Sprache und Ausdrucksweise

Geschrieben von franke43 am 11. August 2004 07:12:04:

Als Antwort auf: Re: Sprachliches@ Franke geschrieben von BBouvier am 11. August 2004 00:48:44:

Hallo BB
>
>Hallo, Franke!
>1.)
>Auf die Frage:
>« Y a-t-il quelqu´un ? »
>Wäre die langatmig-grammattikalisch-korrekte Antwort :
>„Il n`y a personne.“ / „Personne n`est là. »
>Das sagt aber niemand. Die Antwort lautet:
>„Personne!“ – auch ohne jegliches « ne ».

Du scheinst oft in Frankreich zu sein, ich war nur
ein einziges Mal dort.

OK das sind moderne Vereinfachungen. Wahrscheinlich
funktioniert das auch nur mit dem Ausdruck "personne".
Bei anderen Ausdrücken dürfte man die Verneinungs-
partikel nicht so ohne weiteres weglassen können.

>2.)
>Nostradamus ist Dichter.
>Die Verse müssen sich reimen.

Das erklärt die verqueren Sätze. Seine Art zu reimen
war zeittypisch und auch in Deutschland gebräuchlich.
Die Reime von z.B. Hans Sachs haben einen ähnlichen
Aufbau, was den Satzrhythmus angeht.

>3.)
>Nostradamus schrieb 1555.
>Lies doch mal das Deutsch dieser Zeit!

Ich habe Hans Sachs und Martin Luther gelesen, auch
in der originalen "Rechtschreibung". Eine normative
Rechtschreibung im heutigen Sinn hat es nicht
gegeben, weder in D noch in F. Die heutige Debatte
über die Rechtschreibreform wäre damals völlig
unverständlich gewesen.

>4.)
>Nostradamus ist Provençale.
>Ich habe da unten schon anstatt:
>„Je vais chercher de l´eau » :
>« `em beau que re d`eigo »
>in Dörfern gehört!

Gut, Provencalisch war bis in die Zeit von
Nostradamus eigentlich eine eigene Sprachform und
hat als Dialektgruppe offenbar trotz starkem
Einfluss aus Nordfrankreich bis heute überdauert.
Die Provence kam ja erst nach der Niederlage
von Karl dem Kühnen gegen ich weiss nicht welchen
König Franz zu Frankreich, vorher war sie etwas
eigenes ("Königreich Burgund").

>5.)
>Nostradamus kürzt und schleiert.
>Mal beispielsweise II/65:
>„Le parc enclin grande calamité.“
>Da fehlt überhaupt das Verb!
>Oder: (V/66)
>« Terre trembler en auril. »
>anstatt:
>« La terre tremblera en avril. »
>(Infinitiv Präsens anstatt Futur I, und Druckfehler im „avril“.)

Naja das Fehlen eines Verbs ist ein Stilmittel,
das Präsens ebenfalls, nämlich zur dramatischen
Steigerung.

Im 16. Jahrhundert hat man zwischen U und V
nicht streng unterschieden, auch nicht in
Deutschland. bei Luthertexten sieht man oft
Verwechslungen zwischen U und V.

>Und es beschwert sich ja auch keiner drüber...

Aber eine Verneinung sollte wenigstens irgendwie
erkennbar sein. SO sehr sollte Nostradamus schon
an seine Leser gedacht haben, dass man positive
von negativen Aussagen unterscheiden kann.

>Herzlich,
>BB

Auch

Franke



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