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Anmerkung zum vermeintlichen Jesuswort (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 07.07.2017, 22:44 (vor 1566 Tagen) @ Tannenbaum (3555 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Freitag, 01.09.2017, 08:46

Hallo!

Auch beim Thema Daniel irrst Du gewaltig, aber auch das ist themenfremd hier.

In der Tat. Wie soll man auch über etwas diskutieren können, wenn das Ergebnis auf einer Seite ohnehin bereits feststeht? :ok:

Der Hinweis, daß nicht wenige der Worte und Taten Jesu gar nicht von ihm stammen, sondern ihm nachträglich zugeschrieben wurden, läuft gewiß ins Leere bei Leuten, die sklavisch auf ein simples Buch fixiert leben, dessen Wahrheit in allen Aspekten als unhinterfragbar erachtet wird.
Dem entsprechend versucht man verzweifelt, uralten, gar nicht mehr aktuellen Kamellen etwas für das eigene Leben oder die eigene Zeit abzugewinnen und liegt damit natürlich (wie schon seit 2000 Jahren) falsch.

Ich verweise auf den Theologen Gerd Lüdemann, der zu eben jenem Jesuswort ("Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich.") auf Paulus im 1. Kor 15,51 verweist: "Alle werden wir nicht entschlafen, alle aber verwandelt werden." Darauf folgt bei Paulus eine Beschreibung des Weltendes mit Gerichtsposaune, Totenerweckung usw. Darin spiegele sich die damals vorherrschende Erwartung des nahen Weltendes und der Ankunft des Messias wieder. Offenbar rechnete man damals tatsächlich damit, daß noch einige bis zum Weltende am Leben bleiben würden.
Im 1. Thess 4,15 schreibt Paulus dem entsprechend: "Denn das sagen wir euch in einem Worte des Herrn, daß wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrigbleiben, den Entschlafenen nicht zuvorkommen werden."

Lüdemann: "Zum Zeitpunkt der Abfassung des ersten Thessalonicherbriefs setzt Paulus offenbar voraus, daß die Mehrheit der Christen, seine Person eingeschlossen, mit einem Überleben bis zur Ankunft Jesu vom Himmel rechnen könne, während eine Minderheit versterbe.
Aus dieser Rekonstruktion folgt, daß Paulus vor der Abfassung des ersten Thessalonicherbriefs davon ausgegangen war, alle Christen würden bis zum Kommen Jesu vom Himmel überleben; und in dieser Erwartung dürfte er die christliche Durchschnittsmeinung der ersten Jahre nach Tod und 'Auferstehung' Jesu vertreten haben."

Das besagte Jesuswort bei Markus und die anschließende "Verklärung" wertet Lüdemann dahingehend, daß Markus (Entstehung frühestens 70 n. Chr.) diese nachträglich uminterpretiert habe, um in den Jahrzehnten nach Jesu Tod eine Erklärung zu liefern. Zu jener Zeit waren nämlich viele Jünger Jesu, denen ein Überleben bis zum Weltende vorausgesagt wurde, bereits verstorben. Da kamen Petrus, Jakobus und Johannes mit Jesu Verklärungserscheinung gerade recht, um die Sache noch halbwegs glaubhaft (wenigstens für die Glaubenwollenden) herumzubiegen.

(Quelle: Lüdemann, Gerd: Der große Betrug und was Jesus wirklich sagte und tat.)

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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