von Blumen und Bienen (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Ulrich ⌂ @, Germering, Dienstag, 04. Juni 2019, 02:26 (vor 15 Tagen) @ Sagitta485 mal gelesen

Hallo,

welchen Grund gibt es, die Pathos-triefenden "Visionen" des Giovanni Bosco in die Zukunft zu verlegen ?

Das ist ja wie an der Prophezeiungs-Wursttheke: Irlmaier und Mühlhiasl ist aus, aber wir hätten noch einen Don Bosco anzubieten, nicht mehr ganz frisch, aber geht schon noch...

Der in der Quellen-Sammlung mit "Vision über die Heimsuchungen" betitelte Abschnitt hat ganz eindeutig Bezug zu den kirchenpolitischen Vorgängen VOR deren Abfassung: https://franciscan-archive.org/bosco/opera/boscofr.html
... womit alle philologischen Überlegungen, was Giovanni Bosco mit Vollmonden, Blütenmonaten, Bienen und Blumen gemeint habe könnte, bestenfalls diagnostischen Wert für das Ausmaß der Realitätsverweigerung des "Visionärs" haben, aber derartige "Interpretationen" m.E. sowenig Zukunfts-erhellend sind wie ein Gummibärchen-Orakel.

Ich erinnere an "Prisoner of the Vatican. The Popes' Secret Plot to Capture Rome from the New Italian State" des Historikers David Kertzer, der die "campaign of intrigues" jener Jahre erschöpfend beschrieben hat ( https://schauungen.de/forum/index.php?id=29128 ), auf deren Boden die inflationäre Produktion derartiger "Visionen" gedeihen konnte und kirchenpolitisch instrumentalisiert wurde. Neben Taigi und Jahenny rechne ich auch Boscos Ergüsse zu diesen selbstgestrickten Apokalypse-Phantasien.

Kertzer hat nachgelegt und letztes Jahr "The Pope Who Would Be King: The Exile of Pius IX and the Emergence of Modern Europe" veröffentlicht. Wer immer schon wissen wollte, welche Elemente der historischen Papstflucht sich für ein Recycling bei der Produktion von katholischen Allmachts-Phantasien "Visionen" anbieten, der wird hier fündig: "Disguising himself as a simple parish priest, Pius escaped through a back door. Climbing inside the Bavarian ambassador’s carriage, he embarked on a journey into a fateful exile. ..."

Falls es nur ums Rechthaben gehen sollte (schlimm genug): Auch im o.g. Text genannte Kommentatoren verstehen die fragliche Textstelle als "ein Mai mit zwei Vollmonden", weisen jedoch darauf hin, daß es sich sowohl bei diesem "Mai mit zwei Vollmonden" als auch bei dem "Regenbogen des Friedens" ganz offensichtlich um Naherwartungen hinsichtlich des Jahres 1874 handelte (Fußnoten 40 und 41), die nicht eintraten >>> Tonne.

Gruß,
Ulrich


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