung endzeitlicher Visionen, nahm Hans Bender eine Einladung nach Sri Lanka zum Anlass, sich dort nach der »krisensicheren Außenstelle« umzusehen. ... Bender wollte die Niederlassung als Dépendence des Instituts verstanden wissen – eine Außenstelle, weit entfernt vom Gefahrenort eines »dritten Weltgeschehens« ... Es ist eine Ironie des Schicksals, daß der erhoffte sichere Hafen für sein Forschungsmaterial, den er ansteuerte, als seine Befürchtungen über eine mögliche sowjetische Invasion in Deutschland auf dem Höhepunkt waren, in kürzester Zeit selbst zu einem Schauplatz namenlosen Terrors werden sollte. ... "
https://schauungen.de/forum/index.php?id=50318

Gruß
Ulrich


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