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Aktuelles Weltgeschehen nicht überbewerten (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 01.10.2020, 17:13 (vor 196 Tagen) @ Malbork (751 Aufrufe)

Hallo!

Der erste Vers ist nicht eindeutig auf das ehemalige osmanische Reich deutbar. Meiner Meinung nach haette Nostradamus das Kerngebiet es osmanischen Reiches, also Anatolien, erwaehnt. Stattdessen werden hier Kerngebiete des Kaukasus -> Armenien, Medien -> Iran und Arabien -> Irak erwaehnt, die den Soliman -> Tuerkei zu Fall bringen wird.

Man muß doch nur die Karten der genannten Reiche und Gebiete übereinander legen.

Das persische Reich ("Medo-Persian Empire") mit Medien in seinem Zentrum:
[image]

Das Osmanische Reich zur Zeit des großen Solimans:
[image]

Was fällt auf?

  • Medien liegt am Ostrande des Osmanischen Reiches
  • Arabien liegt an dessen Südrande
  • Armenien an dessen nördlicher Ecke (den nichtislamischen europäischen Teil, der im Wesentlichen Griechenland war, ausgenommen).

Die wesentlichen Deckungsbereiche beider Reiche sind:

  • die Levante
  • Ägypten
  • und eben Anatolien,

also die Teile des Osmanischen Reiches, die zu Nostradamus Zeit dessen (kulturell islamischen) Kern ausmachten.

Wenn Nostradamus also schreibt, "Auf den Feldern Mediens, Arabiens und Armeniens", umgrenzt er das Kernland des Osmanischen Reiches recht präzise.

Meiner Meinung nach haette Nostradamus das Kerngebiet es osmanischen Reiches, also Anatolien, erwaehnt.

Davon kann man nicht ausgehen, weil Nostradamus in den Centurien eigentlich durchwegs an dem vorbeiredet, was er eigentlich meint. Das Gemeinte nicht zu nennen, sondern stellvertretend Dinge, die dem (geographisch, zeitlich, sachlich, sprachlich) nahe zugeordnet sind, ist geradezu das zentrale Wesensmerkmal des nostradamischen Werkes. :augenrollen:

Die Vereinigung des großen Solimans endete 1923. Die heutige Türkei ist dagegen nur eine epigonische Blähung, die sich wichtiger macht, als sie ist. Aus Nostradamus Sicht wohl keine weitere Rede wert. Wenn er sich mit einer Sache befaßt, die aus dieser Richtung kommt, dann mit der Ausdehnung und dem neuerlichen Bedeutungsgewinn des Mohammedanismus für Europa und dessen Zurückdrängung irgendwann in der Zukunft (wenn dies keine endzeitprophetische Chimäre ist). Dieser Prozeß erfaßt die Türkei allenfalls als Teil und scheint eigentlich von Persien auszugehen. Die Osmanen hatten ihre Zeit. Ihr Kapitel im Weltdrama des Nostradamus ist geschlossen.

Nebenbei handelt es sich doch wieder nur um den Versuch, momentanes Weltgeschehen auf Prophezeiungen passend hinzubiegen und umgekehrt, der wie immer keine Früchte tragen wird. Das derzeitige Geschehen wird gewiß nicht dazu führen, daß z. B. Rußland die Apokalypse über die Türkei hereinbrechen läßt und letztere dadurch wieder christlich werden würde, wie es sich die Propheten seit 1453 erträumen. Nach dem armenisch-aserbaidschanischen Konflikt wird die Türkei als Staat (kaum tangiert) weiterexistieren. Sie wird auch Erdoğan überleben und aus seiner Herrschaft vielmehr einiger westlicher Wahnvorstellungen (z. B. Demokratie und Laizismus) entledigt aus islamischer und traditioneller Sicht kulturell gestärkt hervorgehen – ob uns das gefällt oder nicht. Ein wesentlicher Aspekt unserer Zukunft wird es sein, den mohammedanischen Einfluß aus Europa wieder hinausdrängen zu müssen. Was um Armenien geschieht, markiert höchstens den bestehenden Widerstreit zwischen Türkei und Rußland bzw. zwischen Christentum und Islam, der sich noch einige Zeit länger hinziehen und von Rußland geführt werden wird, wenn das Abendland den Kampf verloren haben wird, wonach es zur Zeit aussieht.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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