Re: Das Märchen vom Treibhauseffekt
Geschrieben von JeFra am 18. August 2003 00:45:15:
Als Antwort auf: Re: Das Märchen vom Treibhauseffekt geschrieben von Swissman am 17. August 2003 21:23:47:
Immerhin finde ich auch als mathematischer Laie "Modellrechnungen", die man während der Berechnung regelmässig korrigieren muss, damit keine physikalisch unmöglichen Ergebnisse herauskommen, in höchstem Masse dubios. - Ich denke, in diesem Punkt sind wir uns einig.
Da stimme ich zu. Ohnehin ist ja bei allen Rechnungen, die das Wetter betreffen, ein erhebliches Problem, daß die relevanten Differentialgleichungen notorische Beispiele für Instabilität sind: Ein paar harmlose natürliche Störungen sollen nach einigen Tagen das Wetter ganzer Regionen beeinflussen können. Wenn man dann noch relativ willkürliche Korrekturen an den Zwischenergebnissen vornimmt, kann ich mir nicht vorstellen, wie das Endergebnis irgenwelche wissenschaftliche Relevanz haben soll. Die Frage ist aber, ob man Thüne in dieser Angelegenheit trauen kann. Vielleicht hat er ja auch die Natur des Problemes nicht richtig verstanden.
Ich habe, wie gesagt, selber schon auf Beowulf-Multicomputern gerechnet, wie sie auch f -bür die neueren Klima-Situationen verwendet werden. Einmal geschah es, daß ein zu Hause gut funktionierendes Programm bei der Anwendung auf einem professionellen Beowulf-Cluster kompletten Unfug produziert hat. Nach einigen nächtelangen Debugging-Sitzungen stellte sich heraus, daß das Problem durch die Hardware verursacht sein mußte. Ich habe das Programm dann durch die Einführung von Prüfsummen verändert: wenn die Hardware ein falsches Bit produziert (das kam in Abständen von einigen Stunden auf einigen Dutzend Knoten vor), so wurde die Berechung ausgehend von Zwischenergebnissen neu gestartet. Natürlich handelt es sich hier um die Wiederaufnahme einer Rechnung, ausgehend von vertrauenswürdigen Teilergebnissen, und nicht um die mehr oder weniger willkürliche Korrektur der Zwischenergebnisse. Außerdem konnte man in diesem Fall vom Endergebnis leicht sagen, ob es das Gewünschte leistete, und nur das war in diesem Fall relevant. Über diesem Problem sind mir damals sicher etliche graue Haare gewachsen, und dabei handelte es sich immer noch um einen relativ kleinen LINUX-Cluster, gemessen an Rechnern, wie sie in der Klimaforschung verwendet werden. Ich könnte mir vorstellen, daß für diese Leute der zuverlässige Schutz gegen Hardware-Fehler DAS Problem Nummer eins ist, selbst wenn nur allerbeste Komponenten Verwendung finden.
Insgesamt denke ich schon, daß Ihr Urteil über die Ökologiebewegung als Ganzes richtig ist, aber ich täte mich schwer damit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, manche konkrete Thesen dieser Bewegung (etwa über den Treibhaus-Effekt oder das Ozonloch) als Humbug zu erklären. Manchmal kann man ja bestimmte Knallkopf-Thorien allein durch einen Vergleich der Größenordnungen der beteiligten physikalischen Kräfte ausschließen, man denke nur an Behauptungen über ein mögliches Kippen der Erdachse durch Asteroideneinschlag. Oder denken Sie an die Thesen Heinsohns zur Geschichte des Alten Orients, die eigentlich nur dann eine Chance haben, richtig zu sein, wenn in mehreren der betreffenden Fachrichtungen (Sumerologie, Hethitologie etc.) komplette Willkür herrschen würde. Aber in diesem Fall sind die von der Ökologiebewegung ins Feld geführten Argumente wenigstens recht gut erdacht, wenn sie denn erdacht sein sollten. Es ist gut möglich, daß CO2 in der Tat nur einen Teil der Wärmeabstrahlung der Erde abschirmen kann, ober ohne Detailkenntnisse ist es schwer zu sagen, wie relevant dieser Einwand ist. Wenn wirklich das gesamte Spektrum der Wärmeemission der Erde durch CO2 betroffen wäre, so könnte man sich wohl aufwendige Rechnungen zu den Auswirkungen des derzeiten Anstieges des CO2-Gehaltes der Athmosphäre ohnehin sparen.
Franklin D. Roosevelt, der in diesem Punkt wohl zumindest mitverantwortlich ist, hegte nachweislich Sympathien für den Kommunismus. - Daher auch die Konzessionen, die er an Stalin machte...
Dann ist mir nicht klar, warum es nach dem Ableben Roosevelts keine gr -bößere Kurskorrektur in diesem Punkte (also die ideologische Innenpolitik des Westens betreffend) gegeben hat. Man hat die SU hinterher als Feindstaat behandelt, abgesehen von einigen Verrätern in den eigenen Reihen. Einige der übelsten Kommunisten hat man aus den USA herausgeworfen (sie haben meist in der DDR Unterschlupf gefunden), und zwei der Atomspione hat man in den Tod geschickt. Sicher verdientermaßen, auch denn die Frage erlaubt sein sollte, ob es sich nicht um eher unbedeutende Rädchen im Getriebe gehandelt hat. Aber sonst sind größere Kurskorrekturen ausgeblieben. McCarthy ist ziemlich schnell an Grenzen gestoßen, wo seine Politik auf mehr hauslief als nur auf Korrekturen von Details der Außenpolitik. Heute wird er weitgehend dämonisiert, und das Aufwerfen der Frage, wie es überhaupt zur Förderung des Kommunismus durch die US-Regierung kommen konnte, wird als Hysterie gebrandmarkt. Die für die Förderung des Kommunismus verantwortlichen Kreise haben ihre Kräfte reorganisieren können, um dann in den 60iger Jahren erneut zuzuschlagen. Wenigstens einer der ganz großen kommunistischen Schlächter, nämlich ist anscheinend nie in Moskau oder Peking gewesen, sondern hat seine politische Ausbildung in Paris im Umfeld der Kreise erhalten, die für die Kulturrevolution der 60iger verantwortlich sind. Ich glaube nicht, daß man dafür nur die politischen Neigungen eines einzelnen Mannes (Roosevelt) verantwortlich machen kann.
mfG
JeFra
- Re: Das Märchen vom Treibhauseffekt Swissman 18.8.2003 22:19 (1)
- Re: Das Märchen vom Treibhauseffekt JeFra 19.8.2003 03:10 (0)