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Gesellschaftlicher Zusammenbruch (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 05.02.2013, 12:58 (vor 3053 Tagen) @ Ulrich (6285 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 31.08.2017, 07:53

Hallo!

1. Finanz- und Wirtschaftscrash
2. ...


mit der Reihenfolge habe ich keine Schwierigkeiten, aber bei dem Versuch, mir nach Punkt 1.) eine mehrjährige Zeitspanne bis zur Eskalation, also bis zum 'russischen Feldzug' vorzustellen, scheitere ich.

Wie habe ich mir den Gang der Dinge - über einige Jahre - vorzustellen NACH dem zum Schlagwort verkommenen "Finanz- und Wirtschaftscrash", der in den meisten mitteleuropäischen Ländern ja wohl gleichbedeutend ist mit einem Kollaps des Alltagslebens der 'Bürger' ?

Schwer zu sagen, wie das genau ablaufen soll. Ich versuche es mal.
Denkbar wäre z. B.:
Entweder finanzieller Zusammenbruch der USA mit Auswirkungen auf Europa und/oder Inflationierung des Euros durch weitere "Rettungsmaßnahmen", dann Staatsbankrott südlicher Länder und Frankreichs. Deutschland muß diese Lasten schultern.
"Zehr o Magen, zehr von Deutschlands Saft,
Bis mit seiner endet deine Kraft:
Krankt das Herz, siecht ganzer Körper hin, –
Deutschlands Elend ist der Welt Ruin."

=> Deutscher Staatsbankrott. Dominoartiger Zusammenbruch aller Staaten und Banken, die Wirtschaft steht still, die Supermärkte sind leer.

Dazu passen Szenen wie die von "Gärtnerin" gesehene:
"Sicht: Ich ‚renne’ mit meinen Eltern zügig über einen Supermarktparkplatz. Dort sind noch andere Menschen mit Einkaufswägen, die auch versuchen ihr Bargeld umzusetzen in Lebensmittel.
Wissen: Ich weiß ganz sicher: Dies ist die letzte Möglichkeit einzukaufen. Nördlich ist der Krieg schon ausgebrochen. Zuerst wußte ich von einem Bürgerkrieg aufgrund von Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit des Mobs. Ich weiß ich brauche Lebensmittel für drei Jahre."

Krieg offenbar nur im Inneren, noch keine Russen. (?)

Vermutlich treten dann Notstandsgesetze in Kraft. Das bedeutet Einsatz von Bundeswehr im Inneren und Zwangsbewirtschaftung der lebensnotwenigen Wirtschaftszweige, Lebensmittelkarten, Bezugsscheine etc.
Diese Phase würde aber nicht allzu lange dauern, wenn es dem Staat nicht gelänge zumindest wieder so liquide zu werden, daß die notwendigsten Importe finanziert werden können. Das bedeutet Währungsreform, Massenenteignung, Kassieren der Edelmetalle, etc. Es ist also anzunehmen, daß es zu einer gewissen Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation des Staates auf recht niedriges Niveau kommt. Die "schöne neue Welt" hat irreparablen Schaden genommen und man lebt von der Hand in den Mund. Die Masse der Bevölkerung, die man nicht zu irgendwelchen Zwangsarbeiten brauchen kann, wird am Rande des Verhungerns durchgefüttert, wobei Schwache und gesundheitlich Beeinträchtigte allmählich wegsterben.
Der Staat hat dann natürlich nur noch in begrenzten Gebieten Handlungsgewalt. Die ländlichen Gebiete werden mangels Kräften vermutlich weniger Kontrolle erfahren. Um so präsenter wird der Staat in den Städten versuchen zu bleiben.
In diese Zeit fallen Szenen wie:
ITOmas Schau vom Pasinger Bahnhof, wo die Leute hungernd leben und immer wieder Züge mit Lieferungen kommen, während militärische Aufpasser die Ausgangssperre durchsetzen. Der körperliche Zustand deutet darauf hin, daß die Schau eher das Ende dieser Zeit zeigt.
Die Stuttgarter Lehrerin, die an der Schnittstelle zwischen Staat und Kirche in ihrer Schule Flüchtlinge aufnimmt und ernährt.
Hamburg und Hannover, wo offenbar Notstand herrscht, die Kleidung einfacher geworden ist und militärische Aufpasser patrouillieren.

Ich vermute, daß zu dieser Zeit der spätere Imperator erstmals in leitender Stellung auftritt und allgemeine Bekanntheit erlangt, noch nicht als Staatchef, sondern als Offizier oder ziviler Verwalter, ähnlich wie Helmut Schmidt sich während der Sturmflut von 1962 hervortat, allerdings in größerem Maßstabe. Er wird durch die Ereignisse nach oben gespült und steht später vor dem Dom mit der Gewißheit: "Ich muß!"

Bis zur Finsternis wird sich an diesen Lebensumständen wohl nichts mehr ändern. Es ist eher ein erosives Vegetieren. In diese Phase begrenzter Stabilität auf niedrigem Niveau fallen dann die außenpolitischen Konflikte: Türkeisache, russische Besetzung, deutsche Spaltung, Balkankonflikt, Nahostkrieg usw.

Da dieser Ablauf von mir im wesentlichen konstruiert wurde, kann es aber auch sein, daß sich die Wirtschaft bis zum völligen Zusammenbruch (≈ Gärtnerins Schau) noch weiter durchhangelt und die russischen Soldaten in den deutschen Städten auftauchen, bevor die Unruhen und der Notstand ausbrechen.
Dann würde die Liste so aussehen:
1. Nicht näher bekannte "Türkeisache", an der sich alle (EU-Staaten?) außer Deutschland beteiligen.
2. Putsch der Leipziger Bundeswehr mit Unterstützung durch russische Agenten
3. Abfall Mitteldeutschlands
4. Besetzung Mitteldeutschlands durch Russen
5. Finanz- und Wirtschaftscrash
6. Ausbruch der bürgerkriegsähnlichen Unruhen in West-Deutschland
7. Ausbruch der Revolution in Frankreich, Ermordung des Präsidenten, die Armee hält sich vornehm zurück.
8. Auftreten des späteren Imperators, vielleicht als höherer Offizier oder ziviler Verwalter in der Krise, der durch außerordentliche Begabung hervorsticht.
9. Niederschlagung der Revolution in Frankreich.
10. Balkankonflikt, Friedenskonferenz, Ermordung des Hochgestellten, russischer Feldzug, der von militärischen Einheiten aus Deutschland, Frankreich, Schweiz niedergeschlagen wird.

In der Liste fehlen noch: Kältesommer, Weltbeben, die als Katalysatoren Crash und Unruhen zu jedem Zeitpunkt anheizen könnten.

Eine internationale Konferenz NACH einer "geduldeten" mehrjährigen russischen Besetzung Deutschlands, und das wegen eines Konflikts auf dem Balkan ?

Da die Russen zunächst wohl nur ehemalige Ostblockstaaten kassieren, bleiben Westdeutschland und der Rest Europas "frei" und können sich auf niedrigem Niveau mit nur sehr begrenzter außenpolitischer Handlungsfähigkeit halten. Es ist anzunehmen, daß der Westen den Russen auf diesen Schauplätzen praktisch nichts entgegenzusetzen hat. Wie handlungsfähig die USA zu diesem Zeitpunkt sind, wissen wir nicht. Zerstörung New Yorks, Erdbeben und Zerfall des Landes in inneren Unruhen könnten parallel stattfinden. Womöglich sind die USA in dieser Zeit nur noch ein Rumpfstaat unter Kontrolle des Militärs, der sich an der Ostküste konzentriert, Europa den Russen überlassen hat und sich im Nahen Osten engagiert. An Rußland dürfte die Krise ebenfalls nicht spurlos vorübergehen, wobei dessen Fall wegen größerer Autarkie nicht so tief sein dürfte wie Europas.
Die sogenannte "Friedenskonferenz" würde ich nicht überbewerten. Vermutlich stellt sie nur den letzten Versuch der Westeuropäer dar, das unvermeidliche, nämlich die Ausdehnung des russischen Machtbereichs auf den Rest Europas, in friedliche Bahnen zu lenken. Um den Balkan geht es dabei gar nicht. Der ist höchstens Anlaß.
Im Rahmen des dritten Weltkrieges, der eher ein Weltbürgerkrieg ist, ein allgemeines Chaos, in dem alle Krisenherde aufbrechen, die im jetzigen internationalen System halbwegs kontrolliert verwaltet werden, ist Europa nur ein Nebenschauplatz. In Asien und der arabischen Welt dürften Rußland, China und Amerika aufeinandertreffen.

Die Eskalation findet nicht erst mit dem russischen Feldzug statt, sondern bereits Jahre zuvor. Dem folgt ein etwa fünf Jahre dauernder, gewaltiger Zusammenbruch.

Womöglich ist Deutschland (und natürlich auch Frankreich, Großbritannien usw.) am Ende wie im Mittelalter in verschiedene Regionen zerfallen, von denen die russische Besatzungszone nur eine darstellt. Auf dem Lande kann man vergleichsweise unbehelligt sein Überlebenskonzept durchziehen, sich lokal organisieren und auf fremde Marodeure schießen. Über Großstädte und notwendige Infrastruktur (z. b. muß noch jemand da sein, der die Kernreaktoren am Schmelzen hindert) herrschen die militärischen Aufpasser (≙ Polizei- und Bundeswehrresten) als Überreste der BRD-Hegemonie. Über allem steht mehr pro forma eine Notstandsregierung ohne tatsächliche Macht im eigenen Lande, die aber noch eine außenpolitische Vertretung zustande bringt, welche freilich nur der völlig hohl gewordene Rest einer untergegangenen Verfassung ist und als letzte Zuckung "Dienst nach Vorschrift" ausübt. Das hat etwas von den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges, als Befehle ausgegeben, aber nicht mehr ausgeführt wurden.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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