Re: Nur ein paar kleine Korrekturen
Geschrieben von Marc Malbec am 04. Februar 2004 15:58:48:
Als Antwort auf: Re: Ein Streifzug durch die USA geschrieben von DaveRave am 03. Februar 2004 12:50:36:
Hallo Dave Rave,
ein paar Deiner Ausführungen würde ich doch gerne zu korrigieren versuchen:
>Kulturgeschichte steckt nicht im Grund und Boden, sondern in den Köpfen der Menschen. Und ihre Köpfe nahmen die Auswanderer bekanntlich in die USA mit, und damit auch die gesamten Errungenschaften der europäischen Kultur, Zivilisation und vor allem der Aufklärung.
Besonders amerikanisch ist die Kultur also nicht, wie Du selber schreibst. Deine Argumentation aufgreifend könnte man sagen, Coca-Cola, Hamburger, Jeans und Hollywood sind deutsch, weil alles über den Großen Teich wieder zu uns herübergeschwappt ist. Ob Du das sagen wolltest?
Im Hinblick auf die "Kultur" der USA bin ich in der Tat der Meinung, daß es eine überhebliche Dummheit wäre, diese dem Land absprechen zu wollen.
Doch wie sieht die US-Kultur bei näherem Hinsehen aus? Unschlagbar ist sie, von ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, in allemm, was trivial, seicht und ordinär ist. Den Massengeschmck zu kitzeln, so wie das jedes Bierzelt vermag, ("Ein Prosit, ein Prohosit..."), darin sind sie Meister.
Das ist Kultur, ohne jede Frage. Die Bewertung bleibt selbstversändlich jedem selbst übelassen. Über Geschmack läßt sich nicht streiten. Genauso wenig wie darüber, welches Getränk besser ist, Coca-Cola oder Bordeaux?
Was ich daneben mit US-Kultur verbinde, läuft unter den Stichwörtern, Eroberung, Besiedelung, Landnahme, Ausrottung, Genozid, Sklaverei, Angriffskrieg, Morden, Rauben, Brandschatzen, Ausbeutem.
Wer wollte zweifeln, daß man auch das als Kultur begreifen kann?
Nur, es ist halt nicht die meine. Aber wer das gut findet, soll es tun!
>Im Gegensatz zum alten Europa wurde in Amerika umgehend die Gelegenheit genutzt, diese Erkenntnisse auch konsequent umzusetzen. Während Europa noch zahlreiche Kriege bis Mitte des 20. Jahrhunderts benötigte, legten die USA schon 1776 die Grundlagen für Demokratie und Menschenrechte.Klar doch, die Gelegenheit zu Genozid, Versklavung und anderen Nettigkeiten. Ohne daß bis heute auch nur ein Dollar Entschädigung bezahlt worden wäre.
>Gut, die Schwarzen und die Indianer duften noch nicht mitwählen. Auch Frauen übrigens nicht. Doch nirgends sonst auf der Welt, nicht einmal in England, gab es damals ein breiter gegründetes Wahlrecht.
Doch, in Deutschland 1866. Du wirst staunen, was dazu Fritz Stern und Otto Pflanze schreiben.
> Die Errungenschaften von 1776 werden durch ihre an heutigen Maßstäben bestehenden Defizite also in keiner Weise geschmälert.
Für den, der Genozid, Versklavung und Zwangsarbeit, mithin Auschwitz und alles andere, für Petitessen hält, natürlich nicht. Ist halt alles eine Frage der ethischen Prinzipien.
>Speziell Deutschland zeigte noch besonders lange ein auffallendes Desinteresse an Demokratie und Menschenrechten. In Sachen Aufklärung hinkte Deutschland hinterher. Goethe und Schiller waren weitgehend unpolitisch, und Immanuel Kant hat ein derartig singulär hohes Niveau, dass er außerhalb eines kleinen Kreises von Intellektuellen damals wie heute kaum verstanden wurde.
Öha, Voltaire, Diderot, D´Alembert, Baron Grimm, Rousseau wären demnach ein Massenphänomen gewesen. Wie Beckenbauer, Netzer, Overath, Maier, Müller, Hoeneß und Breitner?
Friedrich II, Franz II und Leopold II scheint es nie gegeben zu haben? Lies mal nach, wie Voltaire den Preußenkönig feiert, und mach Dir klar, daß Friedrich Voltaire hätte umstandslos hängen lassen können, wegen Spionage und Devisenvergehen. Ein Blick in den Briefwechsel der beiden könnte aufschlußreich sein. In welcher Sprache haben beide Herren korrespondiert? In der Sprache der Aufklärung oder in der der Stallknechte?
Wer war in den Zeiten des Alten Fritz Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften?
Schon mal was von Lessing gehört, seinem Nathan?
Ja, ja, Deutschland hinkte hinterher. Mag schon sein, aber was wäre dann erst über die USA zu sagen?
>Die breite Bevölkerung Deutschlands empfand nie das Bedürfnis nach Freiheit, sondern richtete sich bequem in dem Absolutismus ein mit der Gewissheit, dass ein aufgeklärter Monarch schon das Richtige tun werde.
Wenn ich mir die unaufgeklärten amerikanischen Großverbrecher von Franklin D. Roosevelt bis Bush so ansehe, und wie das Volk jede Zumutung schluckt, werde ich in meinem Urteil über D-Land etwas nachsichtiger.
Du müßtest Dich nur fragen, was los wäre, wenn die Deutschen mal ihre Liebe für Freiheit und Unabhängigkeit entdecken würden? Dann würden Sie versuchen, Knechtschaft und Besatzung abzuschütteln. Wozu das führt, müßte inzwischen klar geworden sein. Zum Krieg, natürlich. Wir hätten Zustände ähnlich wie im Irak.
>Die Paulskirchenverfassung war eine Professorenveranstaltung, und das Deutsche Reich mit dem Dreiklassenwahlrecht in Preussen war wieder eine bequeme Monarchie.
Vielleicht, mit Professoren mit einem Hang "zur ausländischen Phrasenschablone" (O. v. Bismarck). Die Überheblichkeit gegenüber Intellektuellen kenne ich eher aus anderen Ecken: ich sage mal Adolf Hitler und Josef Stalin. Aber wie gesagt, über Geschmack möchte ich nicht streiten. Mir scheint nur ein Parlament aus Professoren immer noch akzeptabler als eines aus Beamten, Lehrern, Straßenkämpfern und Bardamen.
Überrascht bin ich auch von der Verachtung der Bequemlichkeit. Ich kenne nichts Bequemeres unter der Sonne als Euch, ihr repräsentativen Demokraten. Von Zeit zu Zeit seine Stimme abgeben, dann geht alles wie von selbst. Was wichtig ist, erledigen die Wissenden und Weisen. Du, lieber Wähler, hast Deine Stimme abgegeben, damit machen wir jetzt, was WIR wollen.
>Das Desinteresse der Deutschen an Freiheit und Mitsprache, gepaart mit Obrigkeitsglauben, wiederholte sich übrigens in der NS-Zeit und in der DDR.
Auf den ersten Blick richtig. Aber ist es wirklich so wahnsinnig anständig, einem Sklaven sein Unterdrückt-Sein aufs Brot zu schmieren. Als die Menschen in der DDR ihre Liebe zur Freiheit entdeckten, spät genug, aber immerhin, stand Europa, d.h. Deutschland, vor der Gefahr, zum Dritten Mal zum Schlachtfeld eines Weltkriegs zu werden.
>Die Demokratie wurde nicht freiwillig eingeführt, sondern als Folge des ersten Weltkrieges und auf Druck der USA. Erst die Befreiung durch die USA führte zum Grundgesetz, was manche Menschen den USA bis heute übel nehmen.
Entschuldigung, aber das ist kompletter Unsinn! Bei uns gab es demokratische Verhältnisse (1871), da war in den USA eine Vorform von Auschwitz, Treblinka und Majdanek offizielle Politik.
>Die USA verdienen unseren größten Respekt, denn sie waren die ersten, die Demokratie und Menschenrechte konsequent förderten und damit erst die guten Seiten den europäischen Kultur zur Entfaltung brachten."
Frankreich und die Aufklärung schon vergessen, nach nur wenigen Absätzen? Brainwash im Schnelldurchlauf. Wo kommt eigentlich die Freiheitsstatue her, und wo steht ihr verkleinertes Pendant?
Marc Malbec
- Re: Nur ein paar kleine Korrekturen DaveRave 04.2.2004 16:29 (23)
- Re: Wer zählt die Toten, nennt die Namen? Marc Malbec 04.2.2004 16:54 (21)
- Unterschiede franke43 05.2.2004 08:01 (20)
- Re: Man muß Gott für alles danken, auch für die schreibenden Franken ;-))) (o.T.) Marc Malbec 05.2.2004 10:07 (0)
- Anerkennung Spitama 05.2.2004 10:06 (18)
- Re: Anerkennung - Dem schließe ich mich uneingeschränkt an (o.T.) Eraltho 05.2.2004 11:06 (0)
- Danke für die Blumen franke43 05.2.2004 10:27 (16)
- Re: Danke für die Blumen DaveRave 05.2.2004 11:25 (15)
- Ich nicht franke43 05.2.2004 11:57 (13)
- Re: Die Verwechslung von Lechts und Rinks Marc Malbec 05.2.2004 14:28 (12)
- Nur deshalb keine Feindschaft ... franke43 05.2.2004 15:44 (8)
- Re: Nur deshalb keine Feindschaft ... JeFra 06.2.2004 13:14 (0)
- Re: Bündnis von Kommunisten und Nationalsozialisten ... Apollo 05.2.2004 18:52 (0)
- Re: In welchem Rahmen verwirklicht sich Freiheit? Marc Malbec 05.2.2004 16:52 (5)
- In welchem Rahmen verhindert man Krieg ? franke43 06.2.2004 08:13 (4)
- Re: Frieden herrscht am meisten auf dem Friedhof Marc Malbec 06.2.2004 10:39 (3)
- Re: Frieden herrscht am meisten auf dem Friedhof DaveRave 06.2.2004 11:02 (2)
- Re: Bitte bei der Sache bleiben Marc Malbec 06.2.2004 11:37 (1)
- Re: Bitte bei der Sache bleiben DaveRave 06.2.2004 11:57 (0)
- Re: Die Verwechslung von Lechts und Rinks DaveRave 05.2.2004 14:44 (0)
- Re: Die Verwechslung von Lechts und Rinks DaveRave 05.2.2004 14:42 (1)
- Re: Nichts ist so weit rechts wie das poitisch Korrekte ;-)))e Marc Malbec 05.2.2004 15:13 (0)
- Ich nicht franke43 05.2.2004 11:56 (0)
- Re: Nur ein paar kleine Korrekturen (off topic) Johannes 04.2.2004 16:49 (0)