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Zu Nostradamus V/16 (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 28.12.2014, 11:37 (vor 2890 Tagen) (6082 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 26.09.2018, 09:00

Hallo!

Weil ich gerade las, daß im Zukunftsforum jemand diesen Vers ansprach.

Zitat:

Dank Fred Feuerstein liegt uns eine profunde Analyse zu Nostradamus-Quatrains vor die nun aktueller denn je erscheinen.

Fred zitiert aus Kurt Allgeier - man staune:

Ich finde das erste Kapitel deshalb bemerkenswert, da Allgeier schon 1981 (-> ca. Höhepunkt des kalten Krieges!) den Islam, bzw. den „Glaubens“-krieg alsMIT-Verursacher oder Vorläufer des 3.Wk ansieht. Dies im Gegensatz zu anderen Nostradamus-Experten, welche DAMALS mit einer Bedrohung durch den Islam NICHTS anzufangen wußten. Es passte nicht in ihr damaliges Weltbild !!


Ein Quatrain sei hier herausgestellt:

»Wenn sich der Preis für den sabäischen Tropfen nicht mehr auf dem Höchststand halten kann,
zum Zeitpunkt, da man die toten menschlichen Körper zu Asche verbrennt
und die Insel Pharos durch Kreuzer in Unruhe versetzt wird,
wird auf Rhodos ein hartes Schreckgespenst erscheinen. «"

  • zur Zeit befindet sich der Ölpreis auf historischem Tief
  • Pharos steht für Ägypten, die Übersetzung für "croisars" = "Kreuzer" steht wohl für militärische Präsenz der NATO
  • gleichzeitig bedroht derzeit die Türkei wieder einmal Griechenland - Rhodos stand geschichtlich betrachtet immer im Brennpunkt zwischen Ost und West; heute steht es als Sinnbild für die Bedrohung des Westens durch die islamische Welt.

Bemerkenswert auch, wie Nostradamus mit den Symbolen der Antike spielt - Leuchtturm von Alexandria(Insel Pharos) und Koloss von Rhodos; damit will er die große, globale Bedeutung (Welt-Wunder) der Ereignisse hervorheben.

BB und ich haben mittlerweile rund den halben Nostradamus bereits überarbeitet und diesen Vers anders interpretiert, insbesondere die erste Zeile.

A ſon hault pris plus la lerme ſabee,
D’humaine chair par mort en cendre mettre,
A l’iſle Pharos par croiſars perturbee,
Alors qu’à Rodes paroiſtra dure eſpectre.

Auf ihrem hohen Preis (nicht) mehr die sabäische Träne,
Menschliches Fleich durch Tod zu Asche gemacht,
Auf der Insel Pharos durch Kreuzträger verwirrt,
Dann, daß zu Rhodos erscheint hartes Gespenst.

Zeile 1: "Sabäische Träne" wird von einigen Interpreten als "Erdöl" gedeutet. Dafür scheint aber kein historischer Beweis zu existieren.
Vielmehr ist "Saba", der heutige Jemen, seit der Antike als wichtigster (bzw. einziger) Lieferant für Weihrauch bekannt, der aus dem Harz (der Träne!) des Weihrauchbaums gewonnen wird.
Deutung: Der Weihrauch ist nicht mehr auf seinem hohen Preis. Das heißt, die Kirchen sind schlecht besucht/geschlossen, der Glaube in einer Krise.
Dazu paßt Vers I/44, wo Nostradamus die Krise der Kirche (wahrscheinlich während der französischen Revolution) ganz ähnlich verschleiert, nämlich mit: "Der Honig wird viel teurer sein als Wachs." => Wachs für Kirchenkerzen nicht mehr benötigt, Preis fällt.

Zeile 2: Dazu paßt Zeile 2 mit ihrer Scheiterhaufensymbolik. Vor dem Hintergrund der ersten Zeile scheinen hier religiös Verfolgte auf dem Scheiterhaufen zu landen (natürlich im übertragenen Sinne).

Zeile 3: Pharos weist natürlich auf den antiken Leuchtturm auf der gleichnamigen Insel hin und ist wohl eine Chiffre für Ägypten. Dort tauchen "croisars" auf. Das Wort gibt es nicht. Es ist wahrscheinlich eine Neuschöpfung aus dem Wort "corsaire" ("Seeräuber") und "croiser" ("kreuzen"), bzw. "croix" ("Kreuz). Ein "Kreuzer" (das Schiff) ist ein "croiseur". Da landen also in Ägypten von der See her (darum auch der Hinweis auf den Leuchtturm) christliche Seefahrer in erobernder, beutemachender Absicht an. Das kann natürlich auch im übertragenen Sinne gemeint sein.

Zeile 4: Das "harte Gespenst" ist wohl als Hinweis auf einen totgeglaubten Schrecken, bzw. eine vergangen und erledigt gewähnte Begebenheit, die mit voller Härte plötzlich wieder auf den Plan tritt, zu verstehen. Und zwar in Verbindung mit Rhodos! Uns scheint das ein Hinweis zu sein auf die aus Nostradamus' Sicht in jüngster Vergangenheit liegende Eroberung der Insel Rhodos durch Osmanen/Islam im Jahre 1523.
Rhodos ist heute wieder griechisch-orthodox. Aber in der Zukunft scheint dieses längst erledigt geglaubte Gespenst der Vergangenheit eine Wiederauferstehung zu erleben. Dem entsprechend scheint uns der Vers möglicherweise auf folgendes hinzudeuten:
1. Eine Bedrängnis des Christentums im nahen Osten, vielleicht sogar in ganz Europa.
2. Zugleich ist der Islam, bzw. die islamische Vorherrschaft im (östlichen) Mittelmeer, das harte Gespenst von Rhodos, im Aufwind begriffen. Die "Kreuzfahrer" in Ägypten könnten einen europäischen Gegenschlag andeuten.

Es ist möglich, daß dieser Vers in die fernere Zukunft gehört. Es scheint bei Nostradamus einen Großzyklus aus vergleichsweise vielen Versen zu geben, der eine islamische Erhebung beschreibt, die ihr geistiges Zentrum in Persien hat, allmählich den ganzen nahen Osten, Ägypten, Nordafrika, Byzanz (Türkei), den Balkan erfasst und schließlich sogar Spanien, Italien und Südfrankreich erobert. Das europäische Reich scheint zu dieser Zeit in einer Krise zu sein und von zentrifugalen Kräften auseinandergetrieben zu werden. Dann tritt "Chyren" auf, wirft den Islam (erneut) aus Europa, eint das Reich, steht am Ende sogar im Zentrum der islamischen Welt und wird zum "christlichen Weltherrscher". Es gibt überaus viele Verse, die sich relativ problemlos in diesen Handlungsbogen einreihen lassen. Tatsächlich kann sich das Ganze über mehrere Generationen hinziehen. Nichtsdestoweniger ist das alles höchst spekulativ.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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