Zeta-Talk hatte am Ende doch recht!? - Nein!

Geschrieben von Swissman am 13. August 2003 03:43:47:

Als Antwort auf: Zeta-Talk hatte am Ende doch recht!? geschrieben von Viola am 12. August 2003 15:54:16:

Hallo Viola,

>zur Zeit wird mal laut,mal leise von einer Verschiebung des Äquators gesprochen,denn:
>was hier in Europa abgeht,ist NICHT normal.

Um mit Einstein zu sprechen: Es ist alles eine Frage des Bezugsrahmens: Das Wetter erscheint bloss deswegen "abnormal", weil entsprechende Wetterlagen, an einem Menschenleben gemessen, selten auftreten. Über historische Zeiträume gesehen bewegt es sich hingegen durchaus im Rahmen des Normalen.

>Es gab immer heisse Sommer,sicher,mal paar Tage,vielleicht mal drei bis vier >Wochen. Aber: es gab eigentlich immer mal ein Gewitter oder einen >Regenschauer dazwischen,diese lange unglaubliche Dürre am Stück war so noch >NIE da!

Selbstverständlich hat es sowas früher schon gegeben: Ältere Bauern erinnern sich hierzulande durchaus noch daran, dass man im Jahr 1947 die Wiesen nach dem Heuen nochmals mit Besen (!) bearbeitete, um zumindest das wenige Heu, das nach einem extrem heissen Sommer überhaupt vorhanden war, möglichst vollständig einzubringen.

Wir können aber auch gerne etwas weiter zurückgehen - dazu empfiehlt sich das Buch "Ernteglück und Hungersnot. 800 Jahre Klima und Leben in Württemberg."
So berichten alte Chroniken etwa, dass die Bäume im an Weihnachten 1289 ausschlugen und die Kinder in den Flüssen baden konnten. Im Februar 1290 gag es bereits reife Erdbeeren. Ähnliches wird auch vom Winter 1327/1328 berichtet.

Der Sommer 1536 fiel derart heiss aus, dass viele Quellen versiegten. Im Jahr 1540 schliesslich muss Mitteleuropa während 10 bis 12 Monaten in den Subtropengürtel einbezogen gewesen sein: Ab Februar registrieren die Chronisten sommerliche Temperaturen, nur vereinzelt fiel lokal etwas Regen. Die extreme Trockenheit liess im Erdboden fussbreite Spalten entstehen und die meisten Bäche sowie manche Flüsse ganz versiegen. Dennoch hatte die damalige Hitzewelle für die Weinbauern auch ihr Gutes, denn im Jahr 1540 konnten gleich zwei Traubenernten eingebracht werden.

Nach einem sehr kalten Winter scheint Mitteleuropa im Jahr 1718 erneut in den Subtropengürtel einbezogen worden zu sein. Dies wiederholte sich im folgenden Jahr, was zu einem Totalausfall der Heuernte führte.

1766 führte eine fünfmonatige Trockenperiode infolge Wassermangel zum Stillstand der meisten Mühlen in Württemberg.

Dieselbe Folge hatten die Trockenperioden der Jahre 1811, 1842, 1858, 1859 und 1860.

Am Bodensee, im Untersee, befindet sich übrigens auf dem Seegrund ein grosser Stein, der bei langanhaltender extremer Trockenheit zum Vorschein kommt. Bei dieser Gelegenheit wird traditionsgemäss die jeweilige Jahreszahl eingemeisselt. Bislang war dies 1674, 1755, 1785 und 1858 der Fall.

Wie man sieht, sind Extremwetterperioden durchaus nichts aussergewöhnliches - dazu braucht es weder die Zeta-Wichtel, noch den Treibhauseffekt oder sonstigen Hokuspokus. Hingegen korreliert die Klimageschichte auffallend stark mit der Entwicklung der Sonnenfleckenzyklen...

mfG,

Swissman


Antworten: