Unterschiede

Geschrieben von franke43 am 05. Februar 2004 08:01:24:

Als Antwort auf: Re: Wer zählt die Toten, nennt die Namen? geschrieben von Marc Malbec am 04. Februar 2004 16:54:02:

Hallo

Das ist ja der Unterschied:

Viele Völker haben sich irgendwann in ihrer Geschichte
grosser Sauereien bis hin zum Völkermord schuldig gemacht,
aber nicht allen Völkern wird das gleichermassen angekreidet.
Das amerikanische Volk erfrecht sich anderen ein leuchtendes
Vorbild sein zu wollen, TROTZ der finsteren Flecke in ihrer
Geschichte, ohne die die USA aber niemals in die heutige
privilegierte Stellung gelangt wäre. Denn ohne Indianermord
meine grosse USA, ohne grosse USA keine Weltmachtstellung.

>>>...da war in den USA eine Vorform von Auschwitz, Treblinka und Majdanek >>>offizielle Politik.
>>Das würde mich jetzt allerdings näher interessieren.
>
>Hallo Dave Rave,
>ich meine die Ausmordung der indianischen Ureinwohner, die Verschleppung und >Versklavung von Schwarzafrikanern, sowie die Art und Weise einer auf >großflächige Tötung der Zivilbevölkerung angelegten Kriegführung. Dazu Näheres >bei Deschner ("Der Moloch").

>Die weitgehende Vernichtung der indianischen Urbevölkerung setze ich als >bekannt voraus.

Die Ermordung der Indianerstämme war tatsächlich systematische
Politik. Custer, der 1876 im Kampf umkam, hatte vorher genau
diese Rolle - unter immer neuen Vorwänden Indianer umbringen.

Und das ging so:

Man "kaufte" den Indianern ihre Stammesgebiete ab oder erklärte
sie einfach zu Staatsland - so wie das übrigens auch Schweden
und Norwegen mit den Gebieten der Samen gemacht haben. Danach
pferchte man die nun landlosen Indianerstämme in kleine Rest-
gebiete, sogenannte "Reservate". Die waren selbstverständlich der
schlechteste Teil ihrer alten Stammesgebiete oder lagen manchmal
ganz woanders als die Stammesgebiete. Dort überliess man sie
ihrem Schicksal, also dem Hungertod. Brachen sie aus dem
Reservat aus, weil es zur Ernährung nicht reichte, hetzte man
ihnen sofort die heldenhafte US Cavalry auf den Hals, eine
Truppe, die erst im Bürgerkrieg aufgestellt worden war und
die aber in den Indianerkriegen ab 1865 sofort eine neue
Verwendung fand. Ausserdem schoss man den Prärieindianern
systematisch und gegen Abschussprämie die Bisonherden weg,
ohne am Fleisch oder an den Fellen selber interessiert zu
sein. Der einzige Sinn war: die "Rothäute" sollten nicht mehr
zu essen haben.

>Daneben steht noch die Verschleppung und Versklavung von Schwarzafrikanern, >die zu Millionen und Abermillionen während der Überfahrt und auf den >Baumwollfeldern krepiert sind (man spricht von 13 Millionen Toten)

Die Verschleppung aus Afrika überliess man oft Europäern,
die sich am "Dreieckshandel" eine goldene Nase verdienten.
Engländern war der Sklavenhandel ab etwa 1800 verboten, aber
es fanden sich immer genügend andere, die mit der Ware Mensch
eine goldene Nase verdienen wollten. Als England die Sklaverei
abschaffte, fielen die englischen Kolonien in der Karibik
und in Südamerika (Guayana) weg, und der Süden der nun
unabhängigen USA wurde der neue grosse Absatzmarkt.

>und eine >spezifisch amerikanische Art der Kriegführung, die versucht, bei >minimalstem >eigenen Risiko möglichst viele (zivile) Tote zu verursachen.
>Das läßt sich, so Deschner, bis in den amerikanischen Bürgerkrieg >zurückverfolgen

Richtig, General Sherman wandte in seinem "MArsch ans Meer"
1864 in ganz Georgia die Mehtode des Kahlschlags an. Dieser
Feldzug bildet den Hintergrund für das berühmte alte Leinwand-
epos "Im Winde verweht".

>und zeigt sich in neuerer Zeit u.a. in Hiroshima, Nagasaki, Dresden, Hamburg, >Pforzheim,

Nürnberg, Würzburg, Hildesheim ....

Gegen Kriegsende gab es einen Befehl, dass alle deutschen
Städte, die vor dem Krieg 100000 Einwohner oder mehr
gehabt hatten, flächendeckend zu bombardieren seien.

Nürnberg wurde z.B. völlig plattgemacht. Im benachbarten
Erlangen liessen die Kriegshelden aus USA Flugblätter
statt Bomben abwerfen. Auf denen stand wunderschön gereimt:

"Erlangen wollen wir schonen,
denn in Erlangen werden wir wohnen"

So kam es auch.

>vielleicht auch Basra und Bagdad.

Naja dort steht vieles noch. Man zielt eben heute besser.

>Eine Art und Weise des massiven, großflächigen Tötens, das primär auf wehrlose >Zivilisten abzielt (vgl. Zitat von General Sherman, das gestern von BBouvier >gebracht wurde) rechtfertigt den Vergleich mit Orten, die üblicherweise als >Inbegriffe genozidalen Mordens gelten.

Sherman war Praktiker - siehe sein oben erwähnter Feldzug.
Sherman und Grant hatten "erkannt", dass die Konföderierten
die fähigeren Generäle hatten, vor allem Lee. Dem konnten
sie nur das grossflächige und wahllose Kaputtschlagen
entgegensetzen. Ein Erfolgsrezept (MAterialschlacht),
das dann leider Schule machte.

>Würde man zählen, welches Land mehr Tote auf dem Gewissen hat, Deutschland >oder die USA, würden die USA mit großem Abstand in Führung liegen. Und ein >Ende der amerikanischen Mordrennerei ist weit und breit nicht abzusehen.

Man soll vor seiner eigenen Tür kehren, udn das haben wir
Deutsche wirklich vorbildlich getan. Die Amerikaner haben
vor ihrer Tür nicht so fleissig gekehrt. Aber auch wenn
wir sehr finstere Stellen in unserer Geschichte haben,
müssen wir zum Ausgleich nicht auch noch diejenigen
bewundern und (z.B. in der Sprache) nachäffen, die noch
finsterere Stellen haben.

>Marc Malbec

Gruss

Franke



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